Generaldirektor Wurzer: „ÖGK hat sich jetzt bewährt“. Generaldirektor Bernhard Wurzer sieht Erfolge für neue Gesundheitskasse in der Krise. Aber: 400 Millionen fehlen.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 12. August 2020 (02:55)
ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer will bis Ende 2022sämtliche Umstrukturierungen abgeschlossen haben.
ÖGK-Wilke

Die seit 1. Jänner bestehende Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) hat sich in der Coronazeit bewährt. Davon ist Bernhard Wurzer überzeugt. Der 46-jährige St. Pöltner leitet als Generaldirektor die Geschicke der neuen Krankenkasse mit ihren 12.300 Mitarbeitern und 7,2 Millionen Versicherten.

„Eine Krise wie diese wäre mit neun eigenständigen Landeskassen nicht zu bewältigen gewesen.“Bernhard Wurzer, Generaldirektor der Österreichischen Gesundheitskasse

„Eine Krise wie diese wäre mit neun eigenständig agierenden Landeskassen nicht zu bewältigen gewesen – zumindest nicht so reibungslos und unbürokratisch“, betont Wurzer. Zwei Beispiele sind die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung sowie das elektronische Rezept – beides Maßnahmen, die in der Zeit des Shutdown den Menschen den Weg zum Arzt erspart haben.

Während das E-Rezept ab 1. Jänner 2021 zum Standard wird, ist die elektronische Krankschreibung nur mehr bis Ende August möglich. „Eine Krankschreibung ist ein medizinisches Gutachten, das aus der Ferne schwer machbar ist“, erklärt Wurzer. Schnellt die Ansteckungsrate nach oben, kann man die Möglichkeit aber jederzeit wieder schaffen.

So gut sich die ÖGK in der Krise bewährt hat, so wenig ändert es daran, dass die Krise in der Bilanz ein dickes Minus hinterlassen wird. Durch die explodierende Zahl an Arbeitslosen und den damit verbundenen Verlust an Beitragsgeldern fehlen bereits jetzt 400 Millionen Euro – nicht eingerechnet sind Forderungen aus gestundeten Beiträgen, die infolge einer möglichen Pleitewelle uneinbringlich sein könnten.

Was die Kasse zahlt, ist jetzt überall gleich

Dennoch blickt Wurzer zufrieden auf die ersten sieben Monate von Österreichs größter Krankenkasse zurück. Gelungen ist in dieser Zeit unter anderem die umfangreiche Harmonisierung der Leistungen – was von der Krankenkasse bezahlt wird und was nicht, ist heute weitgehend in jedem Bundesland gleich.

Der Betrag, den die Kasse beisteuert, wurde im Zweifelsfall nach oben korrigiert. Gelungen ist auch die organisatorische Neustrukturierung – vorher gab es neun Hierarchien, jetzt gibt es eine. Die Fachbereichsleiter sitzen großteils in den Bundesländern – in St. Pölten liegt die bundesweite Zuständigkeit für sämtliche Finanzen sowie die gewerblichen Vertragspartner.

Noch stehen aber einige große Brocken aus – weshalb vor wenigen Tagen die letzte Phase der Umstrukturierung in Angriff genommen wurde. Neben kleineren Aufgaben wie der Schaffung eines einheitlichen Markenauftritts und der Neuaufstellung des chefärztlichen Dienstes sind es vier Bereiche, die bis Ende 2022 neu organisiert werden:

Kundenservice: Beim Kundenservice werden sämtliche Prozesse aus Kundensicht betrachtet – das reicht vom Internetauftritt bis zu Bewilligungen.

Betriebsmodell: Aktuell gibt es noch viele Bereiche in der ÖGK neunmal – angefangen von Personal- und Organisationsentwicklung bis zu den Betriebsvereinbarungen. Alle diese Bereiche sollen vereinheitlicht werden.

Einkauf: Obwohl die ÖGK eine Kasse ist, ist der Einkauf in jedem Bundesland anders geregelt. Wurzer will hier eine Vereinheitlichung. Ein bundesweiter Einkauf wird aber nur dort kommen, wo er sinnvoll ist. „Das Ziel ist, dass wir, wo es möglich ist, in der jeweiligen Region einkaufen“, betont Wurzer.

Informations- und Kommunikationstechnologie: Aktuell hat jede einstige Landeskasse ihre eigene Systemlandschaft – insgesamt sind neben den Standardprogrammen über 100 verschiedene Programmierprodukte im Einsatz. Wurzer will eine Systemlandschaft für die ganze ÖGK: „Das ist jener Bereich, in dem ich das größte Einsparungspotenzial sehe.“.