Home-Schooling: Kinder-Kurzsichtigkeit steigt. Der Trend zu mehr Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen setzt sich in der Pandemie fort. NÖ-Augenärzte raten zum Tageslicht-„Tanken“ und zu weniger Naharbeit.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 07. April 2021 (02:47)
Peter Gorka ist Augen-Facharzt und Präsident der Ophthalmologischen Gesellschaft.
VKAA/Trummer, VKAA/Trummer

Viel Zeit vor dem Buch oder am Smartphone in der Freizeit und konstantes Starren auf den PC im Homeschooling: Die intensive, vermehrte Naharbeit fördert die Kurzsichtigkeit bei jungen Menschen. NÖ-Augenärzte nehmen immer mehr kurzsichtige Kinder und Jugendliche in ihren Ordinationen wahr.

„Naharbeit und Lichtmangel fördern das Augenwachstum. Die Augen werden zu lang, und es kommt so zur Kurzsichtigkeit“, erklärt Augen-Facharzt Peter Gorka.

Seit etwa 1960 nimmt die Kurzsichtigkeit weltweit stark zu. Hauptverursacher sind der frühere Lernbeginn mit Nahbelastung der Augen und weniger Aufenthalt im Freien. Besonders Asien sei sehr stark betroffen. Setze sich dieser Trend fort, wird im Jahr 2050 weltweit jeder Zweite kurzsichtig sein, sagt Gorka.

Zwei Stunden pro Tag unter freiem Himmel

Um Kurzsichtigkeit vorzubeugen, sollte man von frühen Kindesbeinen an während des gesamten Augenwachstums (bis ungefähr 18) mindestens zwei Stunden pro Tag unter freiem Himmel verbringen. „In Innenräumen haben wir nur ein Zehntel des Lichts, weil wir zu 80 Prozent von Mauern umgeben sind.“

Es gebe wissenschaftliche Hinweise, dass man Licht auch tanken könne, sagt Gorka. Mit zehn Stunden im Freien an Wochenenden könnte man so seinen Lichttank für ein gesundes Augenwachstum füllen.

Mithilfe einer jährlichen Augenkontrolle könne man Kurzsichtigkeit erkennen und durch Regulierung (sehr niedrig dosierte Atropin-Augentropfen, spezielle Kontaktlinsen und neuerdings auch Brillengläser) um bis zu fünfzig Prozent verringern. Unnötige Naharbeit solle man am besten vermeiden und sonst einen Nahabstand von mindestens 30 Zentimeter einhalten, empfiehlt Gorka.