Neuer Spartenobmann: "Industrie tragende Säule des BIP". Die Wirtschaftskammer veranschaulichte anhand einer Leitbetriebs-Studie bei der Firma Worthington Cylinders GmbH wie sich Investitionen von Industriebetrieben auf die Region auswirken - und das selbst in Zeiten der Corona-Krise.

Von Victoria Schmidt. Erstellt am 07. Juli 2020 (15:46)
Worthington Industries investiert in die Erweiterung des Composite-Werks in Kienberg
Worthington

Die Niederösterreichische Industrie hat die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus zu spüren bekommen. 71 Prozent der Betriebe haben die Kurzarbeit in Anspruch genommen, um Produktions-und Auftragsausfälle zu kompensieren sowie Arbeitsplätze zu sichern.

Der neue Spartenobmann Helmut Schwarzl - er wurde am Dienstag in einem Formalakt der WKO auch offiziell zum Obmann gewählt - ist sich der aktuellen Herausforderungen bewusst. Er betont allerdings: "Wenn die letzten Monate eines gezeigt haben, dann, dass die rund 1000 Betriebe unserer Branche Verantwortung zeigen und durch ihren Einsatz dazu beitragen, dass die Grundversorgung der Menschen im Land aufrecht erhalten bleibt"

Region profitiert

Über 68.000 Beschäftigte in der niederösterreichischen Industrie würden ein Drittel der Wertschöpfung des ganzen Landes leisten. „Wir sind die tragende Säule des BIP!“, ist sich Schwarzl, der selbst Geschäftsführer von Geberit in Pottenbrunn ist, sicher.

Spartenobmann Helmut Schwarzl, Timo Snoeren (Geschäftsführer Worthington Industries), Herwig Schneider und Sparten-Geschäftsführer Alexander Schrötter
Andreas Kraus

Veranschaulicht wurde das durch die Ergebnisse der Leitbetriebs-Studie, die vom Industriewissenschaftliche Institut rund um Professor Herwig Schneider durchgeführt wurde. Dabei wurden die volkswirtschaftlichen Effekte der Worthington Cylinders GmbH (Kienberg bei Gaming) untersucht.  Das Unternehmen produziert unter anderen den Tank für Erdgasautos von VW, oder auch Gasflaschen für medizinischen Sauerstoff, für die es in der COVID-19-Krise eine gesteigerte Nachfrage gab.

Schneider erklärte im Rahmen der Studienpräsentation am Dienstag: "In der Region wird das Unternehmen als positiv wahrgenommen: Viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stammen aus der Region. Der Standort in Kienberg ist mit einer nur geringen Mitarbeiterfluktuation von weniger als 3 Prozent im Jahr konfrontiert.“

Konkret bedeute das, dass Worthington - das Unternehmen wurde zuletzt das vierte Mal in Folge zum attraktivsten Arbeitgeber Österreichs gewählt - nicht nur Arbeitsplätze für die Region schaffe, sondern sie auch langfristig sichere. Der Betrieb erwirtschaftet jährlich 100 Millionen Euro. Insgesamt sind in Kienberg 400 Beschäftigte tätig, die aus 18 unterschiedlichen Nationen kommen. 

Investition in Zukunft

Besonders hervorgehoben wurde allerdings die jüngste Investition des Betriebes. 10 Millionen Euro laufen trotz Krise in die Erweiterung des Werkes am Standort Kienberg. Ab August 2020 wird die Produktpalette noch einmal erweitert.

Geschäftsführer Timo Snoeren: „Wir produzieren dann sehr leichte und extrem druckresistente Kunststoffbehälter, die als Tanks für Wasserstoff-betriebene Fahrzeuge, insbesondere für Busse und LKWs, zum Einsatz kommen.“ Die ersten An-Bord-Tanksysteme für Busse werden im vierten Quartal 2020 an die Kunden geliefert werden.

Die Investition bringt aber nicht nur dem Unternehmen selbst etwas, sondern laut Schneider der gesamten Region. Insgesamt werden in durch den Bau des neuen Werks 78 Arbeitsplätze geschaffen. An Fiskal- und Sozialbeitragseffekten werden im Zuge der Investition rund 1,8 Millionen Euro Steuern abgeführt.

968 Arbeitsplätze abgesichert

Dazu komme, dass Worthington mit vielen regionalen Partnern zusammenarbeitet. Der laufende Betrieb des Weltunternehmens mit einer gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung von 96,5 Millionen Euros führe damit zu 32,5 Millionen Euro indirekter (bei Zulieferern) Wertschöpfung  sowie zu 23,9 Millionen Euro induzierter (aufgrund der höheren Kaufkraft in der Region entstehender) Wertschöpfung. In Summe sichere die Worthington Cylinders GmbH, ihre eigenen Mitarbeiter eingerechnet, 968 Beschäftigungsverhältnisse in Österreichs Volkswirtschaft ab - und das trotz Wirtschaftskrise.

Das lässt Schneider schlussfolgern: "Unternehmen wie Worthington aktivieren die Wirtschaft weit über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus und schützen sie damit in Krisenzeiten.“

Lehrlinge sind gefragt

Apropos Krisenzeiten: Allgemein wollen die rund 1.000 Industriebetriebe des Landes langsam wieder in den Normalbetrieb übergehen, meint Schwarzl, der sich aber nach wie vor besorgt zeigt: "Die Investitionsprämie und andere Maßnahmen der Bundesregierung helfen. Aber das Ausbleiben der Investitionen hat schwere Langzeitfolgen. Investitionsgetriebenes Wirtschaftswachstum ist notwendig, um diese Krise möglichst gut und nachhaltig zu überstehen.“

Corona  habe sich zudem auf die Lehrlingsausbildung ausgewirkt: Für 37 Prozent der Betriebe hat die Krise laut einer aktuellen Befragung aller Ausbildungsbetriebe eine direkte Auswirkung bei der Lehrlingsgewinnung gehabt. Immerhin fanden keine Schnuppertage, keine Bewerbungsgespräche oder Aufnahmetests statt. Dennoch können zwei zwei Drittel der Unternehmen beim geplanten Stand der Lehrlinge bleiben Derzeit bildet die niederösterreichische Industrie in rund 220 Betrieben - darunter auch Worthington - mehr als 2600 Lehrlinge aus.