Erstellt am 23. Oktober 2018, 02:54

von Anita Kiefer

Borkenkäfer: Die Fichte kämpft ums Überleben. Heuer wird es zwei Millionen Festmeter an Borkenkäfer-Schadholz in Niederösterreich geben. Der Fichte geht es hier nicht mehr gut.

Waldverband Österreich

„Die Fichte wird in unserer Region keine Zukunft haben.“ Markus Hoyos, Obmann der Land & Forst Betriebe Niederösterreich, bringt das Ausmaß der Situation auf den Punkt. Die feuchtigkeitsliebende Fichte ist mangels Niederschlägen und aufgrund der klimabedingt steigenden Temperaturen gestresst. Leichte Beute für den Borkenkäfer, der durchaus auch andere Baumarten befallen könnte. Die Fichten-Monokulturen haben ihm aber viel gestresste Nahrung geboten – der Borkenkäfer hat sich heuer im negativen Sinne in Niederösterreichs Fichtenwäldern ausgetobt.

Bitter, denn die Fichte ist eine der wirtschaftlich wichtigsten Baumarten. Neben dem raschen Wachstum liegt das vor allem an ihrem geringen Gewicht – daher wird sie gern als Bau- und Möbelholz eingesetzt.

Hauptbetroffene Regionen sind das Wald- und das oberösterreichische Mühlviertel. Zwei Millionen Festmeter an Borkenkäfer-Schadholz werden heuer für Niederösterreich erwartet. Das bedeutet, dass fast die Hälfte des Gesamteinschlags in Niederösterreich heuer schadhaftes Holz ist. Gemessen an der Gesamt-Waldmenge – allein im Waldviertel gibt es eine Vorratsfestmetermenge von 60 Millionen, in Niederösterreich gesamt sind es 220 Millionen – ist das noch keine dramatische Zahl. Aber eine alarmierende.

NÖ Landesregierung, Abteilung Forstwirtschaft; , Fotos: LK NÖ/Gleiß; D. Kucharski K. Kucharska/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Grund ist der Klimawandel. Die Fichte braucht 600 Millimeter mittleren Jahresniederschlag. „Seit 2011 hatten wir in unserer Region maximal 550 Millimeter“, erklärt Hoyos. Feuchtigkeit, die der Fichte fehlt.

Der Preis eines Festmeters gesunder Fichte liegt aktuell in NÖ bei 80 bis 86 Euro. Vom Borkenkäfer befallenes Holz – erkennbar an der Blaufärbung – ist um 40 Prozent weniger wert. Es müssen also Alternativen her. Doch die sind nicht leicht zu finden – dauert es doch bis zu 100 Jahre, bis die Aufforstung eines Waldes Früchte trägt. „Damit verbunden ist die Ungewissheit, wie das Klima in 100 Jahren ausschaut. Ich muss jetzt entscheiden, was ich pflanze, was in 100 Jahren noch wächst. Das ist nicht einfach. Eines weiß ich aber: Die Fichte wächst in 100 Jahren hier nicht mehr“, ist Markus Hoyos überzeugt. Er setzt in seinen Wäldern auf die Eiche.

Logistische Engpässe verschärfen Problem

Das aktuelle Borkenkäfer-Problem wird durch die begrenzten logistischen Möglichkeiten stark verschärft. Bei der wachsenden Zahl an anfallendem Schadholz fehlen auf der anderen Seite die Lkw und auch die Frächter, die das schadhafte Holz vom Waldrand zur verarbeitenden Industrie bringen können. „Die Qualität der Bäume wird durch wochenlanges liegen am Waldrand schlechter“, konstatiert Hoyos.

Von der Sägeindustrie aber gibt es Unterstützung für die Waldbesitzer, betont Markus Hoyos. Das bestätigt Norbert Hüttler, Einkaufsleiter beim Forstunternehmen Stora Enso, das je ein Werk in Brand (Bezirk Zwettl) und in Ybbs an der Donau (Bezirk Melk) betreibt. Hilfe kam etwa durch Reduktion der Importe. „Früher lagen wir bei rund der Hälfte des Holzes, das importiert wird, jetzt ist es ein Viertel“, so Hüttler. Ansonsten stößt aber auch die Industrie an die Kapazitätsgrenzen.

Werner Löffler, Leiter der Abteilung Forstwirtschaft in der Landwirtschaftskammer NÖ, wehrt sich aber gegen ein generelles Schwarzmalen. „Die Menschen interessieren sich wieder mehr für den Wald – spät, aber doch“, findet er etwas Positives.

An der Situation der Fichte in NÖ wird das aber nicht mehr viel ändern. Langfristig wird sie unter einer Seehöhe von 600 bis 700 Metern bei uns wohl nicht mehr existieren. Ein Problem, das es auch in den Nachbarländern Tschechien, Deutschland, Slowakei und Slowenien gibt.

Jetzt geht es darum, mit Baumarten wie der Eiche die Wälder aufzuforsten. Die zentrale Forderung an die Politik: ein Ausbau der Förderungen.

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