Ein nasses, krisensicheres Geschäft. Schwimmbecken-Bauer haben volle Auftragsbücher und lange Lieferzeiten. Wasser hingegen gibt es in Niederösterreich zur Genüge.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 23. Juni 2021 (05:49)
Pool Symbolbild
Ob im Chlor-Pool oder im bepflanzten Natur-Schwimmteich: Der Trend zum privaten Bad im Garten ist in Niederösterreich seit knapp 15 Jahren ungebrochen. Die Wasser-Befüllung wird dabei von einigen Gemeinden mit Eintragungslisten geregelt.
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Der Pool im Garten ist schon lang nicht mehr Statussymbol der Superreichen. Immer mehr Hausbesitzer in Niederösterreich legen sich einen Pool, Schwimmteich oder ein Naturbecken zu - wenn nicht gemauert, dann aus Plastik oder zum Aufstellen im Garten.

Abseits von Pandemie und Bauboom bescherte der Pool-Trend den rund 80 österreichischen Pool-Bauern seit Jahren gut gefüllte Auftragsbücher und seit 2019 im Schnitt ein jährliches Umsatzplus von 15 Prozent. Auch der Einzelhandel (Baumärkte) profitierte von den Lockdowns und erzielte ein sehr gutes Geschäft bei den Aufstellbecken.

Pool-Einstiegsdroge ist das Aufstellbecken

Bereits seit über 15 Jahren beobachtet Johann Poinstingl, Präsident des Österreichischen Verbands der Schwimmbad- und Saunawirtschaft (ÖVS) und Geschäftsführer der Firma Leidenfrost, den Boom zum Eigen-Pool.

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Pool-Bauer und ÖVS-Präsident Johann Poinstingl: „Unsere Auftragsbücher sind sehr voll.“
WKO/ÖVS, WKO/ÖVS

Die „Einstiegsdroge“ zum vom Fachmann gebauten Schwimmbecken ist oft das günstige Aufstellbecken aus dem Baumarkt. „Danach geht der Schritt zum Pool mit einer Gartengestaltung einher.

45- bis 50-Jährige wollen es noch mal wissen, investieren und richten sich den Garten schön her“, sagt Poinstingl. Die Anzahl der Pools in Österreich wachse jedes Jahr um 5.000. Deutlich mehr als 150.000 Pools dürfte es in Österreich geben. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich bei einem Vielfachen davon. Rund 15 Prozent der verkauften Pools sind Naturpools oder Schwimmteiche. Die werden immer beliebter. Die große Mehrheit wählt aber den klassischen Pool mit Chlor.

Wer sich sein fachmännisch gebautes Wasserrefugium leisten will, braucht jedenfalls ein sattes Budget und viel Geduld. Je nach gewünschtem Zubehör müssen die Pool-Aspiranten mit mindestens 50.000 Euro an Kosten rechnen, inklusive Baumeisterarbeiten. Erschwerend kommen Lieferengpässe bei Baumaterialien und Einzelteilen aus Fernost. Das führt je nach Schwimmbeckentyp zu Wartezeit von mehreren Monaten.

„Manche Firmen können nicht mehr liefern“, sagt Poinstingl. Er orte eine wachsende, indirekte Abhängigkeit dieser Firmen von Asien. Die Bestellungen trudeln nur so rein. „Jeder renommierte Schwimmbadbauer wird seine Bücher für das Frühjahr schon anfüllen“, sagt Poinstingl. Allein die Entwicklung der Baustoffpreise und einknickende Häuslbauer-Budgets könnten den optimistischen Marktausblick der Pool-Bauer für 2022 noch trüben.

Problem: Gleichzeitige Pool-Befüllung

Martin Angelmaier
Martin Angelmaier von der NÖ-Wasserwirtschaft: „Befüllungen spielen untergeordnete Rolle.“ 
NLK-Reinberger

Ohne Wasser kein Schwimmvergnügen: Mit Gesamtwasserreserven für einen Verbrauch bis zu 880 Millionen Kubikmeter pro Jahr verfüge Niederösterreich über absolut ausreichend Wasserreserven, sagt Martin Angelmaier, Abteilungsleiter der Wasserwirtschaft beim Land NÖ. Auf das gesamte Jahr bezogen spiele die Wasserentnahme durch Pool-Befüllungen eine untergeordnete Rolle.

Nur wenn Pool-Besitzer gleichzeitig mehrere 10.000 Liter Wasser in ihre Becken laufen lassen: „Dann kann es in Gemeinden mit kleineren Wasserversorgungsanlagen speziell zu Wasser-Engpässen kommen“, sagt Angelmaier. Um die Trinkwasser-Versorgung der Bevölkerung nicht zu gefährden, bitten daher betroffene Gemeinden wie Artstetten-Pöbring (Bezirk Melk) oder Dobersberg (Bezirk Waidhofen) ihre Bürger, sich in Pool-Befüllungslisten einzutragen, um die Wasserentnahme zu steuern.

Niederösterreich ist mit seinen Grundwasser-Vorkommen entlang der größeren Flüsse, im Tullnerfeld, Marchfeld, südlichen Wiener Becken und im Rax/Schneeberg-Gebiet reich gesegnet. Trotzdem können in Zukunft lang andauernde Trockenperioden regional oder lokal zu Wasserknappheit führen. Gemeinden werden sich daher bei der Wasserversorgung zusammenschließen, Zweit-Brunnen gegraben und vor allem überregionale Wasser-Transportnetze gebaut werden müssen. „Der überregionale Ausgleich wird an Bedeutung gewinnen“, sagt Angelmaier.

International gesehen hat NÖ viel Wasser in sehr guter Qualität zur Verfügung. Dennoch sei es wichtig, mit Wasser sparsam umzugehen und es nicht zu verunreinigen. „Wir sollten uns jedenfalls vor Augen führen, dass das keine Selbstverständigkeit ist, und dementsprechend mit der Lebensgrundlage Wasser umgehen“, sagt Angelmaier.