Julius-Seitner-Hütte: Sperre erzürnt die Wanderer. Die Renovierung dauert Stammgästen zu lange, für den Pächter Thomas Krösbach sei das existenzgefährdend.

Von Markus Zauner. Erstellt am 28. Oktober 2020 (04:12)
Die Julius-Seitner- Hütte am Eisenstein wird in zwei Bauabschnitten saniert.verein-Gebirgs-verein
Alpen-

Betreten verboten – so präsentiert sich aktuell die Julius-Seitner-Hütte am Eisenstein wegen der laufenden Renovierungs- und Umbauarbeiten. Pächter Thomas Krösbacher kann daher nur im Notbetrieb (außerhalb der Hütte) Getränke und einfache Speisen ausgeben.

Traisentaler und Pielachtaler Stammgäste des beliebten Ausflugsziels rund um Helmut Czech schlagen nun in einem Brief an den Hütteneigentümer, den Alpenverein-Gebirgsverein, Alarm. „Es ist für mich unverständlich, mit welchem Schlendrian die Arbeiten koordiniert und abgewickelt werden. Anscheinend will man den Pächter der Hütte durch gezielte Blockade zur Aufgabe seiner Pacht treiben. Wie sonst kann es sein, dass gerade im Wanderherbst, in jener Zeit, in der der Pächter seinen Lebensunterhalt verdienen soll, die Hütte blockiert wird“, ärgert sich Czech.

Verein bittet Gäste noch um Geduld

Die lange Schließung der Hütte sei für Krösbacher mittlerweile existenzgefährdend. Czechs Appell an die Verantwortlichen des Alpenvereins: „Der Notbetrieb klingt gut, aber ohne Wasser, ohne WC und ohne Feuer im Herd erscheint es mir schier unmöglich, dies sinnvoll zu bewerkstelligen. Ich hoffe auf baldige Fertigstellung und eine menschliche Lösung für den Pächter.“ Für den kritisierten Alpenverein-Gebirgsverein weist Vereinsmanager Christian Schreiter die Vorwürfe zurück: „Selbstverständlich steht die Sanierung unserer Schutzhütte in keinem Zusammenhang mit dem Verhältnis zum Pächter, mit dem wir eine sehr gute Zusammenarbeit pflegen.“

Eine bewusste Blockade existiere aus nachvollziehbaren Gründen nicht. „Wir sind als Verein natürlich sehr stark daran interessiert, die Sanierung möglichst rasch abzuschließen, sodass aus der Verpachtung auch wieder Pachteinnahmen für uns entstehen. Aktuell entrichtet der Pächter natürlich keine Pacht“, schildert Schreiter. Der Verein sitze hier gemeinsam mit dem Pächter in einem Boot – auch wenn das in von außen zugetragenen Briefen anders darzustellen versucht werde. „Wir sind bestrebt, dem Pächter so gut wie irgend möglich unter die Arme zu greifen und sind diesbezüglich auch laufend in Gesprächen, denen stets auch Taten folgen“, betont Schreiter.

„Jedenfalls freut es uns, dass Menschen aus der Region sowohl mit unserem Baufortschritt, als auch mit unserem Pächter mitfiebern"

Ein Bau auf dem Gipfel eines Berges sei eine Herausforderung. „Als einer der beiden größten hüttenführenden Zweige des ÖAV sind wir es gewohnt, mit widrigen Bedingungen auf unseren alpinen Baustellen umzugehen“, unterstreicht der Vereinsmanager. Aber es sei schwierig, es bei einer großen Sanierungsmaßnahme allen Recht zu machen: „Jedenfalls freut es uns, dass Menschen aus der Region sowohl mit unserem Baufortschritt, als auch mit unserem Pächter mitfiebern. Das spricht für die gute Verankerung des Wirten in der Region.“

Dennoch müsse man die Stammgäste noch um ein wenig Geduld bitten. „Wir tun unser Bestes, um rasch einen Betrieb wieder aufzunehmen. Ein vollständiger Betrieb wird erst – je nach Witterung – im Sommer 2021 möglich sein“, kündigt Schreiter an. Pächter Thomas Krösbacher wollte zu den Vorwürfen der Stammgäste gegen den Alpenverein-Gebirgsverein nicht Stellung beziehen.

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