„Leben auf Kosten der Kinder“. Unternehmer Wolfgang Stix über die Probleme eines Unternehmers und seine Ideen.

Von Markus Glück und Nadja Straubinger. Erstellt am 25. August 2014 (10:43)
Unternehmer Wolfgang Stix sprach mit NÖN-Mitarbeiter Markus Glück beim letzten Dirndltaler Sommergespräch über Erfolge und Ziele.
NOEN, Straubinger

Im letzten Dirndltaler Sommergespräch stellt sich der Ober-Grafendorfer Unternehmer Wolfgang Stix den Fragen des NÖN-Redaktionsteams.

NÖN: Die Firma Styx hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant entwickelt. Was ist das Erfolgsrezept?

Wolfgang Stix: Das Hauptthema ist einfach, dass ich mit Spaß und Freude Kosmetik produziere. Wenn du nicht 100-prozentig hinter dem stehst, was du tust, dann gibt es keinen Erfolg.

Wie startete die Expansion des Betriebes?

Stix: Das erste Land war Deutschland 1982. Das war eher mühsam damals, da wir gegen Konzerne und übermächtige Gegner kämpfen mussten.

Wie schwierig ist es, von einem kleinen Land wie Österreich aus zu expandieren?

Stix: In den 1990er-Jahren, als ich zu expandieren begonnen habe, gab es einen herrlichen Support von der Wirtschaftskammer. Unterstützungen für Flüge und Messestände bis zu 100 Prozent waren da selbstverständlich. Ich habe in der Zeit viele Leute kennengelernt und selbst viel gelernt. Das wäre heute nicht mehr möglich. Die Bankgeschichten erschweren einem das Leben. Es gibt keine Blankokredite mehr durch Basel III. Damals habe ich auf mein schönes Gesicht hin das Geld bekommen. Außerdem ist es heute schwieriger mit den Regelungen der EU und dem Kosmetikgesetz. So wie ich früher produziert habe, ginge es heute nicht mehr. Man müsste gleich viel mehr investieren.

Deutschland war der erste Expansionsschritt, was waren die nächsten Schritte?

Stix: Schweiz und Deutschland waren die ersten Märkte. Erst 1991, nachdem wir hier in Ober-Grafendorf gebaut haben, wo ich heute Bürgermeister Vogl noch dankbar bin, sind wir in den Osten gegangen. Damals haben wir begonnen mit Ungarn und 93/94 sind wir nach Asien gegangen und haben in Singapur, Taiwan und Hongkong tadellose Expansionsschritte hingelegt. Über Asien sind wir dann nach Russland und weiter in die Ukraine.

Haben Sie schon einmal überlegt, mit der Produktion aus Österreich wegzugehen?

Stix: 1992 habe ich mit einem ehemaligen Arbeitskollegen, einem Ungarn, in Ungarn eine Firma gegründet. Das Geschäft ist tadellos gelaufen. Ich habe versucht, dort kostensparend einen Teil der Produktion auszulagern. Spezielle Handarbeiten haben wir in Ungarn gemacht. Ich bin aber bald draufgekommen, dass Arbeitsqualität und -moral sowie Umweltbedingungen dort der falsche Weg sind. Also habe ich das Experiment gestoppt. Ich wollte dann lieber den Betrieb in Österreich ausbauen. Mittlerweile haben wir einen sehr hohen Automatisierungsgrad, damit können wir hier zu vernünftigen Preisen produzieren. Wir haben diese Entwicklung über Jahre durchgezogen. Das hat uns den Standort Österreich gesichert.

Asien war nie eine Option dafür?

Stix: Asien war nie ein Thema. Es ist problematisch, wenn es nicht einmal im Hotel vernünftiges Trinkwasser gibt. Womit soll man dann Kosmetik machen? Ich bin mit Leib und Seele Österreicher, auch wenn die Bundespolitiker uns das Leben nicht leicht machen. Wir leben in einer herrlichen Umwelt mit sauberem Wasser und die Infrastruktur stimmt. Es ist für mich kein Thema mehr wegzugehen.

Letzte Woche haben wir über das Embargo in Russland gesprochen. Wie schaut die Lage derzeit aus?

Stix: In der Ukraine hatten wir kurzfristig Umsatzrückgänge von 40 bis 45 Prozent. Mittlerweile sind wir aber wieder bei einem Minus von 25 Prozent. Russland ist derzeit stabil. Allerdings ist durch das Embargo der Rubel um 30 Prozent eingebrochen, das heißt, das Produkte um 30 Prozent teurer sind.


Lesen Sie auf Seite 2 was Wolfgang Stix von Facebook hält und warum ihn die Politik ärgert!


Wie schätzen Sie das Problem langfristig ein?

Stix: Ich denke, wenn die EU-Politiker nicht bald einlenken und es zur Eskalation kommt, weil sich die Russen das nicht gefallen lassen, wird auf Europa generell eine schwere wirtschaftliche Zeit hereinbrechen. In Österreich allein hängen mindestens fünf- bis sechstausend Arbeitsplätze an Russland. Wenn man die Automobilzulieferindustrie dazuzählt, sind wir bei 20.000 Arbeitsplätzen. Wenn die gefährdet werden durch politische Unfähigkeit, sehe ich Probleme auf uns zukommen.

Ich sehe immer wieder Diskussionen von Ihnen auf Facebook. Wie wichtig ist Ihnen der Austausch via Social Media?

Stix: Facebook ist für mich ein Ventil, um meinen Unmut zu äußern. Die junge Generation hat keine Ahnung von gewissen Dingen. Die Parade-Diskussion ist derzeit das Frequency. Einerseits ist natürlich die Erziehung einer Wegwerfgesellschaft ein Problem. Die andere Seite ist, dass die Industrie alles in Wegwerfprodukten verpackt. Wenn die Leute zu blöd sind, dass sie wissen, dass sie auch das Wasser aus Leitungen trinken können und damit auch Unsummen an Geld sparen, bekomm ich einen Hals. Mir ist mittlerweile egal, was Leute über mich denken, ich ärger‘ mich nicht mehr, ich schreib das einfach rein.

Aber ärgert man sich nicht noch mehr über das, was zurückkommt?

Stix: Nein, die Sachen, die Leute oft zurückschreiben, sind zwar oft schwachsinnig. Ich ärgere mich nicht über Schwachsinnigkeiten. Worüber ich mich ärgere ist, wenn ein Minister Hundstorfer sagt, dass eine 36-Stunden-Woche 15.000 Arbeitsplätze schafft. In Fernost ja, aber nicht hier. Politiker geben oft Meldungen von sich, die sind einfach nicht mehr zum Aushalten für mich.

Würde Sie ein Einstieg in die Politik reizen?

Stix: Nicht eine Sekunde.

Warum nicht?

Stix: Weil man nichts bewegen kann. Es gibt da das Buch „Prolokratie“. Christian Ortner ist Journalist und zerbricht sich objektiv den Kopf über unsere Gesellschaft. Das Problem, das wir haben, ist, dass die Leute, die aus dem System leben, über die Leute bestimmen, die das System finanzieren. Solang das so ist, bringt das alles nichts.

Wie könnte man reformieren?

Stix: Das ist nur möglich, wenn die Republik Pleite geht. Dennoch würde ich nicht in die Politik gehen. Die Firma macht mir zu viel Spaß, außerdem will ich touristisch etwas entwickeln und mit meinen Kindern noch viel Zeit verbringen. Ich habe einfach keinen Bock, mich mit Dummköpfen hinzustellen und zu diskutieren, das halt ich nicht aus. Ein Beispiel: Im Wirtshaus hab ich mit den Sozis zum Thema Pensionssystem diskutiert. Wir leben alle auf Kosten unserer Kinder. Diese verideologisierten Deppen verstehen das nicht. Ich kann nicht gleichlang in Pension sein, wie ich gearbeitet habe, und glauben, das System funktioniert. Wie soll das gehen? Auf einem Bierplattl hab ich es ihnen ausgerechnet und sie checken es einfach nicht. Nein, das ist nicht meins.

Thema Krumpe: Sie unterstützen den Eisenbahn-Club Mh.6. Gibt es in diesem Bereich etwas Neues?

Stix: Von den Gemeinden wurde die Strecke bis Rammersdorf gemietet. Bis dorthin dürfte es fix sein. Wie es weitergeht, dazu habe ich derzeit keinen Informationsstand. Es wäre aber gut, wenn man hier rasch eine Lösung findet, denn dann könnte der Verein mit einer Diesellok Museumsfahrten machen.

Die Landesausstellung rückt näher, was erwarten Sie sich davon?

Stix: Wir haben beim Bahnhof Autobusparkplätze geschaffen. Sonntags kommen bis zu sechs Busse, die ihre Fahrgäste dort aussteigen lassen, weil man in St. Pölten so schlecht zufahren kann. Wir haben also über den Bahnhof einen Kommunikationspunkt, um auf unsere Betriebsführungen hinzuweisen. Außerdem wollen wir mit der NÖVOG Sonderfahrten anbieten, das schaue ich mir noch an.

Sie haben eine Vision von einer gläsernen Fabrik. Wie sieht es  damit aus?

Stix: Der Plan wird derzeit gezeichnet, der Bau soll noch heuer eingereicht werden. Nächstes Jahr werde ich mich um die Finanzierung kümmern. Es kommt auf die wirtschaftliche Lage an. Mit dem Projekt habe ich keinen Stress.

Was soll die Besucher dort erwarten?

Stix: Über einen Besuchergang soll man sich die Produktion ansehen können. Zusätzlich soll es ein Museum geben, das die Geschichte der Firma Styx zeigt.