Pensionssplitting automatisch?. In der Sozialpolitik wird über die Einführung einer automatischen Gutschriftenübertragung beraten. NÖN-Ombudsmann Johannes Neuwirth klärt auf:

Von Johannes Jungwirth. Erstellt am 15. Mai 2021 (05:39)
Johannes Jungwirth ist mit Leib und Seele NÖN-Ombudsmann: „Jede Sorge ist ernst zu nehmen!“
Walter Fahrnberger

Frauen erhalten derzeit auch deswegen eine deutlich geringere Pension, weil sie die Haupt-arbeit in der Kindererziehung leisten und dadurch in ihrem Berufsleben nicht nur weni- ger Erwerbsjahre, sondern oftmals – durch die notwendige Teilzeitbeschäftigung – ein geringeres Erwerbseinkommen aufweisen.

Um diese Umstände für die künftige Pension etwas abzu- federn, besteht seit dem 1. Jänner 2005 die Möglichkeit des freiwilligen Pensionssplittings . Dies wird allerdings nur sehr zögerlich in Anspruch genommen, sodass die Politik nunmehr ein automatisches Splitting überlegt. Die Gesetzwerdung bleibt abzuwarten.

Bestehendes Pensionssplitting:

Dieses ist keine Aufteilung eines bestehenden Pensionsbezuges, sondern die freiwillige Übertragung von Teilgutschriften auf das Pensionskonto des kindererziehenden Elternteiles.

Der erwerbstätige Elternteil kann freiwillig bis zu 50 Prozent seiner Teilgutschrift aus der Erwerbstätigkeit an den erziehenden Elternteil übertragen. Diese Übertragung ist für die ersten sieben Lebensjahre nach der Geburt des Kindes möglich.

Die Teilgutschriftenübertragung gilt vom Kalenderjahr der Geburt bis zu dem Jahr, in dem das Kind sieben Jahre alt geworden ist. Die Höhe der Übertragung können die Eltern für jedes Jahr selber bestimmen, und der Wert kann als Betrag oder Prozentsatz festgelegt werden.

Der versicherte erwerbstätige Elternteil kann höchstens 50 Prozent seiner Teilgutschrift auf das Pensionskonto des anderen Elternteils, der sich der Kindererziehung widmet, übertragen lassen. Durch die Übertragung darf die Jahreshöchstbeitragsgrundlage (2021: 77.700 Euro) des Elternteils, dem die Teilgutschrift übertragen wird, nicht überschritten werden.

Es können nur Teilgutschriften aus einer Erwerbstätigkeit übertragen werden.

Teilgutschriften für Versicherungszeiten wie zum Beispiel bei Bezug von Arbeitslosengeld, Notstandhilfe, Krankengeld, Wochengeld, Übergangsgeld oder bei Präsenzdienst/Zivildienst, Kindererziehung oder einer freiwilligen Versicherung sind jedoch nicht möglich.

Antragstellung und Verfahren:

Die Antragstellung hat schriftlich beim zuständigen Pensionsversicherungsträger zu erfolgen und ist an keine Formvorschrift gebunden ( formloser Antrag ).

Ein Antrag kann bis zur Vollendung des zehnten Lebensjahres des Kindes gestellt werden.

Liegen die Geburten der beiden letzten gemeinsamen Kinder nicht mehr als zehn Jahre auseinander, erstreckt sich die Antragsfrist für alle davor geborenen gemeinsamen Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr des zuletzt geborenen gemeinsamen Kindes.

Als gemeinsame Kinder gelten die leiblichen Kinder, Adoptiv- und Pflegekinder.

Über diesen Antrag auf Übertragung der Gutschrift wird mittels Bescheides entschieden. Die Übertragung kann im Nachhinein nicht mehr abgeändert oder aufgehoben werden. Damit besteht letztlich für den erziehenden Elternteil auch die notwendige Rechtssicherheit.

Beispiel für die Wirkung der Übertragung:

Bei einem Erwerbseinkommen von monatlich 2.500 Euro des abgebenden Elternteiles werden 50 Prozent und somit 1.250 Euro übertragen. Das bewirkt auf dem Pensionskonto des empfangenden Elternteils eine Gutschrift von 22,25 Euro. Werden diese Gutschriften sieben Jahre lang übertragen, so ergibt sich eine um 155,75 Euro höhere Bruttopension. Die Pension des abgebenden Elternteiles verringert sich aber dementsprechend im selben Ausmaß.

Hinweise:

– Jenem Elternteil, welcher die Kinder überwiegend im Inland erzieht, gebührt jeweils höchstens für die ersten 48 Monate (60 Monate bei Mehrlingsgeburten) nach der Geburt auch die Anrechnung von Kindererziehungszeiten. Die Beitragsgrundlage dafür beträgt im Jahr 2021 monatlich 1.986,04 Euro, woraus sich dann eine Kontogutschrift von monatlich 35,35 Euro errechnet.

– Im späteren Pensionsfall kann eine Gutschriftenübertragung zu positiven Effekten im Familieneinkommen führen (Progressionsvorteile im Steuerrecht). Es sind aber auch mögliche Auswirkungen im Hinterbliebenenrecht, im Ausgleichszulagenrecht und im Scheidungsfalle zu bedenken.

– Bei Interesse an einer Gutschriftenübertragung wird jedenfalls angeraten, sich im Einzelfall vom Pensionsversicherungsträger beraten zu lassen, um die konkreten Auswirkungen auf die Pensionen beurteilen zu können.