Niederösterreich rutscht weiter ab. In Niederösterreich stagniert die Kaufkraft. Ein Platz musste im Ländervergleich eingebüßt werden.

Von Anita Kiefer. Update am 02. Dezember 2019 (14:21)
AKNÖ-Präsident Markus Wieser (links) und AKNÖ-Wirtschaftsexperte Matthias Koderhold präsentierten die Daten zur Einkommensanalyse 2018.
Anita Kiefer

In NÖ hatten die Arbeitnehmer 2018 ein Brutto-Medianeinkommen von exakt 2.171 Euro. Das belegt die soeben veröffentlichte Einkommensanalyse der Arbeiterkammer NÖ. Dieser Wert stieg zwar gegenüber 2017 um 55 Euro, also 2,6 Prozent. Nach Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen und Lohnsteuer sowie unter Berücksichtigung der Preissteigerung und der Inflationsrate stagniert die Kaufkraft allerdings.

Im Bundesländervergleich ist NÖ auf den siebten Platz hinter Kärnten abgerutscht. Nur in Tirol und dem Burgenland ist das Brutto-Medianeinkommen geringer. Das Ranking führt Vorarlberg mit 2.392 Euro an.

Frauen verdienen um 800 Euro weniger

Anhand der Einkommensanalyse wird auch deutlich, wie groß die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen sind. Das Medianeinkommen der Männer lag für ganz NÖ 2018 nämlich bei 2.487 Euro (ein reales Plus von 0,3 Prozent), jenes der Frauen um 800 Euro darunter – bei 1.686 Euro (ein reales Plus von 0,8 Prozent).

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Einkommensanalyse 2019, Arbeiterkammer NÖ, Foto: Marian Weyo/shutterstock.com, Grafik: Bischof

Ein großer Grund für diesen Unterschied sei laut Arbeiterkammer (AK) NÖ-Präsident Markus Wieser die hohe Teilzeitquote bei Frauen. 48,2 Prozent der Frauen würden nämlich Teilzeit arbeiten, während es bei den Männern nur 8,4 Prozent sind. Und: „Frauen sind noch immer in Berufen und Branchen tätig, wo es ein niedrigeres Einkommen und weniger Aufstiegschancen gibt“, erklärt Wieser. Diese Branchen seien etwa Handel, Tourismus und Sozial- und Pflegeberufe.

Höchstes Einkommensniveau im Mostviertel

Nach Regionen ist übrigens das Mostviertel bereits traditionell die Region in Niederösterreich, die das höchste Einkommensniveau aufweist. Amstetten führt mit einem Medianeinkommen von 2.430 Euro wie gewohnt das Bezirksranking an, auf den Plätzen folgen Waidhofen/Ybbs (2.300 Euro) und St. Pölten Stadt (2.298 Euro).

Am anderen Ende des Bezirksvergleichs steht wieder Krems Land mit 1.671 Euro. Diese Unterschiede haben laut AKNÖ-Wirtschaftsexperten Matthias Koderhold mit dem Branchenmix im jeweiligen Bezirk zu tun.

Für die Zukunft fordert AKNÖ-Präsident Wieser die künftige Regierung zur „aktiven Bekämpfung der kalten Progression“ auf. Außerdem fordert Wieser, dass es keinen Kollektivvertrag unter 1.700 Euro mehr geben dürfe, und dass die Lohnschere zwischen Männern und Frauen geschlossen sowie Kinderbetreuungsangebote in Niederösterreich ausgebaut werden, um Frauen die Möglichkeit zu geben, mehr arbeiten zu gehen.

Darüber hinaus brauche es Infrastrukturinvestitionen und stärkere Informationen über technische Berufe für Mädchen – denn technische Berufe seien jene, die gut bezahlt sind, so Wieser.