Lehrer sind gefragter denn je . Noch gibt es Wartelisten, Pensionierungswelle sowie neue Ausbildung werden zu Problemen in den Schulen führen.

Von Carina Rambauske. Erstellt am 26. Juni 2018 (02:36)
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Ab dem kommenden Schuljahr sitzen 664 neu angestellte Lehrer in Niederösterreichs Schulklassen.

In wenigen Tagen ist es so weit: 179.000 niederösterreichische Schüler tauschen Schultasche und Hausübungsheft gegen Badehose und Schnorchel ein, um neun Wochen lang nicht an Grammatik, Vokabeln und Formeln zu denken. Mit ihnen rund 23.000 Lehrer – für 664 ist es der letzte Sommer vor dem Beginn ihrer Karriere in den Klassenzimmern, denn so viele stellt das Land NÖ im kommenden Schuljahr neu an.

Nicht alle, die sich für eine Anstellung beworben haben, haben eine ergattert, sondern stehen noch auf Wartelisten. Diese werde es in naher Zukunft nicht mehr geben, da ein Lehrermangel bevorsteht, der, so Helmut Ertl, Vorsitzender der NÖ Landeslehrer, „nicht mehr abzuwenden ist.“ Zum einen geht (nieder-)österreichweit jeder zweite Lehrer bis 2025 in Pension – in NÖ ab 2020 deutlich spürbar. Zum anderen sorgt die neue Lehrerausbildung für den Ausfall eines Studienjahrgangs, da Volksschullehrer statt drei nun fünf Jahre studieren. Das bedeutet, dass es 2019/20 vorübergehend nur wenige Volksschul-Absolventen geben wird.

Im höheren Schulbereich ist die Situation noch entspannt: Für die 250 offenen Stellen in den AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) gab es 1.700 Bewerber.

Anders die Situation im Pflichtschulbereich: 130 angehende Lehrer stehen auf der Volksschul-Warteliste, rund 100 sind es bei den Neuen Mittelschulen (NMS) – mit regionalen und fächerspezifischen Unterschieden. In Mistelbach und Gänserndorf ist die Situation besonders prekär: Nur ein Name steht auf der NMS-Warteliste. Sonderpädagogen sind ebenfalls schwer zu finden: 55 Stellen wurden ausgeschrieben, nur 17 Bewerber gab es. Die restlichen wurden mit Volksschul- und NMS-Lehrern besetzt.

Große Verlockung nach sicherem Arbeitsplatz

Auch wenn es aktuell noch unbeschäftigte Lehrer gibt: „Es wird eng!“, sagt Bildungsdirektor Johann Heuras über den bevorstehenden Engpass bei der Besetzung von Lehrer-Stellen. Das werde nur durch Sonderverträge mit (noch) nicht ausgebildeten Lehrern gelöst werden können. Studenten werden noch früher aus den Hörsälen in die Klassenzimmer rekrutiert werden. In der Not gefundene Lösungen werden sich auf die Unterrichtsqualität auswirken und Dienstvereinbarungen, wie beispielsweise eine halbe Lehrverpflichtung, zum Teil nicht möglich sein, befürchtet Ertl.

Die neue Lehrerausbildung, bei der erstmals ausschließlich zwischen Primarpädagogen (Volksschule) und Sekundarpädagogen (AHS, NSM, BMHS und ASO) unterschieden wird, sorgt nicht nur durch die Verlängerung der Studienzeit für Kopfzerbrechen: Es wird befürchtet, dass das längere, zum Teil schwierigere Studium für weniger Lehrer sorgen wird und, da Sekundarstufenlehrer sowohl an einer NMS als auch in einer AHS unterrichten können, es auch mehr an diese ziehen wird.

Aktuell melden die pädagogischen Hochschulen (PH) ein hohes Interesse an den Lehramtsstudien: „Wie immer bei Studienplanveränderungen sinken zu Beginn die Zahlen leicht, inzwischen steigen sie wieder stark“, informiert Erwin Rauscher, Rektor der PH NÖ in Baden. Konkret: Knapp über hundert begannen 2017/18 mit dem Studium für das Lehramt Primarstufe. Für 2018/19 liegen bereits 180 Inskriptionen vor.

Lehrer sind gefragter denn je. Auch wenn die Verlockung eines sicheren Arbeitsplatzes groß ist, warnt der Bildungsdirektor vor dem Lehrerberuf, „wenn man nicht die innere Berufung spürt und nicht mit dem Herzen dabei ist“, da die Herausforderungen und Aufgaben für Lehrer stetig wachsen. Und: „Gesellschaftliche Defizite zunehmend an die Schule delegiert werden“, so Heuras.