Geldstrafe für Postlerin. 25.000 Postsendungen, darunter RSa- und RSb-Briefe, stellte Briefträgerin nicht zu. Vor Gericht ist sie voll geständig und erzählt von Überforderung.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 22. Januar 2019 (05:52)
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Symbolbild

„Ich war einfach blöd“, sagt eine 51-Jährige vor Gericht. 25.000 Postsendungen, darunter Briefe von Behörden, stellte die ehemalige Briefträgerin in Ober-Grafendorf Empfängern nicht zu und sie sackte Nachnahmebeträge für Postsendungen ein. Wegen Missbrauchs der Amtsgewalt und Veruntreuung wird der Frau aus dem Bezirk St. Pölten nun am Landesgericht der Prozess gemacht.

„Von 2010 bis 2018 hat die Angeklagte es unterlassen, 80 RSa- und RSb-Briefe von Gerichten, Finanzamt und Bezirkshauptmannschaften zuzustellen. Auch Warenlieferungen hat sie nicht zugestellt, 834 Euro hat sie für Lieferungen kassiert und veruntreut“, wirft Staatsanwalt Karl Fischer vor.

„Es ist alles eskaliert und hat sich im Laufe der Jahre angesammelt.“ Angeklagte über die Gründe, warum sie nicht zustellt hat

Um Milde bittet Verteidiger Michael Hofbauer. „Meine Mandantin wird sich voll inhaltlich geständig zeigen“, so der Rechtsanwalt im Eingangsplädoyer.

„Es ist alles eskaliert und hat sich im Laufe der Jahre angesammelt“, erklärt die 51-Jährige, weshalb sie ins Kriminal geschlittert ist. Und sagt weiters: „Finanziell ist es mir nicht gut gegangen.“ Von Überforderung im Beruf erzählt sie: „Ich war pro Woche oft in drei Bezirken tätig.“ Ob sie darüber mit ihrem Arbeitgeber gesprochen hat? „Dass es egal sei, wann ich nach Hause komme, hat man mir gesagt“, antwortet die 51-Jährige.

Ans Tageslicht kam alles, „weil wir aufmerksam geworden sind“, berichtet ein Vertreter der Post AG. „Es wurden für Paketsendungen keine Nachnahmegebühren verrechnet. Bei der Angeklagten haben wir dann nicht ausgetragene Postsendungen im Auto gefunden.“

Bestrafung fordert der Staatsanwalt. Die Kirche müsse man aber im Dorf lassen. „Bereichern wollte sich die Angeklagte nicht. Es waren persönliche Umstände, die dazu geführt haben“, sagt er.

Für die 51-Jährige setzt es 2.940 Euro Geldstrafe. Bezahlt sie diese nicht, drohen ihr 210 Tage hinter Gittern. „Die Angeklagte war unbescholten, hat ein reumütiges Geständnis abgelegt“, listet der vorsitzende Richter die berücksichtigten Milderungsgründe auf. Mit dem Urteil sind Angeklagte und Staatsanwalt einverstanden. Somit ist es rechtskräftig.