Erstellt am 23. Oktober 2018, 02:53

von Anita Kiefer

Axel Schopf: „Fichte ist für Tieflagen nicht geeignet“. Axel Schopf, Experte der Universität für Bodenkultur, im Gespräch mit Anita Kiefer.

Axel Schopf,bis 2017 Leiter des Instituts für Forstentomologie an der Uni für Bodenkultur.  |  privat

Warum befallen Borkenkäfer Fichtenbäume?

Axel Schopf: In Europa gibt es circa 300 Borkenkäferarten, davon sind nur die beiden an der Fichte vorkommenden Arten Buchdrucker und Kupferstecher als aggressive Arten zu bezeichnen, die bei hoher Anzahl und wenig geeignetem Brutmaterial auch gesunde Fichten befallen können. In der Regel sind beide Arte, wie alle anderen Rindenbrüter, aber Sekundärschädlinge, die nur an geschwächten oder frisch abgestorbenen Bäumen vorkommen.

Warum hat sich die Situation gerade heuer so zugespitzt?

Schopf: Heuer gab es einen sehr trockenen, heißen Sommer. Die flach wurzelnden Fichten litten daher vor allem in Tieflagen sehr unter Wasserstress. Fehlt ihnen Wasser, fehlt ihnen der Harzdruck. Harz ist aber Abwehrstoff Nummer eins eines Baumes gegen Käfer, die in der Rinde brüten.

Heißt das: Je wärmer, desto besser für den Käfer?

Schopf: Nein. Jeder Organismus hat Optimumtemperaturen für seine Entwicklung – beim Buchdrucker ist das eine Rindentemperatur von maximal 29 Grad.

Wie viele Käfer konnten sich heuer entwickeln?

Schopf: Wir haben heuer, und das ist eine Ausnahme, drei Generationen, die in Tieflagen entstanden sind. Ausgehend davon, dass sich in einer 60 Jahre alten Fichte 50.000 bis 60.000 Käfer entwickeln und unter den diesjährigen Bedingungen aus einem Muttertier bis zu 50.000 Nachkommen entstehen können, braucht es rechtzeitiges Eingreifen, um diese Vermehrung wirksam zu stoppen.

Das heißt, die Waldbesitzer sind eigentlich selbst schuld?

Schopf: Heute wird am Personal gespart. So fehlen Förster, die einen Befall rechtzeitig erkennen und handeln können.

Hätte man die aktuelle Situation also verhindern können?

Schopf: Momentan wird alles dem Borkenkäferbefall in die Schuhe geschoben. Man sollte aber zwischen Fichten differenzieren, die wegen Wassermangels, und solchen, die wegen Käferbefalls abgestorben sind. Die Fichte ist in den Tieflagen sicher nicht die geeignete Baumart für die Forstwirtschaft und wird es noch weniger unter den veränderten Bedingungen des Klimawandels sein. Waldbesitzer sollten rasch reagieren und naturnahe Baumarten anbauen.

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