Tausende Jobs im Handel in Gefahr. Handelsverband-Obmann Rainer Will warnt: „Jeder vierte Einzelhändler de facto zahlungsunfähig.“ Er fordert Maßnahmenpaket.

Von Daniel Lohninger. Update am 03. März 2021 (15:12)
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61.000 Menschen sind im niederösterreichischen Einzelhandel beschäftigt. Mehrere tausend dieser Jobs sind aber alleine in Niederösterreich in Gefahr, warnt Rainer Will, Geschäftsführer des Österreichischen Handelsverbandes: Denn die 8.000 NÖ-Einzelhändler müssen radikal zum Rotstift greifen: „Jeder vierte Händler ist de facto zahlungsunfähig.“

„Jeder vierte Händler ist de facto zahlungsunfähig“, warnt Rainer Will.
Stephan Doleschal

Schuld daran sind die corona-bedingten Umsatzeinbrüche, aber auch die mangelhaften Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung. Immerhin jeder dritte NÖ-Einzelhändler bewertet die Maßnahmen als „nicht ausreichend“, fast jeder wartet noch auf versprochene Zahlungen. Die Folge: Die Arbeitslosigkeit im Einzelhandel steigt aktuell stark an – trotz Kurzarbeit.

Steuerschlupflöcher für ausländische Online-Riesen schließen

Der Handelsverband schlägt deshalb einen Corona-Masterplan für den Handel vor. Die Ziele sollen die Erhaltung von Arbeitsplätzen durch einen Arbeitsplatzsicherungs-Bonus, die Förderung der Investitionsbereitschaft durch höhere Zuschüsse und Freibeträge, präventive Restrukturierungsmaßnahmen für Betriebe in finanzieller Schieflage sowie das Schließen von Steuerschlupflöchern für ausländische Online-Riesen sein. Denn, so Will: „Niemand versteht, warum Digitalkonzerne im Schnitt nur 9 Prozent an Gewinnsteuern zahlen, ein österreichisches Unternehmen aber 23 Prozent.“

Die Hoffnung, dass sich die Situation mit der schrittweisen Rückkehr zur Normalität wieder normalisieren wird, haben die Händler nicht: Zwei Drittel rechnen zumindest heuer mit keiner Trendwende. Aktuell fehlen pro Woche trotz offener Geschäfte etwa 400 Millionen Euro im Einzelhandel, rechnet Will vor. Schuld daran sind die geschlossene Gastronomie, die Zufallskäufe minimiert, aber auch die Zurückhaltung der Kunden.

Besonders schwer leiden derzeit der Handel mit Bekleidung (-24 Prozent), Schuhen (-17 Prozent) und Schmuck (-16 Prozent). Die Profiteure der Krise sind Lebensmittelhandel (+8,9 Prozent), Möbelhandel (+5,4 Prozent) und Baumärkte (+4,9 Prozent). Aber auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt: „Der Umsatz ist zwar höher, aber die Kosten durch die Sicherheitsmaßnahmen auch.“