Holz-Importe: Bauern protestieren gegen "den Wahnsinn" . Forstwirte sehen sich als erste Opfer des Klimawandels, wollen nicht auf ihrem Käferholz sitzen bleiben und fordern Entschädigungen aus dem Katastrophenfonds.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 18. Juli 2019 (12:27)

Dass man in einer Traktor-Kolonne zu einem Pressetermin fährt, kommt sicher nicht alle Tage vor: Der Bauernbund fuhr mit geschätzten 150 Traktoren samt Forstkränen und Rückwägen auf. 500 Landwirte und Waldbesitzer dürften teilgenommen haben. Manche haben eigens Plakate gemalt, um gegen die Holz-Importe aus Nationen wie Tschechien zu protestieren.

Sie fuhren in langsamen Tempo zwischen Fratres und Dobersberg und parkten dann für eine Kundgebung bei der Kreuzung zu Schönfeld auf einem Acker. „Das spiegelt den Ernst der Lage wider“, findet Nationalratsabgeordneter Martina Diesner-Wais.

"Müssen Holz verschenken"

Eduard Köck, Bezirksobmann des NÖ Bauernbundes, wollte mit seinem Organisationsteam ein Zeichen setzen, dass die Mitglieder aktiv werden, „wenn sich nichts ändert“. Denn: „Das ist ein Wahnsinn, dass wir unser Holz verschenken müssen.“ Die Lage für Forstwirte verschärft sich zusehends, nachdem der Borkenkäfer große Schäden in den Fichtenwäldern anrichtet. „Wir Forstwirte sind die ersten Opfer des Klimawandels“, betont Köck. Die Trockenheit „beflügelt“ den Schädling.

Wird mehr Holz importiert, steige der Preisdruck. Das bedroht „unsere wirtschaftlichen Existenzen“. Die Schadholz-Menge in Niederösterreich umfasst derzeit drei Millionen Festmeter. Die Holzimporte seien um 20 Prozent (auf 7,25 Festmeter) gestiegen. Köck fordert eine Gesetzesänderung: Betriebe sollen dazu gezwungen werden, „dass unser Holz genommen wird“.

Holzindustrie weist Vorwurf zurück

Dem setzt Franz Kirnbauer, Fachgruppenobmann der Holzindustrie NÖ, in einer Aussendung entgegen: „Gerade in den Jahren von 2017 bis 2019 haben wir die heimischen Schadholzmengen nachweislich verstärkt aufgenommen. Das bestätige eine Umfrage unter den Holzunternehmen in Niederösterreich. Zugleich seien die Einfuhren aus benachbarten Regionen reduziert.

„Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst, hoffen aber auf Verständnis, dass wir bestehende Verträge mit Unternehmen aus dem benachbarten Einzugsgebiet auch einhalten müssen.“ Er appelliert an Politik und Forstbetrieb-Vertrete, gemeinsam an einer Problemlösung zu arbeiten, dass für den Wirtschaftsstandort die Holzbranche-Interessen berücksichtige.

Einkommensverluste: Keine rosige Perspektive

Franz Fischer, Obmann des NÖ Waldverbandes, spricht bei der Kundgebung einmal mehr von dem Frust, der Resignation und „mittlerweile der Aggression“ der Waldbauern. Warum? „Weil wir keine Perspektive oder nein: Wir wissen, wie die Perspektive aussieht“, nämlich nicht rosig. Jeder ziehe Nutzen aus dem Wald, die Pflege und die Aufforstung bleiben alleine bei den Forstwirten hängen. „Wir brauchen Unterstützung.“

Ein durchschnittlicher Betrieb mit 30 Hektar Waldbewirtschaftung muss jetzt einen jährlichen Einkommensverlust von 6.000 Euro hinnehmen. 15.000 Hektor Forst sind insgesamt laut Fischer von Klimawandel und Schädlingsbefall betroffen. Der resultierende Gesamtschaden betrage allein im Waldviertel 220 Millionen Euro

„Die Situation spitzt sich dramatisch zu“, rechnet Bauernbund-Direktorin Claudia Tanner damit, dass sich bald 31.000 Forstbetriebe in Niederösterreich mit dieser misslichen Lage auseinandersetzen müssen.

"Wir Bauern müssen alleine dafür zahlen"

„Wir Waldbesitzer verdienen nichts mehr“, betont Bezirksbauernkammer-Obmann Nikolaus Noé-Nordberg. „Wir können keine schwarzen Zahlen mehr schreiben, wir geben noch Geld mit.“ Man versuche tatkräftig, mit der Borkenkäfer-Situation umzugehen und „gleichzeitig wird man dafür bestraft“. „Es ist nicht alles von den Bauern verursacht, aber wir müssen alleine dafür zahlen.“

Er fordert „dringend die Anerkennung“ von Borkenkalamitäten als Katastrophe, um aus dem Bundesfonds Entschädigungen erhalten zu können. Das ist laut Bundesgesetz bisher nicht vorgesehen. Stephan Pernkopf, Landeshauptfrau-Stellvertreter und Bauernbundobmann, steht mit Johannes Schmuckenschlager, Nationalratsabgeordneter und Präsident der Landwirtschaftskammer NÖ, hinter der Aktion.

„Aus Sicht der Klimaschädlichkeit, die aufgrund der hochfrequentieren Transporte entsteht, ist es nicht zulässig, diese in dieser Form weiterzuführen“, denkt Pernkopf daran, dass die angestiegenen Holzimporte in reellen Zahlen 35.000 voll beladenen Lkw-Zügen entspricht. „Setzt kein Umdenken ein, werde die Kammer ein ‚Notwehr-Fahrverbot für Lkws nach Tiroler Vorbild einfordern“, verlautbart sogar Schmuckenschlager.

"Wir hoffen, dass jetzt Hilfe kommt"

„Wir hätten uns nicht so viele Fahrzeuge erwartet“, war für Bauernkammer-Stellvertreter und Mitorganisator Christoph Kadrnoschka die Kundgebung "ein Erfolg". Man habe damit einen Weckruf auslösen wollen. „Wir hoffen, dass jetzt Hilfe kommt, denn derzeit kann keiner mehr.“ Teilgenommen haben auch Bauernbund-Viertelsobmann Franz Mold, Bezirksobmann Herbert Hofer (Horn) sowie die Landeskammerräte Josef Laier, Christian Plessl und Renate Schrenk und Kammerobmann-Stellvertreterin Renate Kainz.