Nach Trockenheit sind Erdäpfellager leer. Erstmals müssen ausländische Erdäpfel importiert werden, weil der heimische Bedarf durch die Ernte in Österreich nicht gedeckt werden kann.

Von Theresa Bittermann. Erstellt am 24. April 2019 (03:00)

„Der Klimawandel ist da – darüber brauch’ ma nicht reden“, erzählt Erdäpfelbauer Franz Wanzenböck aus Zisserndorf im Bezirk Korneuburg beim Lokalaugenschein auf einem seiner Äcker. 82 Prozent der Erdäpfelfelder Österreichs liegen in Niederösterreich, etwa 600.000 Tonnen Speise- und Stärkeerdäpfeln werden hier im Normalfall jährlich geerntet. Zu wenig im vorigen Jahr: 130.000 Tonnen Speiseerdäpfel fehlen – das entspricht dem Jahresbedarf von 2,5 Millionen Österreichern.

Gedeckt wird dieser nun durch Erdäpfel aus Frankreich, Ägypten und Israel, sagt Wanzenböck, der auch Obmann der Interessengemeinschaft Erdäpfelbau ist. Normalerweise seien bis Ende Mai Erntevorräte im Handel, heuer gehen diese bereits jetzt aus – die Lagerhalle von Franz Wanzenböck ist schon leer. Erst Anfang Juni mit Beginn der Erntesaison wird es wieder österreichische Erdäpfel geben.

Hauptgrund für den Mangel an heimischen Erdäpfeln ist die Trockenheit. Die Erdäpfel haben so nicht nur mit fehlendem Wasser zu kämpfen, sondern auch mit dem Drahtwurm. „Ist die Erde zu trocken, geht der Drahtwurm in die Erdäpfeln und holt sich dort Feuchtigkeit“, erklärt Wanzenböck. Ein Viertel der gesamten Ernte war dadurch als Speiseerdäpfel nicht mehr verwendbar.

Pflanzenschutz würde helfen

Die befallenen Erdäpfel wurden in der Stärkeproduktion verwertet. „Ein Bauer verdient dabei aber nur vier Cent pro Kilo statt wie bei Speiseerdäpfeln bis zu 25 Cent pro Kilo“, sagt Wanzenböck. Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich schätzt den finanziellen Verlust der Erdäpfelbauern auf etwa 21,3 Millionen Euro. Die Handlungsmöglichkeiten seien hingegen mager: Alle Sorten seien ähnlich anfällig.

Pflanzenschutzmittel wären eine Lösung, jedoch verbietet die EU diese, erklärt Wanzenböck: „Grund ist: Das Pflanzenschutzmittel enthält für Bienen schädliche Stoffe. Das tatsächliche Risiko liegt aber bei null, da Pflanze und Mittel sofort von Erde bedeckt werden und Bienen so nicht damit in Kontakt kommen können.“ Derselbe Schadstoff sei auch in Ameisenbekämpfungsmitteln und Flohhalsbändern für Hunde enthalten. Die Gefahr für Bienen seien also nicht die Erdäpfelbauern, versichert Wanzenböck.

Weil es zu wenige heimische Erdäpfel gibt, werde nun der Markt für ausländische Produkte geöffnet, die weniger strengen Auflagen unterliegen. „Uns wird die Verwendung dieser Mittel untersagt. Leidet dann unsere Ernte, kommen die Erdäpfel aus dem Ausland, wo weniger strenge Regeln gelten – das ist nicht fair“, erklärt der Bauer das Dilemma.

Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf sieht das ähnlich: „Pflanzenschutz ist notwendig für gesunde Lebensmittel. Unsere Bäuerinnen und Bauern wirtschaften am nachhaltigsten und am ökologischsten in Europa. Nun kommen die Erdäpfel aus Nordafrika, wo Hunger herrscht und es kein Wasser gibt – das macht keinen Sinn.“ Den Bauern bleibt, auf Niederschlag zu hoffen: Soll die heurige Ernte gut werden, sollte es in spätestens zwei Wochen regnen, betont Wanzenböck.