Julian Jäger: „Globale Mobilität ist Errungenschaft“. Montagabend betonten die Flughafen-Vorstände Günther Ofner und Julian Jäger, dass sie sich versachlichte Klimadiskussion in Bezug auf die Luftfahrt wünschen. Außerdem sprachen sich die beiden gegen ein Verbot von innerösterreichischen Flügen aus und erneuerten ihre Forderungen an die künftige Bundesregierung.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 19. November 2019 (09:00)
Die Flughafen-Vorstände Julian Jäger (links) und Günther Ofner.
APA / Robert Jäger

„Purer Populismus“. So bezeichnete Flughafen-Vorstand Julian Jäger die Forderung eines Verbots von innerösterreichischen Flügen, die im Zuge der Klimaschutz-Debatte immer wieder hervorgebracht wird.

Generell sei die Klimadiskussion in Bezug auf die Luftfahrt „völlig verkürzt“. In Europa sei der Flugverkehr für 2,7 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes zuständig, in Österreich für 0,5 Prozent. „Mein Eindruck ist, dass hier die Bedeutung der Luftfahrt aus dem Ruder gelaufen ist.“ Zwar werde die Luftfahrt weiter wachsen, allerdings würden hier Verbote von innerösterreichischen Flügen nicht viel bringen, denn mehr als 70 Prozent der Passagiere auf diesen extrakurzen Strecken seien Umsteiger.

Vielmehr müsse in Forschung und Entwicklung investiert werden, die alternative Kraftstoffe voranbringen könnten. Die „globale Mobilität“ jedenfalls sei eine Errungenschaft, die „wir uns nicht wegnehmen lassen sollten.“ Es sei ein Gewinn, dass Fliegen nichts elitäres mehr ist und für jeden leistbar. Das Ziel müsse sein, CO2-neutral und für jeden leistbar zu fliegen.

Dabei sei Klimaschutz und CO2-Reduktion den Flughafen-Vorständen aber sehr wichtig. Aktuell liege der Flughafen bei CO2-Emissionen von 26.000 Tonnen pro Jahr, seit 2013 ist dieser Wert laut Angaben des Flughafens um 70 Prozent gesenkt worden. In einigen Jahren wolle man diesen Wert auf 6.000 bis 7.000 Tonnen pro Jahr reduzieren - unter anderem künftig auch durch die Nutzung CO2-neutraler Abwärme der OMV.

Erneut Ausbau des Verkehrsangebots gefordert

Erneut plädierten Ofner und Jäger außerdem für einen Ausbau des Verkehrs rund um den Flughafen – etwa durch den Ausbau der Bahnverbindung nach Bratislava -, und nahmen dabei auch die künftige Bundesregierung in die Pflicht. Ebenso äußerten die beiden erneut den Wunsch nach Entbürokratisierung, einer Reduktion der Normen und der Senkung der Körperschaftssteuer. Gespräche mit den Parteien der möglichen künftigen Regierung gebe es übrigens, so Jäger und Ofner auf Nachfrage. Gespräche habe es sowohl mit der ÖVP („in sehr großem Ausmaß“) als auch mit den Grünen gegeben, so Ofner. ÖVP und Grüne führen aktuell ja Sondierungsgespräche über eine mögliche Regierungsbildung auf Bundesebene.

Gespräche über Kooperationen mit AUA

Zum Thema Austrian Airlines (AUA) betonten Ofner und Jäger, dass die AUA die gleichen Bedingungen am Flughafen Wien vorfinden würde wie die Low-Cost-Carrier, wenn nicht sogar bessere. Die AUA hatte ja kürzlich angekündigt, 700 bis 800 Stellen streichen zu wollen, und hatte als eine Begründung den verstärkten Wettbewerb mit den Billigairlines genannt.

Erst 2017 etwa sei ein „tolles Paket für die AUA“ geschürt worden, im Zuge dessen etwa der Preis des Ground Handlings gesenkt wurde. Außerdem nutze die AUA „sämtliche Incentives, die auch Low-Cost-Carrieren zugute kommen“, erklärt Julian Jäger. Die Ausweitung des Flugangebots in Wien-Schwechat aber führe natürlich „auch zu Problemen bei den Airlines“. Die Schwierigkeiten der AUA orteten die beiden eher beim Verhältnis zwischen Lang- und Kurzstrecken, das bei der AUA „nicht gut“ sei. Jäger betonte aber, man führe Gespräche über künftige Kooperationen zwischen der Airline und dem Flughafen. Details wollte er dazu noch keine nennen.

Was die Dritte Piste angeht werde es, so Jäger und Ofner auf Nachfrage, in den kommenden „zwölf bis 18 Monaten keine nennenswerten Neuerungen“ geben. Aktuell müssen ja Grundstücke angekauft und die Verschiebung einer Pipeline, einer Bundesstraße und etwa Windrädern geplant werden.

Vertrag für neues Hotel unterschrieben

Einige Neuerungen gibt es aber dennoch am Flughafen zu verkünden: Das neue Hotel, das am Flughafen Wien-Schwechat gebaut werden soll, sei „bereits vergeben“, auch der Vertrag „ist unterschrieben“, sagt Ofner.

Welche Hotelkette den Zuschlag erhalten hat, wollte er aber noch nicht verraten. Das werde in den kommenden Tagen passieren. Nur so viel: „Es handelt sich um eine der größten Hotelketten der Welt, die eine neue Marke kreieren und damit unter anderem am Flughafen Wien starten wird.“ Außerdem wurde die Kassenarztstelle für Allgemeinmedizin im Medizinischen Zentrum am Flughafen in der Vorwoche vergeben, weiß Ofner.