Saubere Busse: Wasserstoff bewährte sich im Test. Dr. Richard setzte neuen Bus versuchsweise in St. Pöltner Stadtverkehr ein.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 15. Juli 2020 (05:30)
Eine Woche lang war im St. Pöltner Stadtverkehr ein wasserstoffbetriebener Bus im Einsatz. Das Fazit: Noch ist der Bus finanziell nicht konkurrenzfähig.
Dr. Richard

Das Ziel der Landespolitik ist klar: Ab 2030 werden im Öffentlichen Verkehr nur mehr Busse ohne fossile Antriebe neu eingesetzt. Der Verkehrsverbund Ost (VOR) schlägt diesen Weg bereits ab 2024 ein. „Ab dann sind wir verpflichtet, nur noch saubere Fahrzeuge einzusetzen. Wir alle suchen deshalb nach Alternativen zu Diesel“, beschreibt VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll die Situation.

Eine der aussichtsreichsten Alternativen heißt Wasserstoff – genauer: ein mit Wasserstoff betriebener Brennstoffzellen-Omnibus. Die Dr. Richard-Gruppe testete die neue Technologie nach Wien und Graz nun auch im St. Pöltner Stadtverkehr. Die Erkenntnisse: Mit einer stabilen Reichweite von 350 bis 400 Kilometern ist das getestete Modell, ein Solaris Urbino 12 hydrogen, sowohl im Stadtverkehr als auch im Regionalverkehr besser einsetzbar als E-Busse – und das völlig emissionsfrei.

„Die einzigen Produkte der chemischen Reaktion sind Wärme und Wasserdampf“, erklärt Johann Strasser, Technischer Leiter bei Dr. Richard. Zugleich ist die Lärm-Emission durch den Elektroantrieb deutlich geringer als bei gängigen Bussen und die Betankung nicht zeitaufwendiger als bei Diesel-Bussen.

„Die Technologie ist ausgereift. Wir könnten sofort umstellen. Allerdings ist ein wirtschaftlicher Betrieb derzeit noch nicht möglich“, betont Ludwig Richard, Geschäftsführer der Dr.-Richard-Gruppe. Gegenwärtig sei ein Kilometer mit einem Wasserstoff-Bus doppelt so teuer wie mit einem Diesel-Bus. Dazu kommt, dass es in Österreich zwar Wasserstoff-Tankstellen für Pkw gibt, aber keine für Busse. Möglich war der Testbetrieb deshalb nur durch den Aufbau einer mobilen Abgabestation.

Wasserstoff-Busse für den Regionalverkehr

Das Problem lasse sich auf Sicht aber lösen, meint Richard: „Wir müssten die Tankstelle am Standort in St. Pölten umrüsten.“ Richard erwartet jedenfalls, dass seine derzeit etwa 1.000 Busse starke Flotte in fünf Jahren mehrer Wasserstoff-Busse beinhalten werde. Damit rechnet auch Schroll: „Ich gehe davon aus, dass wir ab der Mitte dieses Jahrzehnts viele Wasserstoffbusse auf unseren Straßen erleben werden.“ Darauf hofft auch Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko: „Wir versuchen, hier in der Politik die richtigen Weichen zu stellen. Vor allem im Regionalverkehr ist Wasserstoff vielversprechend. Aber für die Energiewende wird es notwendig sein, dass wir auf mehrere Technologien setzen.“

Wie die Busse im Linienverkehr funktionieren, kann man ab Herbst in Südtirol erleben: Die Bozener Verkehrsbetriebe kauften zwölf Solaris-Busse. Die Wiener Linien wollen 2023 die ersten Wasserstoff-Busse in den Dienst stellen.