Herbert Wittmann: "Schlimmer Schüler" aus Rabenstein. Herbert Wittmann erlebte als Bursch so manch Abenteuer. Wegen seiner Streiche im strengen Internat sollte er dann eine Lehre machen. Da wurde er lieber „Kieberer“.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 02. Dezember 2020 (03:28)
Auch wenn er auf diesem Bild brav wirkt; Herbert Wittmann erlaubte sich so manchen Streich.
Wittmann

„Ohne Taschenmesser und ohne Schnur, bist ka richtiger Bua“: Getreu dem Spruch seines Großvaters verbrachte Herbert Wittmann im Volksschulalter, wenn möglich, jede freie Minute im Wald.

Mit Pfeil und Bogen „bewaffnet“, baute er Verstecke aus Ästen und Zweigen, ohne Werkzeug wie Hammer oder Nägel. „Erst wenn es dämmerig wurde, lief ich schnell nach Hause“, erzählt der 60-Jährige. Einen Fisch fangen, eine Handvoll Erdäpfel „stibitzen“ und die Beute am Lagerfeuer beim Bach grillen, sind für ihn unvergessliche Erlebnisse seiner Kindheit, auch wenn seine Grillkünste zu wünschen übrig ließen. „Ein Drittel des Fischs war roh, das zweite Drittel verbrannt, aber der Rest war perfekt“, schmunzelt er.

„Erst wenn es dämmerig wurde, lief ich schnell nach Hause“

Aufgrund der Arbeit seines Vaters als Betriebsleiter in einer Textilfabrik zog seine Familie mehrmals um – von Rabenstein nach Rosenburg, weiter nach Ebreichsdorf, nach Passail, nach Pottendorf und erneut nach Passail. „Ich musste unter dem Jahr die Schule wechseln. Freundschaften fanden somit plötzlich ihr Ende“, bedauert er. Er kam schließlich für einige Jahre ins Knaben-Internat „Maria Hilf“ der Salesianer in Unterwaltersdorf. Heimlich sah er sich im streng geführten Institut die TV-Sendung „Spotlight“ mit Peter Rapp an. „Einer musst Schmiere stehen“, weiß Wittmann noch. Und: „Eigentlich wollte ich ja Papst werden. Aufgrund einiger Vorkommnisse blieb mir das bis heute verwehrt.“ Er erlaubte sich nämlich, als Streich das Messgewand des Pfarrers anzuziehen und vor anderen Schülern die „Wandlung“ nachzufeiern. Das flog auf. Seine Eltern wurden vorgeladen, Wittmann musste zur Strafe am landwirtschaftlichen Hof der Schule Erdäpfel sammeln.

Noch heute verbringt Herbert Wittmann seine Freizeit am liebsten in der freien Natur.
Wittmann

Doch das war nicht die einzige Verfehlung, die er als Schüler machte. Seine Eltern beschlossen, er soll eine Lehre machen. Durch Zufall traf sein Vater den damaligen Gendarmeriepostenkommandanten von Kirchberg, Emil Forst. Dieser erzählte, dass die Gendarmerie Verstärkung brauche. „Das war meine Chance. Mir stand das Wasser bis zum Hals“, berichtet Wittmann. Lehre wollte er keine machen. Gesagt-getan. Die Ausbildung zum Gendarm folgte. Der Beruf führte ihn auf verschiedene Dienststellen in Niederösterreich. 27 Jahre – bis zu seiner Pensionierung – blieb er auf der Ober-Grafendorfer Inspektion tätig. Heute ist er froh, „Kieberer“ und nicht Papst geworden zu sein.