Landwirtschaft fordert fairen Wettbewerb. Im Mai 2019 konnte der österreichische Bedarf an Erdäpfeln erstmals nicht durch die heimische Landwirtschaft gedeckt werden. Bei importierten Erdäpfeln aus Ägypten und Israel wurden Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die in Österreich durch die EU verboten sind.

Von Theresa Bittermann. Erstellt am 21. Mai 2019 (16:22)
LK NÖ/Philipp Monihart
Obmann der Interessengemeinschaft Erdäpfelbau Franz Wanzenböck, Landwirtschaftskammer NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager und Europawahl-Kandidat des NÖ Bauernbunds Alexander Bernhuber präsentierten die Ergebnisse des Lebensmittelchecks.

Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich (LKNÖ) führte einen Lebensmittelcheck im Erdäpfelbau durch. Anlass war der Import von Erdäpfeln, teilweise aus Drittstaaten. Aufgrund von Ernteausfällen des letzten Jahres konnte der österreichische Bedarf erstmals nicht durch die heimische Landwirtschaft gedeckt werden. 

34 von 50 getesteten Erdäpfelsäcken, das sind 68 Prozent, kamen aus dem Ausland. Die Lagerhallen der niederösterreichischen Erdäpfelbauern sind seit etwa einem Monat leer, die übrigen etwa 30 Prozent im Handel seien österreichische Restbestände der Supermarktketten. Die Mehrheit der importierten Erdäpfel stammte laut LKNÖ aus Drittstaaten, vor allem aus Ägypten und Israel.

LKNÖ fordert Pflanzenschutzmittel in Notsituationen

Jedoch gelten für die nun importierten Produkte andere ökosoziale Standards als für heimische Bauern.  "Uns werden die nötigen Mittel aus der Hand genommen und dadurch sind wir gezwungen schlechtere Standards zu importieren", kritisiert LKNÖ-Präsident, Johannes Schmuckenschlager. "Wir erwarten uns daher, dass wir in Extremsituationen auf eine breite Palette an Möglichkeiten im Pflanzenschutz zurückgreifen können", fordert Schmuckenschlager. 

Bei der Untersuchung der importierten Erdäpfel, bei denen Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden, konnten keine Rückstände in einem gesundheitsgefährdenden Bereich gefunden werden. "Das bestärkt uns in unserer Forderung die gleichen Mittel zu bekommen", argumentiert Schmuckenschlager. 

Theresa Bittermann
Elf der 50 von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich überprüften Erdäpfelsäcke stammten aus Ägypten.

Der Einsatz von Pflanzschutzmitteln ist zwar auch zum jetzigen Zeitpunkt erlaubt, jedoch "kann man damit maximal den Schaden begrenzen, aber sich nicht wirklich helfen", sagte Franz Wanzenböck, selbst Erdäpfelbauer und Obmann der Interessengemeinschaft Erdäpfelbau. Grund für das Verbot der entsprechenden Mittel sei ein Schadstoff für Bienen, der im Pflanzenschutzmittel enthalten ist. "Die Bienen können aber gar nicht in Kontakt damit kommen, da das Mittel nur unter der Erde eingesetzt wird", erklärt Wanzenböck. 

Mangelhafte Kennzeichnung importierter Erdäpfel

Ein weiteres Problem, das beim Lebensmittelcheck festgestellt wurde, betrifft die Kennzeichnung importierter Erdäpfel. Bei Eigenmarken sei es häufig so, dass sich nur eine kleine, unscheinbare Aufschrift des Herkunftslandes finde, die den Konsumenten nicht ins Auge steche, hieß es bei der Landwirtschaftskammer: "Das ist für unsere Konsumenten und unsere Bauern nicht fair", sagte Alexander Bernhuber, EU-Spitzenkandidat des NÖ Bauernbundes. 

Geplant war, dass es ab 27. Mai die erste Erdäpfelernte der Saison aus Österreich im Handel gibt. Der kalte Mai verzögert das jedoch, erst eine Woche später könne man mit heimischer Ware rechnen, bestätigt der Erdäpfelbauer Wanzenböck. Die Feuchtigkeit des letzten Monats seisehr wichtig für den Erdäpfelbau gewesen. "Wird der Sommer aber trocken, haben wir im Herbst vielleicht wieder dasselbe Problem mit dem Drahtwurm wie im letzten Jahr, das können wir jetzt noch nicht wissen", sagt Wanzenböck.