Kardinal-König-Gespräche: „Handicap als Chance“. Wie er trotz seiner Blindheit Berge erklommen und den Sinn des Lebens gefunden hat, erzählte „Blind Climber“ Andy Holzer den Gästen in der Kirchberghalle.

Von Gerhard Hackner. Erstellt am 30. August 2019 (17:19)
Gerhard Hackner
Referenten und Ehrengäste bei den zwölften Kardinal König-Gesprächen in Kirchberg: Moderator Martin Hochedlinger, Bürgermeister Anton Gonaus, Christian Gansch, Martin Michalitsch, Annemarie Fenzl, Gottfried Auer, Andy Holzer, Bischof Alois Schwarz, Eva Prischl, Bürgermeister Kurt Wittmann und Pater Leonhard Obex (von links).

„Den Sinn des Lebens und seine Schwerpunkte muss jeder für sich selbst definieren. Ob das die Familie, der Beruf oder der Sport ist“, meinte Moderator Hochedlinger bei der Einleitung der Kardinal-König-Gespräche. Andy Holzer hat ihn gefunden. Unaufgeregt aber mitreißend, authentisch und überzeugend berichtete er in der Kirchberghalle.

„Das Außergewöhnliche ist für mich schon normal.“  Andy Holzer, „Blind Climber“

Der „Blind Climber“ schilderte vor rund 230 Besuchern, wie er trotz Blindheit von Geburt an den Sinn des Lebens für sich erkannt hat. „Ich möchte nicht bewundert und bestaunt werden, sondern einfach meine Geschichte erzählen“, meinte er.

Die Herausforderung, von Geburt an blind zu sein, haben sowohl der kleine Andy als auch seine Eltern angenommen. Er sah das Handicap nie als Nachteil, sondern als Chance, das Leben anders zu meistern. „Schon mit vier Jahren habe ich Tiere erlebt, Wasser gespürt und eine dynamische Führung entwickelt, sodass sich andere so verhalten haben, wie ich es brauche“, kam Holzer früh mit seiner Blindheit zurecht.

„Ich habe noch nie so viele Blinde getroffen wie unter den Sehenden.“ Andy Holzer

Als Jugendlicher oder Erwachsener lautete sein Credo: „Pflegt das Kind in euch, das bringt euch weiter und lässt euch Sachen machen, die ihr sonst nie tun würdet.“

So bestieg Holzer mit einem beinamputierten Freund, der eine Prothese trug und einem weiteren „Blind Climber“ eine 400 Meter senkrecht aufsteigende Felswand in den Dolomiten; so schaffte der Referent mit Freunden die Besteigung der Seven Summits, des Kilimandscharo und des Mount Everest auf der schwierigen Nordroute und vieles mehr. Und pro Winter macht er über 100 Skitouren.

„Mich hat nicht nur der Appell von Andy Holzer betreffend emotionaler Intelligenz und dynamischer Führung beeindruckt, sondern vor allem seine Schilderung vom Urvertrauen seiner Eltern gegenüber ihm und seiner ebenfalls blinden Schwester. Und dies entgegen dem „Druck“ der Öffentlichkeit und der Bevölkerung des 300-Seelen-Dorfes in Osttirol.“ Gottfried Auer, Obmann Kardinal-König-Verein

„Das Außergewöhnliche ist für mich schon normal“, lachte der Vortragende, der von seiner Gattin Sabine stets unterstützt wurde. Von den bewegten Besuchern gab es tosenden Applaus. Mit seinem Vortrag hat Andy Holzer „vielen Sehenden die Augen geöffnet“.

„Das 13. Kardinal König-Gespräch am 29. August 2020 um 19:30 Uhr in der Geburtsgemeinde Rabenstein an der Pielach wird sich mit dem Thema „Pilgern“ befassen“, informiert der Obmann des mitveranstaltenden Vereins „Kardinal König - Glaube und Heimat im Pielachtal“ Gottfried Auer.

„Ich habe von erster Stunde an gelernt, dass man sich nicht erwarten kann, dass die Sehenden mich Blinden verstehen.“ Andy Holzer