Ofner kontert Kritik an Dritter Piste. Wiener Rechtsanwältin glaubt nicht an Bau der Piste. Flughafen-Chef hält dagegen.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 21. Januar 2020 (01:11)
2030 soll die Dritte Piste in Betrieb gehen.
APA/Herbert Pfarrhofer

Acht Seiten ist er lang, der Offene Brief, den die Wiener Rechtsanwältin Susanne Heger Ende 2019 an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner verfasst hat. Das Thema: der geplante Bau der Dritten Piste am Flughafen Wien-Schwechat.

Mikl-Leitner hatte sich bereits mehrmals für dieses Projekt stark gemacht. Heger hingegen ist als heftige Kritikerin des Projekts bekannt. Sie ist die Obfrau des Vereins BürgerInnen für Transparenz, Kostenwahrheit und Nachhaltigkeit in der Luftfahrt und im Verfahren zur Bewilligung pro bono als Rechtsvertreterin tätig.

Flughafen-Vorstand Günther Ofner.APA / Georg Hochmuth
NOEN

Heger glaubt nicht, dass das Projekt Dritte Piste realisiert wird, wie sie gegenüber der NÖN betonte. Sie ist der Meinung, dass der Flughafen jetzt bereits seine Kapazitäten nur mit Billigairlines füllen würde. Kritik übt Heger etwa an der Vergabe von Incentives (finanziellen Anreizen, Anm.) des Flughafens, etwa für die Aufnahme neuer Destinationen. Außerdem würde die Dritte Piste nur eine, wie Heger sagt, in Relation zu den Kosten unverhältnismäßig geringe Kapazitätserweiterung bringen, weil zweite und dritte Piste aufgrund ihrer Lage nicht zeitgleich betrieben werden könnten. Und: Es gebe keinen Kausalzusammenhang zwischen Dritter Piste und Exporten. „Nur vom Herumfliegen machen Sie keine Exportgeschäfte.“

"Das Land lebt aber zu 60 Prozent vom Export.

Für Flughafen-Vorstand Günther Ofner werde das Projekt aus heutiger Sicht realisiert. Kritik an der Incentivevergabe ist für ihn „Schwachsinn. Die Weiterentwicklung der Zahl der Destinationen ist ja das Herzstück des Flughafens.“ Den Vorwurf, dass die Dritte Piste wenig Kapazitätsgewinn bringe, wies er von sich. Ein Parallelbetrieb bringe „viele Synergien“ – so könnten Verspätungen minimiert und unterschiedlichen Windsituationen besser begegnet werden. Zum Thema Export meint er: „Export bedeutet auch, dass Menschen mit dem Flugzeug ihre Standorte im Ausland bedienen können. Der Flughafen kann auch ohne Dritte Piste leben. Das Land lebt aber zu 60 Prozent vom Export.“

Aus dem Büro Mikl-Leitner hieß es, dass an einer Antwort an Susanne Heger gearbeitet werde. Und: „Faktum bleibt, das Projekt Dritte Piste fördert zusätzliche Beschäftigung und stärkt den Wirtschaftsstandort.“

Dass die neue Bundesregierung die Bedingungen für den Bau der Dritten Piste ändern könnte, glaubt Ofner übrigens nicht. „Sie ist ja nicht die Genehmigungsbehörde. Wir brauchen auch keine Steuermittel.“