Wasser als Schlüsselressource für heimische Bauern. Ohne Bewässerung würden NÖ-Bauern nur die Hälfte ernten. Experten erzählen warum.

Von Anna Perazzolo. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:47)
Bis 2023 sind 15 neue Agrar- Bewässerungsprojekte zur Ertragssicherung in NÖ geplant.
Bis 2023 sind 15 neue Agrar- Bewässerungsprojekte zur Ertragssicherung in NÖ geplant.
shutterstock.com/Dimitrova

Trockenheit und Wetterextreme führen dazu, dass immer mehr Agrar-Flächen in Niederösterreich künstlich bewässert werden müssen. Deshalb sollen die 100.000 Hektar bewässerbaren Ackerböden in Niederösterreich weiter ausgebaut werden, sagte Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) bei einer Pressekonferenz. Bis 2023 sollen 15 neue Bewässerungsprojekte mit Gesamtinvestitionen in Höhe von 20 Millionen Euro entstehen. Unterstützung für die Planung bietet das Kompetenzzentrum Bewässerung.

Sonderkulturen besonders betroffen

Vor allem Sonderkulturen, wie etwa Obst und Gemüse, Blumen oder Gewürze leiden unter der Trockenheit. Um deren Anbau in Niederösterreich auch weiterhin zu ermöglichen, wurden bereits 45 Bewässerungsprojekte umgesetzt. Eines davon, die Bewässerungsanlage der Wassergenossenschaft Zisserndorf (Bezirk Korneuburg), ist seit heuer in Betrieb.

Der Zisserndorfer Kartoffel- und Zwiebelbauer Christian Anzböck hat sich der Genossenschaft allerdings nicht angeschlossen. Er bewässert seine 200 Hektar bereits seit den 80er Jahren mit eigener Infrastruktur. Das Wasser dafür kommt aus einem Unterwasserbrunnen und einem Donau-Begleitstrom unterhalb von Wagram. Vor allem für die Lagerung sei Trockenheit bei Kartoffeln sehr schlecht.

Christian Anzböck
Christian Anzböck baut Kartoffeln, Zwiebeln und Süßkartoffeln an.
privat

„Die Bewässerung selbst macht aber auch einen Ertragsunterschied von 50 Prozent aus“, sagt Anzböck. „Ich war in Spanien und in Israel, und dort bewässern fast alle. Wir haben viel Wasser und nutzen es nicht“. Die jährliche Niederschlagsmenge in Niederösterreich bleibe zwar gleich, die Verteilung ändere sich jedoch gravierend. Der Osten Österreichs sei ein sensibles Gebiet, da es hier, im Gegensatz zum Westen, wenig Niederschlag gebe, sagt Grundwasser-Experte Alfred Blaschke von der TU Wien. „Die Wasserwirtschaft muss deshalb vorsichtig agieren“.

Er sei skeptisch, wenn es darum gehe, große Mengen aus dem Grundwasser zu entnehmen. Die Niederschlagsprognosen seien sehr ungenau, und es könne nicht vorausgesagt werden, wie schnell sich der Grundwasserkörper erhole. „Überall dort, wo Flüsse sind, kann man diese zur Verteilung nutzen“, sagt Blaschke. Gleichzeitig sei die Verwendung von Oberflächengewässern aber oft mit hohen Kosten und Qualitätsproblemen verbunden. Dennoch sind Zuleitungen und Speicherbecken mit Filter für die zukünftige Bewässerung vor allem in NÖ wichtig, glaubt der Experte.

„Bei der Bewässerung geht es nicht darum, den Ertrag zu steigern, sondern zu erhalten.“ Franz Tiefenbacher, Waldland

Eine zeitgemäße und wassersparende Bewässerung wolle man auch bei Waldland in Friedersbach (Bezirk Zwettl) installieren. Dort soll eines der 15 neuen Projekte entstehen. In Friedersbach baut der Waldviertler Sonderkulturenverein unter anderem rund 100 Hektar Schnittlauch an und gehört damit zu den drei größten Schnittlauch-Produzenten Europas.

Das Würzkraut brauche große Wassermengen, und zwar in regelmäßigeren Abständen als beispielsweise Mais oder Getreide, erklärt Franz Tiefenbacher, Verantwortlicher für den Bereich Kräuterproduktion.

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Franz Tiefenbacher ist Chef der Kräuterproduktion bei Waldland.
Hochenauer, Hochenauer

„Bei der Bewässerung geht es nicht darum, den Ertrag zu steigern, sondern zu erhalten. Und wenn es bei diesen Wetterextremen bleibt, wird es bestimmt Ertragsverluste um fast die Hälfte geben“, sagt Tiefenbacher. Deshalb sollen bereits ab dem kommenden Jahr erste Versuchsflächen mit Tröpfchenbewässerung angelegt werden.