Gespür für Babybedürfnisse. Loich: Kleinste Körpersignale richtig deuten sind für Julia Gradinger das Erfolgsrezept für glückliche Kinder.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 18. April 2021 (03:58)
Bedürfnisorientierter Umgang schon ab der Geburt steht für Julia Gradinger im Vordergrund.
Michaela Pichler

Mit Kindern auf Augenhöhe in Beziehung treten und das schon ab dem Tag der Geburt: Das ist das Motto von Julia Gradinger, sowohl als Mutter als auch als Beraterin von Eltern.

Die gebürtige Pottenbrunnerin, die vor einiger Zeit mit ihrem Partner Maximilian Lechner nach Loich gezogen ist, hat sich ganz dem Wunder der Geburt und der intensiven Zeit mit Säuglingen und Kleinkindern verschrieben - privat und auch beruflich. Eigentlich hat sie die Fachschule für Sozialberufe absolviert, dann verschlug es sie in die Gastronomie. „Ich wollte aber schon immer mit Kindern arbeiten“, erzählt sie. Der Wunsch manifestierte sich immer mehr, nicht zuletzt mit der Geburt ihrer ersten Tochter.

„Ich war selbst auf der Suche nach einem Eltern-Kind-Treff im Tal, wurde aber nicht fündig und fuhr dann nach Traismauer ins Eltern-Kind-Zentrum“, erinnert sie sich. Das war 2013. Nach Tochter Amelie-Sophie folgte 2017 Tochter Hanna-Freya und 2019 war mit Tochter Linnea das  „Drei-Mäderl-Haus“ komplett. In dieser Zeit bildete sie sich fort, nahm an Baby-Tragetreffs und Stoffwindelworkshops teil. „Ich dachte mir, so etwas wäre doch fürs Pielachtal toll“, erzählt Gradinger.

„Ich war selbst auf der Suche nach einem Eltern-Kind-Treff im Tal"

Immer mehr tauchte sie in die Welt der Baby- und Kleinkindererziehung ein. Derzeit macht sie die Ausbildung zur diplomierten Kreativpädagogin und zur diplomierten Familienbegleiterin. Ihr großer Schwerpunkt ist, das Leben nach dem Konzept des bedürfnis- und bindungsorientierten Lebensstils zu gestalten. „Der Fokus liegt darin, auf die natürlichen Bedürfnisse der Kinder einzugehen, eine gesunde Entwicklung zu fördern und sie naturnah zu begleiten“, erklärt sie.

Egal ob Mutter, Vater oder Großelternteil: Alle sollten von Geburt an die kleinsten Signale von Kindern richtig deuten können. Das sei nicht nur im Säuglingsalter wichtig. „So wird die Bindung zum Kind inniger, weil man sich viel intensiver mit der Körpersprache auseinandersetzt“, ist sie überzeugt. Das merke sie bei ihren Töchtern. So war Linnea von Geburt an praktisch windelfrei. Gradinger beschäftigte sich auch intensiv mit dem Thema Stillen, heute berät sie Mütter unter dem Slogan „Bauchkraft“. Ihre Spezialität ist „Rebozo“, eine von Hebammen entwickelte Tuchwickeltechnik, die zum Tragen von Babys, aber auch sonst in den Alltag von Müttern fix integriert werden kann. „Die Rebozo-Technik hilft, Glückshormone zu produzieren, die Frau in Balance zu bringen, auch als Schließungsritual nach der Geburt“, erklärt sie.

„Der Fokus liegt darin, auf die natürlichen Bedürfnisse der Kinder einzugehen.“ Julia Gradinger über bedürfnisorientierte Erziehung

Coronabedingt bietet sie derzeit nur Online-Kurse und Telefonberatung an. Gradinger hofft aber, bald draußen oder im „Yoga touch“ in Ober-Grafendorf Kurse geben zu können. Ihr großes Ziel: ein eigenes Eltern-Kind-Zentrum im Pielachtal. Dieses möchte sie mit dem NÖ Familienbund verwirklichen.