Neue Strategie für Niederösterreichs Bibliotheken. „Ein Update“ soll den niederösterreichischen Bibliotheken verpasst werden. Bis Frühjahr 2022 will das Land Niederösterreich eine neue Strategie umsetzen und so die Lesekompetenz der Bevölkerung verbessern.

Von Sophie Kronberger. Erstellt am 14. Mai 2021 (13:37)
v. l. n. r.: Bibliothekarin Ulrike Holy-Padevit (Stadtbücherei Mediathek Retz), Landesrat Ludwig Schleritzko und Ursula Liebmann (Geschäftsführung Treffpunkt Bibliothek).
NLK Filzwieser

Die blau-gelben Bibliotheken waren im Coronajahr 2020 eine wichtige Anlaufstelle für die Niederösterreicher, wie die Zahlen zeigen: Knapp 2,3 Millionen Entlehnungen wurden verzeichnet und die zahlreichen Medien von 92.000 Lesern genützt. Die rund 260 öffentlichen Bibliotheken hätten sich in den letzten Jahren als Allrounder gezeigt und seien damit mehr als nur reine „Medienaufbewahrungsstellen“, wie Landesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) betont.

Um den neuen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen, startete das Land Niederösterreich nun die Erarbeitung einer neuen Bibliotheken-Strategie. Bis Frühjahr 2022 will man ein „zukunftsfittes Bibliotheksland“ werden und so „die Begeisterung für Bücher und Co. sowie die Lesekompetenz der Niederösterreicher fördern“, erklärt Schleritzko.

Der Prozess der Umgestaltung fußt auf einem Grundlagenpapier, dem eine Studie namens „Bibliothek der Zukunft“ zugrunde liegt, welche 2020 mit der New Design University St. Pölten durchgeführt wurde. Geplant ist ein Paradigmenwechsel. Die Räumlichkeiten der Bibliotheken sollen attraktiver gestaltet werden, ein umfangreiches Weiterbildungsangebot für Bibliothekare und Mitarbeiter soll geschaffen werden, die Medienvielfalt ausgebaut und die Verbindung von digital und analog gestärkt werden.

Ein Ort der Vernetzung

Ursula Liebmann, Geschäftsführerin der Servicestelle für NÖ Bibliotheken fasst die vielfältigen Ansprüche zusammen: „Die Bibliothek soll ein Rückzugsort der Stille, aber gleichzeitig Treffpunkt für den Austausch sein. Bücher sollen im Fokus stehen, aber digitale Chancen erlebbar werden. Und auch wenn man sich moderne Elemente wünscht, will man den traditionellen Charme der Bibliothek nicht verlieren. Der Widerspruch zwischen laut und leise, analog und digital sowie traditionell und modern will bewältigt und gelebt werden. Genau daran arbeiten wir jetzt weiter.“ Die wichtigsten Partner sind dabei die Bibliothekare sowie die Gemeinden, Pfarren und Vereine als Träger der Bibliotheken.

Auch die Retzer Bibliothekarin Ulrike Holy-Padevit begrüßt eine gemeinsame Planung und plaudert aus dem Nähkästchen. Anhand von Gesprächen mit Bibliotheksnutzern und dem oft verwendeten Stichwort „Depression“ in den Suchmasken konnte sie feststellen, dass die Bibliotheken einen Beitrag zur mentalen Gesundheit in den letzten Monaten leisteten. Der Wohlfühlort Bibliothek soll auch forciert werden. „Meistens kommen die Kinder in die Bibliothek und ziehen sich wie zuhause zuerst einmal die Schuhe aus“, nennt Holy-Padevit als Beispiel dafür.

Auch über mögliche konkrete Maßnahmen gibt die Grundlagenstudie Auskunft: Ein erweitertes Portfolio von Online-Angeboten, wie die Plattform noe-book.at oder ein Click & Collect-Service bieten sich an, um möglichst viele Nutzer zu erreichen. Auch die soziale Partizipation soll großgeschrieben werden und Bibliotheken somit noch mehr zu einem „überdachten Dorfplatz“ für die Niederösterreicher werden.