Das Märchen von 1.001 Dach: Solarunternehmerin mit großen Zielen

Erstellt am 22. Mai 2022 | 04:34
Lesezeit: 6 Min
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Bald können Claus Baumgartner, Cornelia Daniel und Martin Lackner (von links) jubeln, denn Unternehmen Nummer 1.001, welches eine Solaranlage am Dach bekommt, wird in wenigen Wochen verkündet.
Foto: Tony Gigov
Solarunternehmerin Cornelia Daniel und ihr Team hatten die Vision, in sieben Jahren 1.001 Unternehmensdächer mit Solaranlagen auszustatten. Dieses Ziel ist nun zum Greifen nahe.

2011 schrieb sich Cornelia Daniel auf einen Zettel: „Ich will auf jedem Unternehmensdach eine Solaranlage sehen.“ Inspiriert wurde sie dabei von Bill Gates, dessen Business-Ziel mit Microsoft im Jahr 1975 „ein Computer auf jedem Schreibtisch“ lautete. Man muss sich seine Ziele also hoch stecken, sie aber gleichzeitig am besten in Meilensteine unterteilen – und genau das hat Daniel mit ihrem Solarberatungsunternehmen „Dachgold“ auch gemacht.

Gemeinsam mit dem Wiener Neustädter Photovoltaikanlagenbauer „10hoch4“ setzte sie sich das Ziel, in sieben Jahren 1.001 Unternehmensdächer mit Solaranlagen auszustatten. Aktuell sind sie bei 929 angekommen, von einem Märchen kann daher schon lange nicht mehr die Rede sein. Diese Zahl und ganz viele andere hat Cornelia Daniel immer im Blick. Klar, denn die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen ist ihr erklärtes Steckenpferd. Ende Mai bereits soll der Name vom Unternehmen verkündet werden, auf wessen Dach Solaranlage Nummer 1.001 hinkommen wird.

Vom Sonnenkind zur Solarunternehmerin

Aber zurück zu den Anfängen. Ein wenig sei ihr das Ganze in die Wiege gelegt, sagt sie. Als Sonnenkind im Juni in Brunn an der Wild geboren, sei sie schon früh mit Solarthermie – der Warmwasseraufbereitung durch Sonnenergie – in Berührung gekommen.

„Mein Vater, der Installateur ist, hatte eine Solarthermieanlage. Das war früher noch etwas ganz Besonderes, vor allem im Waldviertel.“ 2007, beim Diplomstudium an der Wirtschaftsuniversität Wien, kam dann der erste Berührungspunkt mit Photovoltaik, der Umwandlung von Sonnenergie in Strom. Sieben Monate beschäftigte sie sich mit Solarthermie in Australien. Die Photovoltaik, die damals noch in den Kinderschuhen steckte, behandelte sie im Theorieteil ihrer Arbeit nur ganz minimal.

Dass Photovoltaik zu ihrem Hauptthema werden würde, ahnte sie damals noch nicht. Nach dem Studium arbeitete sie bei einer Solarinvestfirma und betreute Großprojekte im Ausland. Viel Wissen erarbeitete sie sich über die Jahre selbst. „Immer wenn ich mich wo nicht ausgekannt habe, habe ich darüber geschrieben.“ Mittlerweile sind das über 400 Artikel und Beiträge. Seit 2019 unterrichtet Cornelia Daniel auch an der Karl Franzens Universität in Graz, und zwar in dem Fach „Hands-on Sustainability Entrepreneurship“, das sich speziell an junge Frauen richtet.

Irgendwann wollte sich Daniels auch praktisch mit einer Solaranlage auseinandersetzen und auf dem Hof ihrer Großeltern ein solche auf einer Scheune errichten. „Da habe ich den ganzen Zinnober erstmals selbst miterlebt – von Angeboten, Berechnungen, Förderungen und so vielem mehr.“ Abgeschreckt habe sie das aber gar nicht, im Gegenteil. Zu diesem Zeitpunkt wurde ihr klar, dass sie Firmen auf dem Weg zu einer PV-Anlage unterstützen möchte – „Dachgold“ war somit geboren.

2014 entwickelte sich dann die Initiative „Tausendundein Dach“, gemeinsam mit dem Anlagenbauer „10hoch4“. Über 100 Mitarbeiter arbeiten seitdem an der Vision, die ungenützten Dachflächen von Unternehmen mit Solaranlagen auszustatten. „Als wir begonnen haben, hatten wir zwei bis drei Projekte pro Jahr, jetzt geht aktuell alles ganz rasch.“ Ursprünglich wollte man die 1.001 Dächer in sieben Jahren fertigstellen, nämlich bis 2020. Die kleine Verzögerung nimmt man aber in Kauf, so hat Daniel das große Ganze im Auge: „Jedes Dach ist ein Schritt in Richtung Solarzeitalter in Österreich.“

Die Liste der Kunden ist natürlich lang und auch die Meilensteine können sich sehen lassen. Das jüngste Dach Nummer 929 gehört der Firma B. Braun in Maria Enzersdorf, Dach 700 dem Handelshaus Kiennast in Gars am Kamp. Solaranlage 600 befindet sich bei Möbel Wittmann in Etsdorf/Kamp. Dach Nummer 100 war Gugler in Melk. Und das allererste Dach überhaupt? Das gehört jemandem, der sich mit Dächern auskennt, nämlich Rauchfangkehrermeister Horst Peter Pölzgutter aus Wiener Neustadt. Seine Stromkosten haben sich schon im ersten Jahr nach der Installation durch die Photovoltaikanlage um über 70 Prozent reduziert, erklärt er.

„Energie sollte dort erzeugt werden, wo sie verbraucht wird“, ist Daniel überzeugt, die im deutschsprachigen Raum als eine der gefragtesten Expertinnen für Photovoltaik gilt und 2020 von der Tageszeitung „Die Presse“ zur Österreicherin des Jahres gekürt wurde.

„Die Sonne kennt keine Inflation“

„Ich wurde öfters gefragt, was ich eigentlich mache und ob ich etwa eine Ökotante bin. Aber Photovoltaik ist eine zutiefst wirtschaftliche Angelegenheit und mich hat das wahnsinnig gemacht, dass die Leute das nicht verstehen. Solarenergie ist die Lösung für so viele Probleme, warum produzieren wir nicht einfach billig Energie? Die Sonne kennt nämlich keine Inflation.“

Jeder Sonnenstrahl, der auf ein Dach trifft, sei verlorenes Geld, formuliert es Daniel. „Das verstehen die Menschen erst, wenn die PV-Module am Dach installiert sind, aber die Anlage noch nicht läuft. Dann merkt man die Ungeduld, und die Leute beginnen auszurechnen, wie viel Geld ihnen gerade verloren geht.“

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Das Gesundheitsunternehmen B. Braun in Maria Enzersdorf besitzt die jüngste Solaranlage, die durch Cornelia Daniels Initiative auf einem Unternehmensdach Platz gefunden hat. 
Foto: Tony Gigov

Warum die Kunden gerade zu „Tausendundein Dach“ kommen, sei leicht erklärt: „Weil wir ihnen ganz einfach und plausibel erklären können, warum sich Photovoltaik rechnet.“ Mit einem Quick-Check und der Gestehungskosten-Berechnung wird die Welt der Photovoltaik nach einer Stunde viel verständlicher und eine Entscheidung einfacher. Themen, zu denen Dachgold berät, sind etwa Dach- und Schattenanalyse, Förderungen und die ideale Dimension einer PV-Anlage.

„Wenn wir mit den Berechnungen fertig sind und diese dann dem Kunden präsentieren, werden wir oft gefragt: Warum macht das nicht jeder? Ganz einfach: weil die Leute es noch nicht verstanden haben.“
Nicht nur die Geldersparnis sei ein wichtiger Grund, Solarenergie zu nutzen. Cornelia Daniel betont auch die gesellschaftliche Verantwortung, eine ungenützte Fläche wie ein Firmendach für etwas Sinnvolles zu verwenden.

Mehr als „nur“ Photovoltaik

Bei „Tausendundein Dach“ bekommen die Kunden nicht nur alles von Beratung bis hin zur schlüsselfertigen Anlage. Auch die Pressebetreuung wird übernommen, ganz nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber.“ „Eine Photovoltaikanlage ist ja schließlich nicht nur eine gute Investition, sondern auch ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz“, so die gebürtige Waldviertlerin.

Noch einen weiteren – sozialen – Beitrag leistet sie mit ihren Kollegen: Pro Photovoltaikanlagen-Dach wird „ein Augenlicht“ an die Organisation „Licht für die Welt“ gespendet.

Und was passiert eigentlich, sobald das Ziel erreicht ist und Unternehmensdach Nummer 1.001 eine Solaranlage verpasst bekommen hat? „Dann wird zunächst groß gefeiert. Alle unsere Kunden sind Solarhelden, wir organisieren daher jedes Jahr ein Solarheldenfest mit unterschiedlichen Themen wie einer Gin-Verkostung. Heuer feiern wir dann noch viel größer und laden alle unsere Kunden und noch viel mehr Menschen ein. Ich würde gerne schon die Party planen, aber ich muss noch die letzten Dächer fertigstellen“, lacht sie.

Und natürlich hat die Unternehmerin schon die nächsten Ideen im Kopf und die nächsten Pläne in Ausarbeitung. „Es gibt ja schließlich 200.000 Industriedächer in Österreich. Das war also erst der Beginn.“