St. Pölten

Erstellt am 05. September 2018, 13:41

Verstorben, begraben, vergessen? Friedhöfe erzählen.

Domplatz, ehemaliger Stadtfriedhof  |  Stadtmuseum St. Pölten

Untrennbar sind Leben und Tod verbunden. Über die Medien werden wir durch Kriegs- und Unfallberichte, Mitteilungen über Verbrechen oder Nachrichten über das Ableben bekannter Persönlichkeiten ständig mit dem Tode konfrontiert. In unserer heutigen westlichen Kultur wird die Tatsache der Vergänglichkeit und des Endes stark verdrängt. Sind wir unvermeidlicherweise dennoch betroffen, so fällt uns der Umgang damit schwer.

Wie gingen Menschen in Vergangenheit mit Tod um?

Wie aber gingen Menschen in den vergangenen Jahrtausenden mit dem Tod um? Da jede Kultur ihre charakteristischen Trauer- und Beisetzungsrituale besaß, zählen vor allem Gräber zu den wichtigsten Quellen.

Totenkopfperle eines Rosenkranzes; gefunden am Domplatz, 17./18. Jahrhundert  |  Stadtmuseum St. Pölten; Foto: N. Gail, Wien

Jede Gesellschaft pflegte einen speziellen Umgang mit der Endlichkeit des Lebens, der durch archäologische Befunde nachvollziehbar wird. So können Aussagen zu Bestattungsritualen und Jenseitsvorstellungen getroffen werden. Die bei der Grabung gewonnenen Informationen erzählen aber auch von Lebensumständen, sozialen Hierarchien und persönlichen Schicksalen.

Durch die rege Bautätigkeit im Gemeindegebiet von St. Pölten fanden in den letzten Jahrzehnten zahlreiche archäologische Untersuchungen statt, die viele längst vergessene Bestattungsareale von der Steinzeit bis heute aufgedeckt und damit wieder ins Bewusstsein gebracht haben.

Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand dabei in den letzten Jahren die Ausgrabungstätigkeit am Domplatz von St. Pölten – die in ihrer Dimension europaweit einmalige Freilegung eines mittelalterlichen/frühneuzeitlichen Friedhofs.

Ausstellung im Stadtmuseum St. Pölten

Die Ausstellung im Stadtmuseum St. Pölten gewährt den Besuchern anhand archäologischer Befunde einen Einblick in die Bestattungskultur von der Steinzeit bis heute. Zu den vielen Highlights der Ausstellung sind u.a. eine eisenzeitliche Kriegerbestattung aus Pottenbrunn, ein josephinischer Sparsarg und eine extra für die Ausstellung restaurierte Leichenkutsche zu zählen. Schriftliche und bildliche Quellen aus der jüngeren Vergangenheit bringen ehemalige Friedhöfe wieder ins Bewusstsein und werfen einen Blick auf in Vergessenheit geratene Trauer- und Begräbnisrituale.