Wo die Nacht zum Tag wird. Die klassischen Diskotheken werden weniger, Bars und Pubs in Niederösterreich hingegen boomen.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 06. August 2019 (06:12)
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Der Disco-Boom der 90er-Jahre ist auch in Niederösterreich vorbei.

Feierfaul sind sie nicht geworden, die Niederösterreicher. Sie feiern nur anders als vor zwanzig Jahren. Laut Daten der Wirtschaftskammer (WK) NÖ, die der NÖN vorliegen, gibt es aktuell 288 Bars, Diskotheken, Nachtklubs, Tanzlokale und Clubbinglounges. Vor zwanzig Jahren, da lag die Gesamtzahl noch bei 156.

Die Nachtlokale sind also in Summe mehr geworden – aber die Arten der Lokale haben sich sehr wohl verändert, weiß Kurt Reischer, Ausschussmitglied der Fachgruppe Gastronomie in der WKNÖ. Auch, wenn sich diese Zahlen nicht auf die einzelnen Lokalgruppen herunterbrechen lassen. Eine Gewerbeanmeldung gibt es nämlich nur für die Berufsgruppe. Übrigens: Auch Laufhäuser und Bordelle fallen, wenn sie gastronomisches Angebot haben, in diese Statistik.

Eine Diskothek, die mehr als einen guten Tag pro Woche hat, ist sehr selten. Kurt Reischer

Kurt Reischer jedenfalls betreibt selbst eine Diskothek in Gars am Kamp (Bezirk Horn). „Die Diskotheken sind weniger geworden. Viele Lokale wie Wein- oder Shishabars sind aber dazugekommen“, weiß er.

Er gibt einen kurzen historischen Abriss über die Entwicklung: „In den 70er- und 80er-Jahren hatte, überspitzt formuliert, jede Gemeinde eine Diskothek. Die waren oft bei einem Gasthaus dabei. In den 90er-Jahren gab es sicher den Höhepunkt der Diskotheken, die am professionellsten betrieben wurden. Die kleineren mussten zu der Zeit aber schon zusperren“, sagt er. Dieser Trend hat bis heute angehalten. „Eine Diskothek, die mehr als einen guten Tag pro Woche hat, ist sehr selten. Meistens ist der Samstag der Ausgehtag.“

In den 90er-Jahren waren die Diskotheken der Treffpunkt der Bevölkerung. „Damals war die Diskothek der Ort, wo ich hin musste, um jemanden kennenzulernen und mein soziales Umfeld zu haben.“ Vereins- und Feuerwehrfeste und später Clubbings unterschiedlicher Veranstalter wären sukzessive dazugekommen. „Mittlerweile ist der Konsument verwöhnt. Er sucht sich jede Woche das Event aus, das ihn anspricht. Und mit dem Auto werden auch größere Distanzen zurückgelegt.“

Betreiberwechsel statt Neueröffnungen

Diskotheken, die komplett neu aufgesperrt haben, habe es laut Reischer in den vergangenen Jahren keine gegeben – nur Betreiberwechsel an etablierten Standorten. Ewald Eschelmüller ist einer von ihnen. Er ist seit dem vergangenen Wochenende der Betreiber der legendären Evebar in Vitis (Bezirk Waidhofen/Thaya).

Michael Schwab
Die Evebar in Vitis hat einen neuen Betreiber gefunden.

Er hat mehr als 20 Jahre lang in dem Betrieb gearbeitet, bevor er sich jetzt zur Selbstständigkeit entschlossen hat. Und das, obwohl der vorherige Pächter Insolvenz anmelden musste.

Eschelmüller ist sich bewusst, dass Selbstständigkeit „kein Honiglecken ist“. Er will aber mit Getränkeaktionen an Freitagen und ständiger Eigenpräsenz im Betrieb punkten. Außerdem steht jeder erste Samstag im Monat unter dem Motto „ein Samstag wie damals“, mit dem frühere Evebar-Stammkunden angelockt werden sollen. Der erste Samstag dieser Art startete vergangenes Wochenende, am Mittwoch, 9. August, folgt die große Eröffnungsfeier mit DJane Micaela Schäfer als Stargast.

Die übrigen bekannten Diskotheken, die noch am Markt sind, die gibt es schon lange: Etwa das Till Eulenspiegel in Neulengbach (Bezirk St. Pölten), das Brooklyn in Horn und das LaBoom in St. Pölten. Manchmal müssen aber auch große Diskotheken zusperren. So soll die Kultdisco Baby’O in Tulln verkauft werden und neuen Wohnungen weichen. Die Nachtlokale im Land beschäftigen aktuell gut 630 Mitarbeiter. In der gesamten NÖ-Gastronomie sind gut 29.470 Personen tätig