Wasser-Treffen im Pielachtal. Gruppe Wasser des Landes NÖ pflegte fachlichen Austausch mit Wildbach- und Lawinenverbauung.

Von Marlene Groihofer. Erstellt am 12. November 2019 (06:04)
Besichtigten die Bauarbeiten in Rabenstein: Eduard Kotzmaier, WLV-Leiter Niederösterreich West, Bürgermeister Kurt Wittmann, Christian Amberger, WLV-Leiter der Sektion Wien, NÖ und Burgenland, Ludwig Lutz, Leiter der Gruppe Wasser des Landes NÖ und Thomas Rögner von der Abteilung Wasserbau der NÖ Landesregierung (vorne).
Gottfried Auer

„Die Arbeiten sind schon sehr weit fortgeschritten“, sagt Bürgermeister Kurt Wittmann, „bis Ende November wird die Landesstraße wieder befahrbar sein.“ Damit ist die Umfahrung in Rabenstein im Bereich Mühlpark/Kaiserpark bald beendet. Wittmann: „Nächstes Jahr wird dann der Feinschliff gemacht.“ Große Siedlungsbereiche entlang des Loitzenbaches waren nach Hochwasserereignissen, zuletzt im Juli 2016, nicht erreichbar.

Umgesetzt wird darum derzeit ein ganzheitliches Schutzkonzept für den Siedlungsraum – samt einer Verbesserung des ökologischen Zustandes und der Verkehrssituation. Teil der Maßnahmen ist eine Vergrößerung des Loitzenbaches. Vom Fortschritt der Bauarbeiten überzeugten sich nun auch Experten von Bund und Land: Die Gruppe Wasser des Landes NÖ und die Wildbach- und Lawinenverbauung des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus wählten Rabenstein für ihr jährliches Koordinationstreffen.

Baustelle mit anspruchsvollen Rahmenbedingungen

„Die Baustelle in Rabenstein ist technisch relativ anspruchsvoll, da sie sich im Ortsraum befindet und man mit dem Bach an vielen Leitungen vorbei zur Pielach muss“, sagt Christian Amberger, Leiter der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) für die Sektion Wien, Niederösterreich und das Burgenland. „Das Gerinne wird derzeit unter baulich anspruchsvollen Rahmenbedingungen auf ein Bemessungshochwasser ausgebaut, gleichzeitig gewässerökologisch verbessert und mit dem Umland vernetzt, damit der Bach für die Bevölkerung wieder erlebbar und begehbar wird.“

Beim Fachaustausch mit der Gruppe Wasser standen landesweit aktuelle Themen zum Schutzwasserbau im Fokus. Diskutiert wurde etwa über „Sedimente und Räumgut aus Gewässern“, also Ablagerungen, wie Schotter, die nach einem Hochwasser zurückbleiben. „Es gibt neue Regelungen, die es erlauben, Geschiebe aus Rinnen einfacher und leichter zu deponieren“, sagt Christian Amberger. Kontaminierten Abfall zu verbringen sei nun kostengünstiger möglich.

Besprochen wurden außerdem aktuelle Entwicklungen im „Gewässerentwicklungs- und Risikomanagementkonzept (GE-RM) und ein EU-gefördertes LIFE-Projekt, das im Pielachtal umgesetzt wird.

Ökologisierung an der Pielach am Vormarsch

„Es geht darum, wie wir die Ökologie in einem guten Zustand halten und gleichzeitig das Hochwasserrisikomanagement im Griff haben können“, erklärt Ludwig Lutz, Leiter der Gruppe Wasser. Die Leitha sowie der gesamte Einzugsbereich der Pielach sind hier Testregionen: „An der Pielach wurde schon früh viel in Richtung Ökologisierung gemacht.“ Zwar gehe Menschenschutz vor Ökologie. In den letzten Jahrzehnten aber habe sich viel geändert: „Gewisse Hochwasserschutzmaßnahmen sind etwa auch mit natürlichen Überflutungsmaßnahmen möglich. Heute wird nicht mehr wie früher nur auf harte Verbauungen und Beton gesetzt.“

Auch über aktuelle Digitalisierungs-Initiativen berieten die Wasserexperten: NÖ-Hochwasserschutzzonenplan, NÖ-Atlas und das WLV-Gemeindeportal bieten einfachen Online-Zugriff auf relevante Daten. Auch, um etwa im Fall von Baumaßnahmen zu wissen, ob Grund und Boden frei von Altlasten, sprich - nicht kontaminiert sind, hilft eine Datenbank:

„Bei der Standortsuche darf man solche Dinge nicht außer Acht lassen. Wir bauen Hochwasserrückhaltebecken, die viel Platz brauchen. Da ist es wichtig, dass man über die Fläche und etwaige Belastungen Bescheid weiß“, erklärt Christian Amberger.