Adieu für kleine NÖ-Winzer. Vier von fünf Winzern hörten seit 1999 auf. Die Anbaufläche blieb aber konstant.

Von Ondrej Svatos. Erstellt am 07. April 2021 (02:52)
Kommt das Ende des kleinstrukturierten Weinbaus in NÖ? NÖ-Weinbaupräsident Zöchmann spricht von natürlicher Fluktuation. Foto: Shutterstock/FreeProd33
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80 Prozent aller Weinbaubetriebe im Weinland (NÖ, Wien und das Burgenland) stellten seit 1999 ihre Produktion ein. Der Rückgang betrifft aber nur selten Großbetriebe. Die sinkende Zahl der Weinbaubetriebe ist vorwiegend auf kleinstrukturierte Winzer zurückzuführen. Es lohnte sich nicht mehr, den Wein selbst zu produzieren, und daher verkaufen immer mehr Winzer aus Niederösterreich das Weingut ihrer Großeltern. Ihre kleinen Felder werden von den Großbetrieben aufgekauft.

Weinbauberater Konrad Hackl sieht das Problem in der für die kleinen Winzer ungünstigen Preispolitik. „Um einen Gewinn zu erzielen, braucht es mindestens fünf bis sechs Hektar an Weinbergen“, erklärt Hackl. Einen Heurigen mit nur drei Hektar eigenem Weinanbau zu betreiben führe zu Verlusten. Nur in der Wachau sei es aufgrund der prestigeträchtigen Destination möglich, auch kleinere Felder anzubauen, denn der Preis ist hier wesentlich höher.

NÖ Weinbaupräsident Reinhard Zöchmann.
Leonardo Ramirez/LK-NÖ, Leonardo Ramirez/LK-NÖ

Die Weinexperten sehen die Lage trotz der alarmierenden Zahlen nicht kritisch: „Wir haben pro Jahr einen Rückgang von 100 bis 150 Betrieben“, weiß NÖ Weinbaupräsident Reinhard Zöchmann. Eine Zahl, die hoch klingt, für den Winzer aber in Ordnung ist, „denn es gab schon Jahre, da betrug der Rückgang bis zu 250 Betriebe“, sagt Zöchmann. Der Biowinzer spricht von einer natürlichen Fluktuation. Die Fläche von kleinen Winzern werde an große verpachtet. Deshalb werden die Weinbaubetriebe zwar weniger, aber die Anbauflächen bleiben gleich.

„In Niederösterreich bleiben unsere 28.000 Hektar Rebfläche erhalten“, sagt der Weinexperte. „Außerdem verlieren wir eher die Traubenproduzenten als die Flaschenvermarkter.“ Deswegen würde Zöchmann keine großen Wünsche an Änderungen für die Rahmenbedingungen äußern.

„Die Winzerschaft genießt bei der Bevölkerung in Niederösterreich hohe Anerkennung“, sagt Zöchmann. Bei der Selbstvermarktung sei jeder selbst seines Glückes Schmied. „Es ist aber ein sehr aufwendiger Job, es geht nicht, dass man nur drei Mal im Jahr in den Weingarten hineinschaut“, betont er – und dass man im Weinbau, wo es immer wieder Hochs und Tiefs gebe, langfristig denken müsse.