Niederösterreich will Fokus auf Grünräume legen. In Niederösterreich soll künftig in Sachen Raumordnung der Fokus statt auf das Bauland auf die Grünräume gelegt werden.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 15. Juli 2019 (11:27)
Franz Weingartner

Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) sprach am Montag von einem "Paradigmenwechsel". Erstmals umgesetzt werden soll dieser im Zuge des Regionalplanungsprojekts "Grüner Ring" bei der Leitplanung im Gerichtsbezirk Schwechat (Bezirk Bruck an der Leitha).

Bisher sei die Raumordnung immer "aus der Sicht des Baulands betrieben" worden, erklärte Thomas Knoll, der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Landschaftsarchitektur. "Stück für Stück wurde weitergewidmet und weitergebaut, lediglich der Rest blieb Grünland." Um die "identitätsprägende Kulturlandschaft Österreichs" zu bewahren, sei - insbesondere in den Wachstumsräumen - eine "Umkehrung der Blickrichtung" nötig, betonte Knoll. "Die Betrachtung kann nicht weiterhin nur aus dem Blickwinkel des Baulandes erfolgen, da in diesem Fall theoretisch unbegrenzte Erweiterungen bis zum Entstehen eines durchgängigen Stadtraumes stattfinden." Fixiert werden sollen also erst die Grünräume, der Rest kann gegebenenfalls zu Bauland umgewidmet werden.

In der Pilotregion, dem Gerichtsbezirk Schwechat, werden aktuell wertvolle Landschaftsräume von Experten erhoben und bewertet. Kategorien wie Lebensraum für Flora und Fauna, landwirtschaftliche Produktionsleistung, Boden- und Hochwasserschutz sowie Erholungsfunktion spielen dabei eine Rolle. "Die aufgenommenen Landschaftsleistungen werden hinsichtlich ihres Funktionserfüllungsgrades eingestuft, miteinander verschnitten und resultieren in einem Gesamtbild über die Leistungsfähigkeit der Landschaft", hieß es in der Aussendung.

Das "Abdecken besonders vieler Funktionen" mit einem hohen Erfüllungsgrad führe schließlich zur Einstufung der Grün- und Ackerflächen als besonders leistungsfähig bzw. wertvoll. Die gewonnen Erkenntnisse sollen schließlich unter anderem als Grundlage zur Festlegung von Siedlungsgrenzen, "über die weder gewidmet noch gebaut werden darf", dienen. "Wir legen also einen besonderen Fokus auf unsere Grünräume und rücken sie in den Mittelpunkt. Denn nur so können wir sie auch für die Zukunft erhalten", sagte Pernkopf.