Erste Weinburgerin feierte 100. Geburtstag. Am 28. Jänner 1920 kam sie in Rennersdorf zur Welt. Nach wie vor lebt sie in alleine zu Hause, unterstützt von der Familie.

Von Marlene Groihofer. Erstellt am 14. Februar 2020 (03:03)
„Mein Leben war in Ordnung“, blickt Maria Kothbauer auf 100 Jahre zurück, hier mit ihrem Enkel Richard, der sich gemeinsam mit seiner Frau Brigitte um seine betagte Großmutter kümmert.
Groihofer

Wachen Blickes sitzt sie auf ihrer Küchenbank, auf dem Tisch ein frisch gebackener Gugelhupf, an der Wand Familienfotos. „Die Bank ist mein Tröster“, sagt Maria Kothbauer, „da habe ich mich manchmal ausgeweint. Da lege ich mich hin und lasse meine Gedanken spazieren gehen.“

Die alte Dame mit dem verschmitzten Lachen hat in Weinburg einen Rekord geknackt: Sie hat als erste Bürgerin überhaupt den 100. Geburtstag gefeiert. „Vielleicht bin ich so alt geworden, weil wir als Kinder immer so viele Karotten ausgerissen und gegessen haben“, scherzt sie. 1920 kam sie als geborene Maria Schweinzer zur Welt und wuchs in Rennersdorf auf, als Jüngste von insgesamt 14 Geschwistern. „Mein Vater hat in Rennersdorf in der Papierfabrik gearbeitet, meine Mutter mit so vielen Kindern sehr viel geleistet.“ Gekränkt habe sie sich, wenn die Mutter ob der großen Familie manchmal geseufzt habe: „Die Jüngste hat mir gerade noch gefehlt.“ In späteren Jahren aber, sagt Maria Kothbauer, sei die Mutter ihr dankbar gewesen: „Ich hab‘ ihr immer zusammengeräumt.“

Als junge Frau war Maria Kothbauer Folienarbeiterin im Folienwalzwerk – der heutigen Constantia Teich. Nach ihrer Hochzeit mit Maurer, Fliesenleger und Speerwerfer Johann Kothbauer, kümmerte sie sich um die Erziehung des gemeinsamen Sohnes Hans. „Daneben habe ich auch bei den Bauern immer wieder ausgeholfen, nur für ein paar Eier.“

„Nur Schuhe und Strümpfe im Winter“

Leidenschaftlich gern war Maria Kothbauer stets in der Natur unterwegs: „Ich liebe Schwammerl suchen. Auch, wenn sie mir eigentlich gar nicht schmecken“, erzählt die Jubilarin. Ob Kaiserkogel, Ötscher oder Hochschwab – immer wieder zog es sie auch in die Berge.

An ihren Schulweg von Rennersdorf nach Ober-Grafendorf im tiefsten Winter erinnert sie sich genau: „Wir hatten nur Schuhe und Strümpfe an, das kann man sich gar nicht mehr vorstellen.“ Ebenso ans Anstellen um Lebensmittelkarten und das Verstecken im Keller bei Fliegeralarm während des Zweiten Weltkrieges. „Hoffentlich kommt es so weit nicht noch einmal.“

Im Jahr 1986 kam ihr Sohn ums Leben. Anfang 1997 verstarb ihr Ehemann.

Zwei Enkelkinder und drei Urenkel hat Maria Kothbauer. Unterstützt von der Familie wohnt sie nach wie vor allein.

Aus dem Fenster schauen. Sich auf der Bank ausruhen: „Ich leb‘ halt so dahin“, sagt Maria Kothbauer, die von sich sagen kann: „Ich habe immer ordentlich gelebt und ordentlich gekocht. Und ich bin immer gerade meinen Weg gegangen.“ Brigitte Kothbauer, Frau von Enkel Richard, kommt täglich mehrmals bei der 100-Jährigen vorbei, macht Frühstück, heizt ein, bringt das Mittagessen. Appetit hat Maria Kothbauer zwar nicht recht viel. Schmecken tut‘s ihr aber sehr wohl, erzählt Brigitte Kothbauer: „Am liebsten isst sie Kartoffelsalat und Rahmgurken.“