W.E.B-Premiere: Erster Windpark in Italien. Am Dienstagnachmittag hat die W.E.B Windenergie AG ihren ersten italienischen Windpark nähe der Stadt Piombino eröffnet und sorgt damit in den nächsten Jahrzehnten für nachhaltige, regionale Energie.

Von Linda Goldsteiner. Erstellt am 25. September 2019 (14:24)
Sechs Windräder wurden an der toskanischen Küste aufgestellt. Sie sorgen in den nächsten Jahrzehnten für nachhaltige, regionale Energie.
Jürgen Maier

Auf einem alten Industriegebiet direkt am Meer in der Nähe der rund 34.000 Einwohnerstadt Piombino in der Toskana befindet sich der neue Windpark mit sechs Windrädern der W.E.B Windenergie AG. Am Dienstagnachmittag wurde er feierlich von dem W.E.B Italia Energie Rinnovabili Geschäftsführer Andrea Tisot, dem W.E.B-Vorstandsvorsitzenden Frank Dumeier und dem Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf eröffnet. Vor Ort waren unter anderem auch W.E.B-Finanzvorstand Michael Trcka, W.E.B-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Schweighofer, eNu-Geschäftsführer Herbert Greisberger sowie etwa 70 Aktionäre, die sich einen direkten Eindruck des neuen Windparks machen konnten.

Andrea Tisot bedankte sich bei allen, die an dem Projekt mitgearbeitet haben: "Wir haben lange daran gearbeitet, heute sehen wir das große Ergebnis. Es ist der Anfang der Energiewende in Piombino", so Tisot. Auch Frank Dumeier sprach der Stadt Piombino und allen Mitwirkenden ein Dank für die Zeit der Projektentwicklung aus. Er sei sei stolz auf den 25-jährigen Werdegang des Waldviertler Start-Ups in Pfaffenschlag zum internationalen Energiewendeunternehmen. 

Sechs W.E.B-Windräder für eine ganze Stadt

Im Sommer 2018 starteten die Bauarbeiten für das italienische Windenergie-Projekt, wofür die W.E.B zuvor in einem Ausschreibeverfahren den Zuschlag erhalten hat. Die W.E.B ist in Italien bereits seit zehn Jahren in der Photovoltaik aktiv, nun nutzt sie dort zulande auch erstmals den Wind für saubere Stromerzeugung. Die sechs Windräder erzeugen etwa 50 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Bei rund 34.000 Einwohnern in Piombino mit etwa 15.000 Haushalten können die Windräder damit die ganze Stadt mit Strom versorgen. 

Landeshauptfrau Stellvertreter Stephan Pernkopf mit dem Vorstandsvorsitzenden der W.E.B Frank Dumeier und W.E.B Finanzvorstand Michael Trcka vor Ort.
Linda Goldsteiner

Dumeier ging außerdem auf die "gravierenden Klimaveränderungen" ein: „Der Klimawandel ist zu einer globalen Klimakrise geworden. Wir sehen es als unsere Aufgabe gegen diese Klimakrise zu agieren. Mit der Eröffnung des Windparks in Piombino sind wir ein Teil der Lösung der Klimakrise und nicht Teil des Problems."

Der Vorstandsvorsitzende bedankte sich außerdem bei den Aktionären und appelliert an sie, auch persönlich zu erneuerbarer Energie umzustellen: „Seien Sie unsere Klimabotschafter. Für die Zukunft unseres Planeten und die Zukunft unserer Kinder.“ 


Pernkopf: "Großes Lob an Italien"

Stephan Pernkopf sprach ein „großes Lob“ an Italien für dessen "wichtigen Schritte" in Richtung Erneuerbare Energien aus. Nach der Atomkraftwerk-Katastrophe Tschernobyl hat Italien 1987 per Volksabstimmung klar entschieden aus der Atomkraft auszusteigen, 1990 wurde dies bereits vollzogen. „Italien hat damit die richtigen Schlüsse gezogen. Wir erwarten uns das auch von Ungarn, Tschechien und der Slowakei." 

Pernkopf bedankte sich auch bei der W.E.B und deren vielen Aktionären vor Ort: „Wir können heute nur so gegen die Atomkraft auftreten, weil sie vor 25 Jahren die ersten Schritte gesetzt haben. Ohne Sie wären wir heute nicht so weit in Niederösterreich und Österreich. Sie sind Pioniere." Er werde sich außerdem bei der neuen Bundesregierung für eine kontinuierliche Energiepolitik und Investitionspolitik einsetzen. "Es muss einen klaren Plan geben“, so Pernkopf.

Die Mitwirkenden bei der feierlichen Eröffnung an der toskanischen Küste nähe Piombino.
Linda Goldsteiner

(v.l.n.r) W.E.B Finanzvorstand Michael Trcka, Geschäftsführer W.E.B Italien Reinhard Kainz, Umweltlandesrätin Frederica Fratoni, Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Bürgermeister von Piombino Francesco Ferrari, W.E.B Vorstandsvorsitzender Frank Dumeier und W.E.B Italia Energie Rinnovabili Geschäftsführer Andrea Tisot.
Linda Goldsteiner

In Italien werden aktuell rund 34 Prozent der gesamten Stromproduktion aus erneuerbaren Energien gezogen. Davon kommen 5,6 Prozent des Strombedarfs aus der Windkraft. In der Toskana liegt der Anteil der erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung bei 40 Prozent, wobei Geothermie (Nutzung der Erdwärme) den Großteil davon liefert. „Hier besteht jedenfalls Aufholbedarf“, so Pernkopf. 


Ziel bis 2050: Keine Kohleenergie in der Toskana

Die Umweltlandesrätin der Toskana, Federica Fratoni, sprach die wichtige Rolle der erneuerbaren Energien in der Region und ganz Italien an: "Unser Ziel ist es, bis 2050 keine Kohleenergie zu nutzen, deshalb hat erneuerbare Energie für uns oberste Priorität. In der Toskana haben wir den großen Vorteil der thermischen Energie", sagt sie. Es sei bereits ein Plan ausgearbeitet worden, wo überall in der Toskana Windkraft am besten genutzt werden kann. „Wir werden in den nächsten Jahren an weiteren solchen Anlagen arbeiten, um unser Ziel für 2050 zu erreichen."  

Facts zu erneuerbaren Energien in NÖ

  • Seit Ende 2015 deckt Niederösterreich seinen Strombedarf zu mehr als 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien. 
  • Nach der Wasserkraft ist die Windkraft in NÖ der zweitgrößte Stromerzeuger. 
  • Mit dem erzeugten Strom können 1,5 Millionen Elektroautos ein Jahr lang betrieben werden. Das sind um 40 Prozent mehr als alle in NÖ zugelassenen PKWs.
  • Laut NÖ Energiefahrplan soll die Windkapazität bis 2030 auf 7.000 Gigawattstunden ausgebaut werden. Das entspricht einer Verdoppelung der derzeitigen Leistung.
  • Derzeit werden in NÖ durch Grüne Technologien rund 43.000 Arbeitsplätze gesichert. Ziel bis 2030 ist es, 10.000 neue Green Jobs zu schaffen.