Kirchberger Diskussion um Grünland-Widmung. FPÖ will Bürgerbefragung vor Flächen-Umwidmung. ÖVP und SPÖ orten „positive Resonanz“ zur Wohnraum-Schaffung.

Von Marlene Groihofer. Erstellt am 19. Januar 2020 (06:21)
Die Hauswaldwiese zählt zur von der Gemeinde erworbenen Grünlandfläche.
privat

Im Dezember beschloss der Gemeinderat den Ankauf eines 4,4 Hektar großen Grundstücks im Zentrum ( die NÖN berichtete, siehe hier und ganz unten ). Es befindet sich in der Hauswaldstraße und im Bereich der Siedlung Am Brunnbach. Rund 1,2 Hektar davon sollen Grünland bleiben. Auf der weiteren Fläche soll neuer Wohnraum entstehen – ein Teil davon muss erst in Bauland umgewidmet werden.

Nun fordert FPÖ-geschäftsführender Gemeinderat Wilhelm Weinmeier vor der Umwidmung der Fläche eine Bürgerbefragung. Die Wiese sei ein sensibles Gebiet. „Durch eine Verbauung würde der Wasserhaushalt massiv beeinflusst. Außerdem wurde das massive zusätzliche Verkehrsaufkommen nicht bedacht“, so Weinmeier, der auf „genug vorhandenes Bauland oder leerstehende Häuser“ verweist, die man nutzen könnte.

„Es handelt sich um einen Lückenschluss, da das Grundstück mitten im Siedlungsgebiet liegt“Anton Gonaus, Bürgermeister

Ein sorgsamer Umgang mit Grund und Boden sei der ÖVP ein großes Anliegen, sagt Bürgermeister Anton Gonaus: „Wir sind die einzige Gemeinde der Region, die in den letzten Jahren sogar Grundstücke zurückgewidmet hat, von Bauland in Grünland“. Offene Flächen innerhalb des Baulandes zu nutzen habe Vorrang.

Die nun erworbene Fläche sei daher prädestiniert zur Bebauung: „Es handelt sich um einen Lückenschluss, da das Grundstück umgeben von Siedlungsgebiet liegt.“ Man versuche, jungen Kirchbergern die Option zu bieten, im Ort zu bleiben.

Dass Weinmeier selbst Grundbesitz im Ort habe und diesen verbaute, kritisiert die ÖVP. „Ich habe ja kein Grünland umgewidmet, sondern Bauland genutzt“, so Weinmeier. 1,2 Hektar würden künftig für ökologische Gestaltung verbleiben, so ÖVP-Vize Franz Singer, der ausführt: „Der Grundstücks-Besitzer hätte auch an einen Wohnbauträger verkaufen können – so aber kann die Gemeinde gestalten.“ Die Bodenressourcen wolle man „sparsamst nutzen“. Von einer Bürgerbefragung verspricht sich die ÖVP nicht viel: „Wir bekamen nur positive Resonanz.“

Auch SPÖ-Obmann Josef Keil, dessen Fraktion ebenso für den Ankauf stimmte, spricht von „positiver Stimmung in der Bevölkerung“. Er könne sich auch den Bau eines neuen Kindergartens im erworbenen Bereich gut vorstellen, so Keil.

Ein „Musterprojekt“ könne entstehen, ist Ortschef Gonaus überzeugt. Die nächsten zwei bis drei Jahre gelte es, nötige Maßnahmen zu treffen. Dann sollen im Bereich des angekauften Grundstücks im Kirchberger Ortszentrum unter anderem Reihenhäuser entstehen.