Helga Wegerer: Ex-Baracke als trautes Heim. Ohne Strom wuchs Helga Wegerer in Frankenfels auf. Ihr kriegsversehrter Vater war für sie prägend.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 21. Oktober 2020 (03:32)
Helga Wegerer verwirklichte ihren Traumberuf als Lehrerin an der Volks- und Hauptschule Frankenfels. Heute lebt sie in Schwarzenbach. Sie ist Mitorganisatorin der Dirndlkirtage, Wortgottesdienstleiterin, ebenso Obfrau der Raiffeisenbank und Dorferneuerung.
Mitterer-Karner

Bescheiden, aber glücklich wuchs Helga Wegerer in Frankenfels auf.
Wegerer

Eine ehemalige Kriegsbaracke, die der Vater abgebaut und im Predtenbachgraben in Frankenfels auf fremden Grund als „Luftkeuschn“ wieder aufgebaut hatte: Hier wuchs Helga Wegerer auf.

Ihre Arbeiterfamilie, insgesamt sechs Personen, lebte ohne Strom, ohne Fließwasser. „Die Petroleumlampe war die Lichtquelle, Wasser musste mit Kübeln von einer 200 Meter entfernten, aus dem Berg sprudelnden Quelle nach Hause geholt werden“, erinnert sich die 67-Jährige. Das „Plumpsklo“ war im Freien neben dem Stall. Eine Ziege und ein Schwein bildeten die Garantie, dass Milch und Fleisch für ein Jahr reichten. Die Mutter sorgte durch ihre Arbeit bei den Bauern der Nachbarschaft, dass Brot, Eier und Butter sowie Holz zum Heizen vorhanden waren. Der Vater, Jahrgang 1900, verdiente als Wünschelrutengänger zum Aufspüren von Wasseradern für Brunnen und als gelernter Zimmermann. So konnte er die Familie mit dem Nötigsten ernähren.

„Als Geschädigter durch zwei Weltkriege war er ein physisch Gekennzeichneter. Ich erlebte ihn leider nur mehr als kranken Menschen“, bedauert sie. Er prägte sie aber: „Im Strohbett philosophierten wir über Gott und die Welt, über Zukunftspläne.“ Er war es, der ihr in der Hauptschule Kirchberg einen Maschinenschreibkurs bezahlte, indem er Vogelhäuser aus Birkenästen kunstvoll anfertigte und verkaufte. Sein Vermächtnis: „Dirndl, du hast Talente – leben musst du sie söba!“

„Im Strohbett philosophierten wir über Gott und die Welt, über Zukunftspläne“

In unliebsamer Erinnerung hat Wegerer die „Waschtage“. Wäschewaschen dauerte von früh bis spät. Mühselig wurde Wasser geholt, am Herd erhitzt und im Waschtrog die Monatswäsche mit Hirschseife und Waschrumpel gereinigt. Im vorbeifließenden Bachtümpel wurde geschwemmt. Dazwischen dauerte es mindestens eine Stunde, bis das Wasser wieder klar war. Der nächste Durchgang folgte.

Noch schrecklicher hat sie das Abstechen der Tiere in Erinnerung: Darm waschen – Darm kochen. „Überall im Haus war der üble Geruch“, graut es ihr noch heute.

„Trotz aller Mühseligkeiten war meine Kindheit schön, bereichernd und formend“, ist sie überzeugt.

Der Schulweg bis zur Haltestelle Boding dauerte zwar nur eine halbe Stunde, aber im Winter war er oft mühselig. Wegerer watete unermüdlich im tiefen Schnee. Am Heimweg nutzten die Kinder den zugefrorenen Bach zum „Eiswandern“. Nicht selten brachen sie ein und kamen mit festgefrorenen Kleidern zu Hause an. „Wir Kinder hatten noch echte Erlebnisse“, ist sie überzeugt.