Adolf Grünwald: Revoluzzer des Dorfes. Adolf Grünwalds Begeisterung für Tiere und Natur erwuchs am Hof der Eltern in Wantendorf. Als Jugendlicher mit langem Haar und Moped sorgte er für Aufregung.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 28. Oktober 2020 (03:08)
Adi Grünwald heckte als kleiner Bub am Bauernhof in Wantendorf so manchen Streich aus.
Grünwald

Ein kleiner Bauernhof in Wantendorf: Dort ist Adi Grünwald aufgewachsen. Schweine, Kühe, Gänse, Hund und Pferd: Die Tiere vom elterlichen Betrieb oder auch jene der Nachbarbauern zu betreuen, hat ihn von klein auf schon begeistert. „Meine Liebe zu Tieren und der Natur ist bis heute unverändert“, erzählt der 65-jährige pensionierte ÖBB-Zugchef.

Adi Grünwald ist bis heute für Späßchen zu haben.
Fuchs

Angst vor Vierbeinern hatte er nie. Schon von klein auf, erzählt der heute begeisterte Reiter, reizte es ihn, am Rücken eines imposanten Tieres zu sitzen. Sein erster Ritt war aber dann doch kein Ross, sondern ein Jungstier, auf den er heimlich kletterte. „Sicherheitshelm hatte ich keinen, aber eine knackige Lederhose und ein Portion Mut im Gepäck“, erinnert er sich. „Ich werde nicht herunterfallen“, sagte er zu sich im Kleinkindalter“. Diesem Leitsatz ist er bis heute, jedes Mal, wenn er aufs Pferd steigt, treu geblieben. „Verletzt war ich bei meinem Stierritt nicht, aber Flöhe habe ich vom Stall mit nach Hause gebracht“, schmunzelt er. Die Begeisterung seiner Eltern hielt sich in Grenzen. Der kleine Wildfang zog sich in seiner Kindheit doch immer wieder Schürfwunden zu. Als Ältester von vier Geschwistern hieß es für ihn aber auch stetig mithelfen am Hof. „Ich musste auf meine Schwestern oder meinen Bruder aufpassen oder am Feld Erdäpfel sammeln“, schildert er.

Verletzt war ich bei meinem Stierritt nicht, aber Flöhe habe ich vom Stall mit nach Hause gebracht.“ Adi Grünwald über ein Kindheitserlebnis

Mosttrinken war am Bauernhof bei den Erwachsenen üblich, der kleine Adi wollte auch einmal kosten. Heimlich nahm er den Mostkrug an sich und trank daraus. „Das war mein erster Schwips. Ich wollte daraufhin mit einem kleinen Schraubenzieher einen Traktorreifen abmontieren“, lacht er.

Abenteuerlust prägte seine Jugendzeit. Er versah damals die Lehre zum Raumausstatter. „Bei jedem Wetter bin ich drei Kilometer mit dem Moped nach Ober-Grafendorf gefahren“, erzählt Grünwald. Seine Fahrweise würde er heute als „nicht den Fahrbahnverhältnissen angepasst“, bezeichnen. „Ich hatte einige Unfälle. Mich hat‘s beim Fahren mehrmals in die Wiese gehaut“, weiß er noch. Einen heute üblichen Mopedführerschein besaß er nicht. „Learning by doing“ lautete sein Motto. Als er unerlaubterweise die „MS 50“, ein Einsitzermoped damaliger Zeit, vom Vater nahm, gab es von diesem eine ordentliche Standpauke.

„Ich war sicher für die damalige Zeit im bäuerlichen Wantendorf ein Revoluzzer“, meint er, denn: „Schulterlange Haare entsprachen damals nicht gerade dem Idealbild eines braven Buben.“ Oft sei er „schief angeschaut“ worden, manchmal wurde er sogar als „Schlurf“ oder „Verbrecher“ von den Alten im Ort beschimpft, ohne, dass er sich etwas zu Schulden kommen ließ.

Als „kleinen Revoluzzer“ sieht er sich noch heute. Nur die Haare sind etwas kürzer geworden.