Starke Nachfrage nach Pflegegeldberatung. 150.000 Beschäftigte hat die Arbeiterkammer (AK) NÖ im Vorjahr zu Themen rund um das Arbeits- und Sozialrecht beraten. Ansprüche in Höhe von insgesamt 56 Millionen Euro konnten so laut AKNÖ geltend gemacht werden. Relativ neue Pflegegeldberatung stark nachgefragt.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 13. Februar 2020 (15:59)
Bei der Bilanz der Arbeits- und Sozialrechtsberatung der AKNÖ: Alfred Jordan als Vertreter des Bereichs Regionale Aufgaben (von links), AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser und Doris Rauscher-Kalod, Leiterin der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht.

 
Alexandra Kromus

Es sind Themen wie korrekte Entlohnung, falsch berechnete Abfertigungen oder Versicherungsansprüche, die die Arbeits- und Sozialrechtsexperten der AKNÖ täglich bei ihren Beratungen erreichen. In rund 4.200 Fällen etwa hat die AKNÖ die Zahlung ausstehender Löhne und Gehälter erwirkt, indem beim Arbeitgeber interveniert wurde. Für knapp 1.800 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ging die AKNÖ auch vor Gericht. „Jeder vierte Beschäftigte hat im Vorjahr unsere Hilfe in Anspruch genommen“, so AKNÖ-Präsident Markus Wieser heute Vormittag vor Journalisten.

Die Arbeiterkammer NÖ hat außerdem 2018 ihre Pflegegeld-Beratung gestartet, die 2019 erstmals ein gesamtes Jahr über angeboten wurde. Rund 480.000 Euro hat die Arbeiterkammer NÖ in diesem Bereich für Betroffene und Angehörige allein im Vorjahr erkämpft.
Dass die Höhe der erstrittenen Summe im Vergleich zum Jahr davor gesunken sind, führt Doris Rauscher-Kalod, Leiterin der AKNÖ-Abteilung Arbeits- und Sozialrecht, darauf zurück, dass es den Betrieben „wirtschaftlich besser“ gehe. 2018 wurden 66 Millionen Euro erkämpft.

Wieser: "Berechtigte Anliegen"

Apropos Pflege: Auf Nachfrage der NÖN bekräftigte AKNÖ-Präsident Wieser, gleichzeitig Vorsitzender des ÖGB in Niederösterreich, dass es „berechtigte Anliegen“ seien, die die Angestellten im Pflegebereich im Rahmen der laufenden Kollektivvertragsverhandlungen durchsetzen wollen. Aus seiner Sicht würde eine Reduktion der Wochenarbeitsstunden auf 35, wie von der Gewerkschaft gefordert, das Problem ohnehin lösen. Denn mit einer niedrigeren Wochenarbeitszeit bei gleichem Lohn würde die Arbeitsbelastung von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern genommen und somit der Pflegeberuf als solcher wieder attraktiver – was den Mangel an Pflegepersonal beheben würde, so Wieser. „Das wäre eine Situation, in der beide gewinnen.“