Alt-Präsident Heinz Fischer erinnert sich an die Loich. Heinz Fischer fand als Kind mit Mutter und Schwester im Zweiten Weltkrieg ein halbes Jahr Zuflucht in Loich.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 25. November 2020 (04:27)
Bürgermeister Anton Grubner und der Obmann der Leader Region Mostviertel Mitte, Anton Gonaus, empfingen Alt-Bundespräsident Heinz Fischer (von links) am Donnerstag im Loicher Gemeindeamt.
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Alt-Bundespräsident Heinz Fischer erzählte der NÖN und den Filmchronisten, wie er die Schrecken des Zweiten Weltkriegs als kleiner Junge erlebte und warum der mittlerweile 82-Jährige gerade an Loich besondere Erinnerungen hat.

Geboren wurde Heinz Fischer in Graz, zog aber dann mit seiner Familie nach Wien. Der Zweite Weltkrieg erfasste die Bundeshauptstadt immer mehr. „Die Rote Armee näherte sich vom Osten“, erinnert er sich. Seine Familie schaffte es zu einer Cousine der Mutter nach Pamhagen.

Um die Weihnachtszeit 1944 zog die Familie abermals um. „Mein Vater wollte nicht in den Volkssturm. Unzählige Männer wurden sinnlos und verantwortungslos den Russen gegenübergestellt. Fast alle kamen ums Leben“, schildert er. Der Vater tauchte bei einem Verwandten in Türnitz unter. Heinz Fischer fand samt Schwester und Mutter in Loich ein Quartier. „Wir lebten im Haus von Anna Saupriegl. Ihr Mann war in den Krieg gezogen. Es war für sie beruhigend, uns als Gesellschaft zu haben“, erzählt Fischer.

Alt-Bundespräsident Heinz Fischer überreichte Gertrude Hahn ein kleines Buch als Präsent. In ihrem Haus in Loch lebte er 1944/45.
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Ein kleiner Raum im Haus der Dame wurde für ein halbes Jahr zum Wohnquartier für die Familie. „Man konnte nur schlecht heizen. Zu essen gab es nicht viel“, weiß er noch. Doch es war weit sicherer als zuvor in Wien. „Dort war alles chaotisch. Da haben sich Tragödien abgespielt“, sagt Fischer. Denn dort musste er sich im Luftschutzkeller verstecken. „Meine Mutter war dann immer sehr nervös, hat mir das Gewand falsch angezogen“, weiß er noch. Man hörte die Flieger. Die Bomben. Die Zerstörung. „Wenn man am nächsten Tag sich ins Freie wagte, war oft alles zerstört, wo am Vortag noch Gebäude standen“, schildert Fischer. Der Hunger war immens. „Auf der Straße lag ein Fuhrgespann mit toten Pferden. Die Menschen nahmen sich das Fleisch der Tiere“, erzählt er.

„An die Volksschule in der Loich habe ich schöne Erinnerungen. Die Lehrerin war sehr nett“

In Loich war es doch friedlicher. Hier durfte Fischer die Volksschule besuchen. „Daran habe ich schöne Erinnerungen. Die Lehrerin war sehr nett“, weiß er noch. Hier konnte er Kind sein und ein wenig „entspannen“ von den Gräuel des Kriegs.

Doch auch im Pielachtal gab es für die Menschen Momente der Furcht. Die deutschen Soldanten flüchteten gegen Kriegsende aus Wien. „Ihnen ging der Treibstoff für die Lkw aus. Sie kündigten an, diese zu sprengen. Meine Mutter war völlig aufgelöst vor Angst, wie weit die Trümmer fliegen könnten“, weiß er noch. Den „Kracher“ der Sprengung hat er noch heute in den Ohren.

Bis zum Kriegsende lebte Fischer in Loich. Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht erfolgte am 8. Mai 1945. „Der Selbstmord von Hitler wurde vorerst verschwiegen. Deserteure wurden erschossen; Widerstandskämpfer auf den Bäumen aufgehängt. Ein Menschenleben war nicht viel wert“, sagt er. Daher kehrte die Familie nicht gleich nach Wien zurück. „Loich wird immer einen besonderen Stellenwert in meinem Leben haben“, resümiert der Alt-Bundespräsident.