"Investieren eine Million Euro in Bio". Sommergespräch | Margit und Helmut Weissenbacher sind die größten Produzenten von Champignons in Österreich.

Von Markus Glück und Nadja Straubinger. Erstellt am 21. Juli 2014 (09:01)
NOEN, Straubinger
Helmut und Margit Weissenbacher gaben beim Sommergespräch Einblicke in den größten Champignon-Zuchtbetrieb in Österreich.

NÖN: Wie ist Ihre Champignon-Zucht entstanden?
Helmut Weissenbacher: Begonnen hat alles mit meinem Vater 1985, als er aus St. Valentin den passenden Kompost erhalten hat. Heute ist dieser Kompost in Österreich nicht mehr erhältlich und wir müssen ihn aus Deutschland zukaufen. Am Anfang haben wir mit ein paar Sackerln gestartet und alles hobbymäßig betrieben. Als mein Vater aber gemerkt hat, dass die Zucht Erfolg bringt, hat er einen pauschalierten landwirtschaftlichen Betrieb angemeldet und die Zucht wurde größer.

Rund 2.500 Quadratmeter Erntefläche

In den letzten drei Jahrzehnten schrieb Ihr Unternehmen eine große Erfolgsgeschichte. Wie ging die Entwicklung nach dem ersten großen Schritt weiter?
Helmut Weissenbacher: In der Folge haben wir einen Raum in einem Keller gemietet, daraus wurden in kurzer Zeit zwei und wir sind immer mehr gewachsen. Vor etwa 20 Jahren hat man dann mit der ersten Halle begonnen.
Margit Weissenbacher: Richtig vergrößert haben wir dann im Jahr 2001. Seit diesem Zeitpunkt sind wir auf dem heutigen Standort. In unserer alten Halle werden heute die Crema-Champignons von unserem Sohn angebaut.

Wie viel Fläche gibt es zurzeit?
Helmut Weissenbacher: Wir haben rund 2.500 Quadratmeter Erntefläche mit neun Zuchträumen.

Wie funktioniert die Champignon-Zucht? Auf was muss man besonders aufpassen?
Helmut Weissenbacher: Da es sich um einen Monobetrieb handelt, müssen wir sehr hygienisch arbeiten. Ist einmal eine Krankheit im Betrieb, geht diese auf alle Räume über. Zudem müssen wir darauf achten, dass keine Fliegen oder andere Fremdkörper in den Betrieb gelangen.

Wie viel Kilogramm werden wöchentlich produziert?
Helmut Weissenbacher: Wir produzieren mit unseren über 30 Mitarbeitern in etwa 14 bis 15 Tonnen pro Woche. Bei einigen Champignon-Varianten ist es wichtig, dass wir auch am Abend noch einmal pflücken. Für unsere Mitarbeiter bedeutet dies allerdings sehr unregelmäßige Arbeitszeiten, da sie oft nicht genau wissen, wann sie nach Hause kommen. Außerdem sind unsere Angestellten auch am Wochenende im Einsatz.

Firma Spar als Hauptabnehmer

Wer sind die Abnehmer Ihrer Champignons?
Helmut Weissenbacher: Unser Hauptabnehmer ist dabei die Firma Spar. 90 Prozent unserer Produkte gehen an die Firma. Der Konzern hat mit uns den Betrieb aufgebaut und man will diesen Weg mit uns auch weitergehen, in dem wir etwa in Zukunft auch Bio-Champignons anbieten. Österreichweit werden sieben Bundesländer bei Spar mit Champignons aus dem Pielachtal abgedeckt.
Margit Weissenbacher. Österreichweit liefern wir in etwa 70 Prozent aller Champignons und sind damit der größte österreichische Champignon-Züchter. Besonders hervorzuheben ist auch, dass Spar die einzige Kette ist, die österreichische Champignons im Angebot hat. Ein kleiner Teil im Ausmaß von ein paar Hundert Kilo liefern wir auch an Metro.

Was ist das Besondere an Ihren Champignons?
Margit Weissenbacher: Es greifen sehr viele Leute nach österreichischen Produkten, womit wir einen Hauptgrund für die Beliebtheit unserer Champignons haben. Für Spar ist es natürlich ein Zuckerl, das sie die Einzigen sind, die österreichische Champignons anbieten.

Sie sind heute größter Champignon-Züchter in Österreich. Was sind die Ziele für die Zukunft?
Helmut Weissenbacher: Mit Anfang dieser Woche beginnen wir mit dem Bau einer neuen Halle in der Bio-Champignons angebaut werden sollen. Die Nachfrage nach den Bio-Produkten ist sehr stark und wir können uns dagegen nicht sträuben. Wenn wir es nicht machen, macht es wer anderer. Unser Sohn will das Geschäft weiterführen, sonst hätten wir mit diesem Aufwand nicht mehr begonnen. Die Bio-Produktion ist eine Investition von einer Million Euro und ein sehr großer Schritt für unsere Firma.
Margit Weissenbacher: Für die Produktion der Bio-Champignons ist es wichtig, dass wir eine neue Halle bauen, damit die Produktion von der jetzigen getrennt ist. Für dieses Vorhaben mussten wir den Teich nebenbei mit Schotter füllen, um die Fläche herzustellen. Da wir die Einzigen in Österreich mit Bio-Champignons sind, werden wir diese auch österreichweit ausliefern.Noch dieses Jahr werden die ersten Bio-Champignons ausgeliefert.

"Es gibt extrem hohe Auflagen."

Was ist die Schwierigkeit beim Anbau von Bio-Champignons?
Margit Weissenbacher: Es gibt extrem hohe Auflagen. Außerdem muss die gesamte Produktionskette aus zertifizierten Bio-Produkten sein. Das ist nicht nur mehr Aufwand für uns, sondern natürlich auch kostspieliger. Zusätzlich gibt es auch mehr Kontrollen.

Wie genießen Sie Ihre Champignons am liebsten?
Helmut Weissenbacher: Man kann Champignons wirklich überall dazugeben. Am liebsten essen wir sie zum Rindfleisch. Gebackene Champignons sind am besten im Wirtshaus zum Genießen. Unser Leibgericht ist aber Champignonschnitzel.
Margit Weissenbacher: Sehr gut sind die Champignons auch beim Grillen und als Beilage. Es gibt genügend Varianten Champignons in den Speiseplan einfließen zu lassen.