Autokauf mit Bitcoins. El Salvador führte mit dem Bitcoin als weltweit erstes Land Kryptogeld als gesetzliches Zahlungsmittel ein. Auch in Niederösterreich kann ohne Euro bezahlt werden.

Von David Brandl. Erstellt am 15. September 2021 (03:51)
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In Theiß können schon Autos mit Kryptogeld bezahlt werden.
Shutterstock/CC7

Ein Auto kaufen, ohne einen Euro dafür auszugeben: Beim Autohändler Carvista in Theiß (Krems-Land) ist dies seit rund einem halben Jahr möglich. Dort Kunden können auch mit Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum bezahlen.

Wie funktionieren Kryptowährungen wie Bitcoin und Co? Grundsätzlich existieren sie nur digital und nicht als reales Bargeld. Matthias Reder von Coinfinity in Wiener Neustadt unterscheidet Kryptowährungen von normalem Geld: „Bitcoin wird von keiner zentralen Instanz ausgegeben oder kontrolliert.“

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Matthias Reder hilft Unternehmen bei der Nutzung von Kryptogeld.
Coinfinity

Denn statt Zentralbanken kontrolliert ein dezentrales Netzwerk, an dem grundsätzlich jeder mitwirken kann, Kryptowährungen. „Bitcoin als erste Anwendung der Blockchaintechnologie erlaubt erstmalig eine digitale Werteübertragung 24/7 ganz auf Basis einer Software ohne Mittelsmänner wie Banken“, streicht Reder hervor.

Bezahlen bei günstigem Wechselkurs

In der Praxis funktioniert das Bezahlen mit Kryptogeld wie bei normalen Käufen, sagt der Autohändler Carvista. „Kunden können sich aussuchen, wann sie überweisen“, erklärt der Händler. Dadurch kann der Käufer bei einem für ihn günstigen Wechselkurs das Fahrzeug bezahlen.

Wie normale Währungen basiert auch Kryptogeld auf dem Vertrauen, dass die Währung für den Tausch gegen Waren anerkannt wird. Dieses Vertrauen und die nötige Sicherheit garantieren Blockchains. Dabei handelt es sich um eine Verschlüsselungsmethode, bei der Überweisungen dezentral von vielen Nutzern geprüft werden.

Bei Carvista können Autokäufer zwar mit Kryptowährungen bezahlen, doch dank der Kooperation mit dem Grazer IT-Unternehmen Coinway World erhält der Autohändler den Verkaufspreis zu einem gesicherten Wechselkurs in Euro auf sein Konto. Dadurch wird das Risiko der schnellen Kursschwankungen von Kryptowährungen für den Händler abgefedert.

Im alltäglichen Einkauf sind Bitcoins noch nicht angelangt. Der St. Pöltner Gastronom Thomas Macho, der bereits Erfahrungen mit Kryptogeldautomaten hat, sieht die Alltagstauglichkeit noch skeptisch: „Das ist noch zu unausgereift, weil die Zahlung nicht sofort durchgeht, da sie auf der Blockchain acht Mal bestätigt werden muss – und das dauert.“ Dennoch kann sich Macho gut vorstellen, dass seine Gäste künftig ihren Kaffee gegen Kryptogeld genießen.