NÖ-Arbeitsmarkt bleibt stabil

Erstellt am 03. Oktober 2022 | 14:06
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Mit einem zeitnahen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Niederösterreich aufgrund der aktuellen Herausforderungen rechnen AMS-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich und Arbeitsmarkt-Landesrat Martin Eichtinger.
Foto: APA
Die Arbeitslosenquote ging zuletzt deutlich zurück und lag bundesweit mit 5,7 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 14 Jahren. Auch in Niederösterreich ist die Arbeitslosigkeit rückläufig: Rund 36.000 Menschen waren mit Ende September als arbeitslos gemeldet. Das ist ein Rückgang von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Seit knapp eineinhalb Jahren geht die Zahl der beim AMS Niederösterreich als arbeitslos gemeldeten Personen zurück. Die Arbeitslosenquote liegt mit 5,2 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 2008. Mit Ende September befanden sich rund 45.000 Menschen auf Jobsuche, Schulungsteilnehmerinnen und -teilnehmer mit eingerechnet. Das sind 13 Prozent weniger als im Vorjahr und rund 18 Prozent weniger als im Vorkrisenjahr 2019. 

Ohne AMS-Klienten in Schulungen waren mit Ende September 36.000 Menschen als arbeitslos vorgemerkt. Das ist ein Minus von 15 Prozent gegenüber 2021 und der größte relative Rückgang in ganz Österreich. In absoluten Zahlen sind die meisten Arbeitslosen in den AMS-Geschäftsstellen in St. Pölten (4.453), Baden (4.444) und Wiener Neustadt (3.886) gemeldet. Gleichzeitig sind aktuell 20.405 Stellen offen, davon 3.025 in St. Pölten, 2.131 in Mödling und 1.783 in Amstetten.

Um 60 Prozent mehr offene Stellen als 2019

Die niederösterreichischen Unternehmen suchen weiterhin kräftig nach Arbeitskräften. Ende September 2022 sind mit 20.405 freie Stellen um rund 60 Prozent mehr als vor der Krise im Jahr 2019 beim AMS gemeldet. Ungefähr ein Drittel aller Jobsuchenden  haben Vermittlungseinschränkungen wie gesundheitliche Probleme bzw. über zwei Fünftel sind älter als 50 Jahre.

2022 hat das Arbeitsmarktservice mehr als 592.000 Vermittlungsvorschläge gemacht, knapp 62.000 freie Stellen wurden in diesem Jahr besetzt. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Plus von 19 Prozent. 63.367 Menschen haben ihre Arbeitslosigkeit mit einer Arbeitsaufnahme beendet.

Mehr Lehrstellenplätze als Suchende

Lehrstellensuchende stehen einem Überangebot an Lehrstellen gegenüber, Ende September gibt es in Niederösterreich weit mehr offene Stellen als Stellensuchende: Mit 1.490 sofort verfügbaren Lehrstellen gibt es um 56,2 Prozent (+536) mehr offene Lehrstellen als im Vorkrisenjahr 2019 und gleichzeitig mit 1.061 um 17,4 Prozent (-223) weniger Lehrstellensuchende.

Auch die Langzeitarbeitslosigkeit ist um mehr als ein Drittel gegenüber dem Vorkrisenniveau zurückgegangen, 3.415 Personen sind aktuell betroffen. Diesen österreichweit stärksten Rückgang verzeichnet AMS-Chef Sven Hergovich als Erfolg „intensiver Beratungs- und Vermittlungsarbeit“. Diese erfordere zwar viel Personal, sei aber der „wichtigste Hebel im Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit“.

Prognose: Arbeitslosigkeit wird zeitnah steigen

Steigende Preise, Unsicherheiten bezüglich Krieg, Energieversorgung und Covid-19 stimmen die wirtschaftlichen Aussichten für den kommenden Winter negativ. Für das kommende Jahr wird zumindest mit einer Stagnation des Bruttoinlandsprodukts gerechnet. Man sei auf einen Abschwung am Arbeitsmarkt aber vorbereitet, betont Hergovich. 

Arbeitsmarkt-Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP) rechnet in den nächsten Monaten mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. „Aktuell hält die positive Entwicklung an, die Situation am Arbeitsmarkt wird aber bald ihre Vorzeichen wechseln. Die angespannte Wirtschaftslage, die hohen Energiekosten und die saisonal bedingten Zuwächse werden ihre Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen", sagt Eichtinger. Als Beispiel nennt er die Baubranche, in der bereits ein geringerer Rückgang der Arbeitslosigkeit zu spüren sei.