Kika/Leiner-Sanierung kostet Benko Millionen. Die Sanierung der Möbelketten Kika und Leiner wird für den Eigentümer Signa des Tiroler Immobilieninvestors Rene Benko zu einer teuren Angelegenheit.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 25. April 2019 (13:46)
kika/Leiner, APA Fotoservice, Tesarek
CEO Reinhold Gütebier

Allein die Modernisierung der 42 Filialen werde einen zweistelligen Millionenbetrag kosten, sagte Kika/Leiner-Chef Reinhold Gütebier. Signa verpflichtete sich beim Kauf sogar, einen dreistelligen Millionenbetrag einzuschießen.

Bei den über 4.000 Mitarbeiter zählenden Möbelketten liegt rund neun Monate nach der Übernahme durch Benko noch immer einiges im Argen. Gütebier räumte am Donnerstag bei einem Pressegespräch weiteren Nachholbedarf ein, wenngleich man "auf einem hervorragenden Weg" sei und die Zahlen seit seinem Antritt als CEO vor einem halben Jahr "deutlichst besser" seien als im Restrukturierungsplan vorgesehen. Im November 2018 sei erstmals nach 15 Monaten wieder ein Umsatzplus erzielt worden, seither gehe es weiter bergauf. Auch seien in den letzten Monaten 137 Vollzeitbeschäftigte neu eingestellt worden.

Auf Platz 3 am heimischen Möbelmarkt abgerutscht

Konkrete Umsatzahlen gab der Manager auf Nachfrage dann allerdings nicht bekannt. In der Branche wird der Österreich-Umsatz von Kika und Leiner auf 700 Mio. Euro geschätzt, ein Rückgang von 13 Prozent gegenüber 2017. Damit ist die ehemalige Nummer 1 am heimischen Möbelmarkt noch weiter abgerutscht und liegt nun hinter Ikea auf Platz 3. Der schwedische Möbelhändler erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2017/2018 in Österreich einen Umsatz von 761 Mio. Euro. Marktführer ist die XXXLutz-Gruppe, die sich als Gewinner der Krise bei Kika und Leiner sieht.

Innerhalb von drei Jahren will Gütebier die Sanierung bei Kika und Leiner abgeschlossen haben und die Ketten in die schwarzen Zahlen führen. Dieses Versprechen habe er vor 14 Tagen bei einer Führungskräftetagung in St. Pölten, an der auch Eigentümer Benko und Dieter Berninghaus, Chairman von Signa Retail, teilgenommen haben, gegeben. Sein Verhältnis mit Benko beschrieb der deutsche Manager als gut, sowohl telefonisch als auch persönlich habe er oft mit ihm Kontakt. Benko setze sich sehr stark mit der Möbelbranche auseinander.

Nächstes Treffen mit Benko im Mai

Die nächsten Weichen werden im Mai gestellt. Dann gebe es wieder ein Treffen mit Benko, wo besprochen werden soll, wie es mit den 42 Möbelhäusern weitergeht. Im vergangenen halben Jahr hätten sich externe sowie interne Fachleute alle Filialen in Bezug auf technischen Zustand, Warenpräsentation, Innenausbau, Ladenbau usw. angesehen. Die Schlüsse daraus sollen im Mai gezogen werden. Im Moment gebe es aber keinerlei Überlegungen, weitere Häuser zu schließen, sagte Gütebier.

Bereits fix ist die Zukunft der prominenten Leiner-Filiale auf der Mariahilfer Straße. Benko schwebt hier wie berichtet ein Luxuskaufhaus nach dem Vorbild des Berliner Kaufhauses des Westens (KaDeWe) vor, das auch eine "riesige Leiner-Premiumfläche" enthalten soll, sagte Gütebier heute. Das Projekt sei bereits in Planung und soll bis 2023 realisiert werden. Was mit dem obersten Stockwerk der Leiner-Immobilie passiert, wisse er nicht, sagte Gütebier. Dort wohnt der frühere Kika/Leiner-Eigentümer Herbert Koch. Die Familie Koch verkaufte die Möbelketten im Jahr 2013 an die südafrikanische Steinhoff-Gruppe. 2018 übernahm Benkos Signa Holding sie dann von Steinhoff.

Ebenfalls im Mai startet der Möbelhändler in ausgewählten Filialen einen neuen Service, lagernde Ware innerhalb von 48 Stunden zuzustellen, ab September innerhalb von 24 Stunden (in den Landeshauptstädten bei Bestellung bis 14 Uhr).

Neuerungen kündigte Gütebier auch bei Sortiment, Marketing sowie Online-Auftritt an. "Da sind wir aus der Vergangenheit so schlecht aufgestellt, dass man sagen muss, wir sind gar nicht aufgestellt", räumte der CEO ein. Im zweiten Jahr der Restrukturierung soll der E-Commerce-Anteil bei 5 Prozent liegen, im dritten Jahr dann bereits im zweistelligen Bereich.

Unklar ist weiterhin, was mit den über 20 osteuropäischen Filialen passiert. Sie seien Angelegenheit des Eigentümers, sagte Gütebier auf Nachfrage.