Spar zu Fleisch-Preis: „Bauern beknien uns um Aktionen“. Für „Kampfpreise“ bei Koteletts und Co. steht Lebensmittelhandel in Kritik. Spar kontert, dass Landwirte diese selbst fordern.

Von Lisa Röhrer und David Brandl. Erstellt am 09. Juni 2021 (04:56)
Ein Stall mit Stroh und ausreichend Platz: Die Forderung nach mehr Tierwohl für Schweine und Co. kommt von vielen Seiten. Aus Sicht von Landwirtschaftsvertretern sei das aber nur mit höheren Fleischpreisen realisierbar.
Wohlmann, Wohlmann

Hühnerfleisch mit AMA-Gütesiegel um 2,99 Euro pro Kilo, heimische Schweinekoteletts um fünf Euro: Für LKNÖ-Vizepräsidentin Andrea Wagner sind das „Kampfpreise, die die Arbeit der Bauern verhöhnen und einer nachhaltigen tierwohlfreundlichen Nutztierhaltung in Österreich die Perspektive rauben.“ Sie unterstützt die Forderung, mit der Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) aufhorchen ließ: Fleisch müsse um ein Drittel teurer werden, damit Bauern fair entlohnt werden.

„Als Landwirtschaftskammer treten wir massiv dafür ein, dass Fleisch nicht verramscht wird.“Andrea Wagner

Sehen wollen die Bauern-Vertreter eine Veränderung des Konsumentenverhaltens. Zudem das Aus von Rabatt-Schlachten. „Als Landwirtschaftskammer treten wir massiv dafür ein, dass Fleisch nicht verramscht wird“, sagt Wagner.

Bei Spar, einem der vielfach kritisierten Lebensmittelkonzerne, wird jedoch etwas anderes geschildert: Hier heißt es, dass Bauern selbst die Aktionen fordern, die ihre Vertreter verteufeln. Gemacht werden diese, um den Absatz anzukurbeln. „Sie finden in Absprache mit den Bauern statt. Die Landwirtschaft bekniet uns immer wieder, Aktionen zu machen“, heißt es aus dem Unternehmen.

Die Qualität sei auch bei Sonderpreisen einwandfrei. Bauern bekämen wegen der Aktionspreise nicht weniger. Norbert Marcher, Geschäftsführer des fleischverarbeitenden Betriebs „Marcher Fleischwerke“, erklärt: „Die Preise entspringen in aller Regel Mischkalkulationen, bei denen der Handel auf einen Teil seiner Spanne verzichtet.“

Corona drückte die Fleisch-Preise

Für den Konsumenten ist der Preis für Fleischprodukte aller Sorten seit 2019 gestiegen. Am stärksten angezogen haben die Preise beim Schwein – vor allem 2019 und 2020. Marcher erklärt das mit der Nachfrage in Fernost: „Ausgelöst durch die Folgen des Ausbruchs der Schweinepest in Ostasien, vor allem in China, hatten diese Länder einen enormen Bedarf an europäischem Schweinefleisch.“

Doch dann kam Corona. Nach dem ersten Lockdown und 2021 sank der Preis wieder. Als Grund dafür genannt wird der Wegfall der Gastronomie als wichtiger Abnehmer – vor allem beim Rind sowie bei Edelteilen. Mittlerweile haben sich die Preise, laut Werner Habermann von der Erzeugergemeinschaft „Gut Streitdorf“ mit rund 3.000 Betrieben, eingependelt. 2019 und 2020 lagen die Preise auf einem „historischen Hoch“.

Nach dem Sinkflug in der Krise sei man nun etwa in der Mitte angekommen. Für Bauern ist der momentane Preis trotzdem unbefriedigend: Grund dafür seien die stark gestiegenen Futterpreise. Gleichzeitig gebe es infolge der Pandemie Unsicherheit auf den Märkten, die Schweinepest schwebe wie ein Damoklesschwert über den Landwirten. Wagner sowie politische Vertreter betonen zudem, dass den Landwirten selbst immer weniger vom Wertschöpfungskuchen bleibe.

Von einer Preiserhöhung hält man bei Spar nichts. Der Konsument mit dem kleinen Börserl dürfe nicht aus den Augen verloren werden, heißt es. Der Großhändler Metro wirft die Frage auf, wie viel die Konsumenten zu zahlen bereit sind. Selbst bei der Erzeugergemeinschaft „Gut Streitdorf“ gibt es kein eindeutiges Ja zur Erhöhung. „Natürlich sagen wir nicht Nein zu höheren Preisen. Aber es ist auch klar, dass die nur mit höherer Qualität und Tierwohlstandards einhergehen können“, so Habermann. Die kämen teurer, mit der ausländischen Konkurrenz könne man noch weniger mithalten.

Die Entscheidung liegt hier, wie es von vielen Seiten heißt, auch beim Konsumenten. Als wichtiges Instrument sieht Habermann wie die LKNÖ die Herkunftskennzeichnung. Es müsse klar ersichtlich sein, was man bekommt. Geht es nach ihm, auch in der Gastronomie.