Archive: „Staub gibt’s fast keinen“. Wo das Gedächtnis des Landes im Kühlen ruht, stehen am 7. Juni die Tore offen.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 04. Juni 2019 (02:03)
NÖN/Fleck
„Das ist einer unserer jüngsten Schätze“: Roman Zehetmayer mit einem Blatt aus dem Schlossarchiv von Petronell.

17 Grad hinter zentimeterdicken Türen, schwarze Wände, stählerne Regale. Darin hellgraue Kartons („die säurefreien“), mit weißen Etiketten. „NÖLA“ steht da im Eck. Darunter: „Petronell“. Und: „1671 bis 1809“. „Das“, sagt Roman Zehetmayer und zieht ein sorgfältig und eng beschriebenes Blatt aus dem Karton, „ist ein Akt. Der ist aus dem 18. Jahrhundert. Da geht’s um Familiengeschichte.“

Das Blatt gehört zum 300 Urkunden, 900 Handschriften und 400 Aktenkartons umfassenden Herrschaftsarchiv der Abensperg und Traun. Der Karton, die Regale, das „NÖLA“ gehören zu NÖs Landesarchiv. „Und alles, was uns gehört, gehört dem Land“, erklärt Zehetmayer, Historiker, Archivar und seit 2017 Direktor im Kulturbezirk Nummer 4.

"Alles können wir nicht aufbewahren"

Herrschafts- und Schlossarchive lagern dort, aber auch historische Stadt- und Gemeindearchive, Fotoarchive, Nachlässe, Urkundensammlungen und Landesakten bis ins 16. Jahrhundert. 42.000 Regalmeter auf sechs Geschoßen werden hier gehütet, gereinigt („wir haben auch eine Restaurierwerkstätte“), aufbereitet und aufbewahrt. Dazu kommen noch zwei Außenstellen in der St. Pöltner Linzer Straße („wo die Landessammlungen wohnen“) und in Bad Pirawarth.

„Alles“, lacht Zehetmayer, „können wir nicht aufbewahren. Das würde alles sprengen.“ Statt dessen sieht man sich auch als Serviceeinrichtung („wir haben nichts davon, wenn alles nur im Depot liegt“) – digital, mit bereits 3,5 Millionen Datensätzen in der Datenbank, und analog. „Bei uns darf man zwar nichts mitnehmen. Und wir haben auch einen Tresorraum. Aber: Wir verstecken nichts!“