Ein Drittel weniger Bauernhöfe in NÖ

Seit den 2.000ern ist die Zahl der Bauernhöfe in Niederösterreich auf 26.000 gesunken. Die Suche nach einem Nachfolger ist oft schwierig.

Anna Perazzolo Erstellt am 17. September 2021 | 05:48
Magdalena Morgenbesser
Magdalena Morgenbesser (Bild) bewirtschaftet seit 2014 den Hof ihrer Eltern in Trattenbach (Bezirk Neunkirchen). Mit 1.150 Metern Seehöhe ist er der höchstgelegene Bauernhof Niederösterreichs.
Foto: privat

Seit 150 Jahren gehört der Name Fichtinger zum Bauernhof in Kottes-Purk (Bezirk Zwettl). In zwei Jahren möchte dessen Betriebsleiter Johann Fichtinger in Pension gehen. Allerdings gibt es noch keinen Nachfolger für den 20 Hektar großen Haupterwerbsbetrieb. Die Kinder seiner Frau haben sich nämlich für andere Berufszweige entschieden.

Ähnlich ergeht es zahlreichen Bauernfamilien mit oder ohne Kindern. Innerhalb der letzten beiden Jahrzehnte ist die Zahl an landwirtschaftlichen Betrieben in Niederösterreich um mehr als ein Drittel gesunken. Von den 41.315 Betrieben im Jahr 2000 sind laut den INVEKOS-Zahlen im Jahr 2019 nur mehr 26.128 übrig. Das betrifft vor allem kleine Betriebe unter 20 Hektar. Zwischen 2005 und 2016 hat Statistik Austria in Niederösterreich einen Rückgang von fast 3.000 Betrieben in der Kategorie „10 bis 20 Hektar“ erfasst. Die Zahl an großen Betrieben über 50 Hektar stieg hingegen.

Das komme vom Strukturwandel, erklärt Jochen Kantelhardt, Institutsleiter Agrar- und Forstökonomie an der BOKU Wien. Durch die Technologien könne man immer größere Flächen immer kostengünstiger bewirtschaften. Das sei notwendig, damit Österreich auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig bleibe. „Gleichzeitig ist Wachstum aber nur dann möglich, wenn andere Betriebe aufhören“, so der Experte.

Schwierige Lage für kleine Betriebe

In Österreich vollziehe sich dieser Prozess durch den Einsatz der Politik aber vergleichsweise langsam. „Dennoch ist es vor allem für kleinere Betriebe schwierig. Und es wird auch nicht leichter.“ Das zeigen auch die Zahlen der Landwirtschaftskammer NÖ (LKNÖ): Bei einem Nahrungsmittelerwerb von 100 Euro beträgt die landwirtschaftliche Wertschöpfung 3,67 Euro. Grund dafür sind Nahrungsmittelimporte, Steuern und die Wertschöpfung in nachgelagerten Bereichen.

„17 Prozent der österreichischen Bauernfamilien haben keinen Nachfolger in Aussicht“, so Stefan Vogel, Professor für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung an der BOKU Wien. Mehr als ein Viertel davon entscheide sich, die Flächen zu verkaufen oder zu verpachten. Mitverantwortlich dafür seien soziologische Faktoren. „Die landwirtschaftliche Identität hat sich verändert.“ Die Jungen hätten neben der Hofübernahme noch weitere Lebensziele. Freizeit, Urlaub oder andere Berufswünsche. Noch dazu unterscheide sich das Fremd- vom Selbstbild der Landwirte, so Vogl. Während 94 Prozent der Bevölkerung die Landwirtschaft positiv sehen, empfinden die Landwirte geringe gesellschaftliche Anerkennung.

„Das liegt an der Preispolitik und dem vergleichsweise niedrigen Einkommen“. Dem entgegenwirken könne man mit der bewussten Kaufentscheidung, so Johannes Schmuckenschlager, Präsident der LKNÖ. „Mit dem Griff ins Regal zu regionalen Lebensmitteln kann jeder Einzelne dazu beitragen.“ Dennoch gestaltet sich die Nachfolgersuche schwierig. Klappt es doch, wird der Betrieb vier Mal häufiger an Söhne als an Töchter vergeben.

„17 Prozent der österreichischen Bauernfamilien haben keinen Nachfolger in Aussicht.“ Stefan Vogl, Professor an der BOKU Wien

Eine, die den Bauernhof ihrer Eltern übernommen hat, ist Magdalena Morgenbesser. Seit 2014 bewirtschaftet die 31-Jährige den 53 Hektar großen Mutterkuhbetrieb mit Übernachtungsmöglichkeit in Trattenbach (Bezirk Neunkirchen). Obwohl es schon immer ihr Wunsch war, den elterlichen Hof zu übernehmen, versteht sie die Schwierigkeiten: „Es ist eben einfacher, einen Job zu machen, in dem man am Wochenende frei hat“.

Den Strukturwandel selbst könne man auch mit erhöhten Förderungen nicht stoppen, so Kantelhardt. Besser sei es, die Auflagen für kleine Betriebe zu vereinfachen und die Kombinationsmöglichkeiten von Beruf und Landwirtschaft auszubauen. „Am wichtigsten ist aber, dass sich die Hofübernehmer ein Konzept überlegen“, so Kantelhardt. „Den Nebenerwerb oder eine Spezialisierung“.

Ähnlich sieht das der Präsident der LKNÖ: „Kleinere Betriebe können arbeitszeitintensive Kulturen anbauen, die aber eine höhere Wertschöpfung am Betrieb und im nachgelagerten Verarbeitungsbereich ermöglichen.“

Johann Fichtinger hat seinen Betrieb bereits vor Jahren von Kuh- auf Ziegenmilch umgestellt. Mittlerweile habe er über die Hofbörse „Perspektive Landwirtschaft“ sogar Interessenten für seinen Betrieb gefunden. Wenn auch nicht mit dem Namen Fichtinger.