Privatbrauereien gründen Herkunfts-Siegel

Zehn österreichische Brauereien haben sich in der Vereinigung „Unabhängige Privatbrauereien Österreichs“ zusammengeschlossen. Unter dem Motto „für immer konzernfrei“ wollen die Unternehmer anhand eines neuen Herkunfts-Siegels die österreichische Braukultur schützen. Unter ihnen auch zwei Brauereibesitzer aus Niederösterreich.

Erstellt am 21. September 2021 | 15:20

Bereits sechs von zehn Bieren, die in Österreich getrunken werden, stammen von internationalen Großkonzernen, weshalb die österreichischen Privatbrauereien „die Ursprünglichkeit der österreichischen Brautradition gefährdet“ sehen.

Um dem entgegenzuwirken haben zehn österreichische Brauereibesitzer einen Verein gegründet, mit dem auf die Vielfalt der österreichischen Biere aufmerksam gemacht werden soll. Das Herkunfts-Siegel mit der Aufschrift „Österreichische Privatbrauerei – 100% unabhängig“ soll den Kundinnen und Kunden dabei als Orientierungshilfe dienen und aufzeigen, welche Biere auch tatsächlich aus Österreich stammen.

Konzentration im Biermarkt

Grund für den Zusammenschluss ist die zunehmende Marktkonzentration. Weltweit teilen sich drei große Konzerne die Hälfte des Biermarktes untereinander auf. In Österreich sieht die Situation ähnlich aus: Seitdem die Brau Union AG im Jahr 2003 zu 100 Prozent von Heineken International mit Sitz in Amsterdam übernommen wurde, beherrscht das niederländische Unternehmen zwei Drittel des heimischen Biermarktes.

Mit der Vereinigung „Unabhängige Privatbrauereien Österreichs“ wolle man deshalb genau auf jene Brauereien aufmerksam machen, die nicht in der Hand des Konzernes sind, erklärt Ewald Pöschko, Geschäftsführer der Braucommune in Freistadt (Oberösterreich) und Obmann des neuen Vereins.

70 Brauereien in NÖ

Ungefähr 70 Privatbrauereien gibt es in Niederösterreich. Zwei davon, die Bierbrauerei Schrems und die Privatbrauerei Zwettl, haben sich der Initiative angeschlossen.

„Mit dem Siegel wollen wir die Verarmung der Bierstile und der Vielfalt verhindern“, erklärt Karl Trojan, Brauereibesitzer der Bierbrauerei Schrems. Deshalb wolle man weitere Partner für die Initiative finden. „In Niederösterreich wäre es schon nett, wenn sich 10 bis 15 Brauereien engagieren“, so der Brauereibesitzer. Österreichweit wünsche man sich, dass die Biere mit neuem Siegel in Zukunft rund 30 Prozent des österreichischen Biermarktes ausmachen.

Um aber auch tatsächlich Teil der Vereinigung zu werden, müssen die Brauereien und ihre Eigentümer ihren Sitz in Österreich haben. Der Einfluss ausländischer Unternehmen ist dabei nicht erlaubt. Außerdem muss die Privatbrauerei real existieren und seit mindestens drei Jahren gewerblich in Österreich tätig sein. Die Größe spiele dabei aber keine Rolle, so Trojan. „Auch kleine Craft Beer-Hersteller sind willkommen“.

Bekanntmachung ohne Werbekampagne

Für die Bekanntmachung des neuen Siegels sei zumindest in Niederösterreich keine eigene Webekampagne geplant, erklärt Karl Schwarz, Besitzer der Privatbrauerei Zwettl. Man setze auf die Kommunikation durch klassische Medien und persönliche Kontakte mit Hauptabnehmern und Kunden. „Eigentlich sagt das Siegel alles aus“, so der Brauereibesitzer.

Angebracht werden soll das Siegel auf allen Flaschen, Dosen und Verpackungen der teilnehmenden Unternehmen. Zwar gebe es sehr strenge Design-Regeln, was das Siegel angehe, gleichzeitig könne jedes Unternehmen bei der Farbwahl mitbestimmen. „Damit das Siegel mit dem Etikett der einzelnen Marken harmoniert“, so Schwarz.

Teilnehmende Bierbrauereien

Die aktuellen Partner der Vereinigung „Unabhängige Privatbrauereien Österreichs“ sind die Ottakringer Brauerei (Wien), die Stieglbrauerei (Salzburg), die Braucommune in Freistadt (Oberösterreich), die Privatbrauerei Hirt (Kärnten), die Mohrenbrauerei (Vorarlberg), die Brauerei Murau (Steiermark), die Brauerei Schloss Eggenberg (Oberösterreich), die Trumer Privatbrauerei (Salzburg), die Bierbrauerei Schrems (Niederösterreich) und die Privatbrauerei Zwettl (Niederösterreich).

Mehr Infos dazu gibt es unter: https://privatbrauereien.at/