Gastro-Obmann Pulker will generelle Impfpflicht. Corona-Wirte-Bilanz: Mario Pulker, Obmann der Gastronomie in der Wirtschaftskammer, im NÖN-Interview zu Personalnot, 2G-Regel und „Scheinheiligkeit“ in laufender Impfpflicht-Debatte.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 28. Juli 2021 (05:18)
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WKÖ-Gastro-Sprecher Mario Pulker: „Impfpflicht wird Betrieben umgehängt.“
WKÖ, WKÖ

NÖN: Seit 19. Mai hat die Gastronomie unter Auflagen wieder geöffnet. Welche Bilanz ziehen Sie?

Mario Pulker: Die ersten Wochenenden waren total überbucht und überlaufen, dann ist es abgeflacht. Die sehr gute und gute Gastronomie läuft sehr gut. Die breite Masse der Mitgliedsbetriebe aber, normale Dorfwirtshäuser und Kaffeehäuser, verzeichnen je nach Region Umsatzeinbußen zwischen zehn und 45 Prozent.

Tourismus-Unternehmer fordern eine Arbeitslosengeldreform. Was hilft gegen die Personalnot?

Pulker : Nicht nur Gastrojobs, sondern Dienstleistungsberufe durch die Bank sind teilweise für die Menschen nicht mehr attraktiv, da geht’s nicht nur um Bezahlung, sondern auch um das Image. Die eigene Gewerkschaft hat nachhaltig unser Image durch Schlechtreden demoliert. Es ist gut, dass es eine Arbeitslosenunterstützung gibt, aber das AMS muss ganz genau hinschauen, wenn nötig, rigoros eingreifen und Sozialleistungen streichen.

Zu Corona: Die 3G-Regelung nehmen einige Wirte und Gäste offensichtlich nicht mehr so ernst.

Pulker: Wir haben sehr viele Gäste, die sich ins Lokal reinsetzen, wissentlich, dass sie keine der 3Gs erfüllen. Durch Personalnot, in großen Betrieben und bei Mischpublikum passiert es, dass Gäste nicht kontrolliert werden. Das geschieht aber nicht zwingend mutwillig. Jeder aber, der nicht kontrolliert, ist mitverantwortlich für Ansteckungen, steigende Inzidenzen und das Worstcase: Reisewarnungen und neue Einschränkungen. Bei 60.000 Mitgliedsbetriebe spiegeln wir die Gesellschaft ja wider, da gibt’s natürlich auch Corona-Leugner.

Wie wirkt sich die seit Donnerstag geltende 2G-Regel (geimpft,PCR-getestet) in der Nachtgastro aus?

Pulker: 50 Prozent der Nachtgastronomen werden wahrscheinlich schließen und erst wieder im Herbst aufsperren. Einige sperren für immer zu. Die Zeltfeste graben uns generell im Sommer das Geschäft ab, und die PCR-Teststrategie der Bundesregierung ist noch nicht voll ausgerollt. Am Land sind Apotheken nicht wie in der Stadt gleich ums Eck. Menschen müssen 24 Stunden warten, bis sie überhaupt die PCR-Ergebnisse aus den Apotheken kriegen. Für die Nachtgastro ist 2G eine einseitige Belastung, weil sie bei Zeltfesten nicht gilt. Wenn ein Zeltfest-Veranstalter eine Disco macht, wo sich 1.500 Leute anmelden, da frage ich mich: Was ist da der Unterschied?

Politikvertreter setzen bis dato auf Impf-Anreize. Sie fordern eine generelle Impfpflicht. Warum?

Pulker: In Wirklichkeit ist es eine scheinheilige Diskussion, wenn man Freiwilligkeit vorgibt, aber in der Realität eine Anstellung in einem Betrieb oder Branche an die Impfung knüpft. Im Grunde hängt man die Impfpflicht damit allein den Betrieben um. Das ist ein Wahnsinn. Daher find ich, man soll sich hinstellen wie der steirische Landeshauptmann und eine generelle Impfpflicht befürworten. Natürlich brauchen wir auch die PCR-Teststrategie, für Nicht-Impfbare und Impf-Unwillige. Man hat ja gesehen, dass es mit Eigenverantwortung allein zum Teil nicht funktioniert: Leute fälschen Tests und Impfzertifikate und tragen so zu steigenden Inzidenzen bei.

Umfrage beendet

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