Update am 15. Juni 2018, 18:54

von Anita Kiefer, Mario Kern und APA/Red

Signa kauft Kika/Leiner. Der Immobilieninvestor Rene Benko hat mit seiner Signa Holding Kika/Leiner gekauft. 

APA/HANS PUNZ

Das bestätigte Kika/Leiner-CEO Gunnar George am späten Donnerstag-Abend den Niederösterreichischen Nachrichten: „Wir haben das Angebot vor 15 Minuten angenommen."

Den Kaufpreis wollte er nicht verraten - 450 bis 500 Mio. Euro werden derzeit medial kolportiert.. Die Verträge werden kommende Woche unterzeichnet, ab dann gehört Kika/Leiner nicht mehr Steinhoff, sondern Rene Benkos Signa. Für die Zukunft heißt das, dass „wir den Restrukturierungsprozess fortführen können“, erklärt George. Er sei froh, mit dem Tiroler Rene Benko und seiner Signa-Holding einen "kapitalstarken österreichischen Investor" gefunden zu haben.

Von Rene Benkos Signa Holding gab es über deren offizielle Aussendung von Freitagnachmittag hinaus gegenüber der NÖN kein Statement zum angekündigten Sanierungskonzept, das in den kommenden Wochen erarbeitet werden soll. In Insiderkreisen wird jedoch spekuliert, wie dieser Sanierungskurs aussehen und in welcher Form er sich auf Management, Filialzahl und Mitarbeiter auswirken wird. Alle drei Bereiche würden jedoch im Zuge des Sanierungskonzepts geprüft, so die Gerüchte.

Rücktrittsrecht bis Juli, Closing im Herbst

Benkos Signa-Holding hat - wie die Kika/Leiner-Mutter Steinhoff am Freitag in einer Aussendung mitteilte - ein bedingtes Kaufangebot für die angeschlagene Möbelkette Kika/Leiner abgegeben. Bis 19. Juni läuft nun die Due-Diligence-Prüfung der operativen Firmen. Bis Ende Juli hat die Signa noch das Recht, aus dem Immobilien-Deal auszusteigen.

Dieses Rücktrittsrecht habe sich die Signa Holding vor allem aufgrund des Bilanzskandals um die Steinhoff-Gruppe ausbedungen, heißt es aus Insiderkreisen. So solle sichergestellt werden, dass bei der mit der Übernahme einhergehenden Prüfung des Unternehmens nichts übersehen wurde.

Das Kaufangebot der Signa bezieht sich auf die Immobilien und die operative Firmen. Der Wert der Kika/Leiner-Immobilien muss aber noch genau geschätzt werden. Der offizielle Verkauf (Closing) von Kika/Leiner soll laut Steinhoff bis Ende September erfolgen. Der Deal muss zuvor noch bei den Wettbewerbshütern angemeldet werden.

Freude über "österreichische Lösung"

Nach Angaben der Kika/Leiner-Konzernmutter war man mit mehreren interessierten Käufern in Gesprächen, darunter auch mit Konkurrent XXXLutz. "Wir freuen uns für unsere Kollegen, dass es eine österreichische Lösung geworden ist", sagte XXXLutz-Sprecher Thomas Saliger am Freitag. Zu den Gründen, warum Lutz nicht zum Zug gekommen ist, äußerte sich Saliger nicht.

Die Aktien von Steinhoff-International reagierten mit einem leichten Plus auf die Kika/Leiner-Verkaufsnachrichten. Die Aktie notierte im Xetra-Handelssystem mit plus 0,74 Prozent bei 0,0815 Euro.

Betriebsrat ausgesprochen zufrieden

Leiner-Betriebsratschef Karl Vogel begrüßte den Verkauf an Signa. "Ich bin mit dieser Lösung ausgesprochen zufrieden", sagte Vogel dem Ö1-Morgenjournal des ORF-Radio. Benko habe "bis jetzt erwiesen, dass er die Fähigkeiten und die Möglichkeiten hat, Unternehmen wirklich in positiven Linien zu führen".

Kika-Betriebsrätin Sonja Karner betont gegenüber der NÖN, dass der Verkauf bei den 2.700 Mitarbeitern für Erleichterung gesorgt habe. „Die Anspannung war zuletzt sehr groß. Derzeit machen sich die Mitarbeiter weniger Gedanken darüber, wie es nun weitergeht. Sie sind in erster Linie einmal froh, dass es überhaupt weitergeht.“

George will weitermachen

Laut George war es zuletzt immer schwieriger einzuschätzen, wie es mit der bisherigen Mutter, dem südafrikanischen Steinhoff-Konzern, weitergeht. Der Bilanzskandal bei Steinhoff zieht sich mittlerweile schon ein halbes Jahr hin, wodurch auch Kika und Leiner nicht mehr aus den Schlagzeilen kommt. Das verunsichert freilich die Kunden. Vor allem das Segment mit großen Möbeln, wie etwa Küchen, erlitt Umsatzeinbußen. Kunden sorgten sich, ob ihre bereits getätigten Anzahlungen sicher sind bzw. schreckten vor neuen Anzahlungen zurück.

Als vor knapp zwei Wochen der Warenkreditversicherer Euler Hermes bei Kika und Leiner abgesprungen ist, wurde es eng. Ohne Kreditversicherer muss ein Unternehmen Waren bar oder gegen Vorkasse bezahlen. Gespräche mit einem neuen Kreditversicherer seien in der "Zielgerade", sagte George. Kika und Leiner brauchen 70 Mio. Euro, um den derzeitigen Sanierungsplan umzusetzen.

George leitet die Geschäfte bei Kika und Leiner seit mehr als drei Jahren. Der Job mache ihm immer noch Spaß und er gehe davon aus, dass er ihn weitermachen werde, sagte er.