Historische Handschrift wieder aufgetaucht. Nationalbibliothek kaufte Band XV 1926 in einem Antiquariat. Jetzt wurde er aufgearbeitet.

Von Nadja Straubinger. Update am 20. August 2019 (09:19)

Drei Jahre ist es mittlerweile her, dass Horst Sekyra sein Buch „Ober-Grafendorf, der Ötscher und das Pielachtal in der Barockzeit“ basierend auf seinen Übersetzungen der Bücher des Ober-Grafendorfer Pfarrers Aquilin Joseph Hacker (1701 bis 1764) präsentierte. Ein Band fehlte jedoch, die Nummer XV. Durch Zufall ist er nun aufgetaucht – in der Nationalbibliothek.

„Vor einigen Monaten rief mich eine Kollegin aus der Nationalbibliothek an. Sie war gerade dabei, die Ankäufe der Nationalbibliothek aus 1926 aufzuarbeiten. Da dürfte der Band dabei gewesen sein“, berichtet Karl Kollermann aus dem Diözesanarchiv. Wie der Band aus Ober-Grafendorf weggekommen sei, könne man jetzt nicht mehr nachvollziehen. In Band XV sind sehr viele Zeichnungen, wie Naturstudien, aber auch viele Wappen und Porträts. Darunter auch eines von Hacker selbst.

„Bisher wussten wir nicht, wie Aquilin Hacker aussah, weil es keine Bilder von ihm gab“, ist Kollermann erfreut. Die Zuordnung sei zwar nicht leicht gewesen, allerdings ist im Buch auf der Seite daneben ein Porträt von Hackers Bruder. „Da ist es naheliegend, dass das andere Bild ein Selbstporträt ist“, so Kollermann.

„Bisher wussten wir nicht, wie Aquilin Hacker aussah, weil es keine Bilder von ihm gab“

Besonders interessant findet der Historiker, dass Hacker schon geahnt hat, dass später einmal in die Höhe gebaut werden wird. Etwa gibt es eine Abbildung, die einen Ort zu seinen Lebzeiten zeigt und eine futuristische Darstellung 1.000 Jahre später. „Das hat etwas von einer Skyline“, interpretiert Kollermann.

Der fehlende Band zeigt vor allem die künstlerische Begabung des Ober-Grafendorfer Pfarrers. „Das Chaos bleibt aber gleich. Mit Ordnung dürfte er es nicht so gehabt haben“, schmunzelt Kollermann. In einem der anderen Bände beschreibt Hacker, wie er Farben herstellt, diese werden in diesem Band verwendet. Viele Wappen zeichnete er. „Hackers Familie waren Protestanten, der Großvater wurde enteignet, er hatte ein Gut in Hart“, berichtet Kollermann. Hackers Vater war katholisch und bei den Sinzendorfern in Fridau angestellt. „Für Hacker war es ein Problem, dass seine Familie Land und Ansehen verloren hatte.“

Band soll nun aufgearbeitet werden

Der gesamte Band ist über die Nationalbibliothek im Internet frei einsehbar unter data.onb.ac.at/rep/10B7E20B. Gemeinsam mit Horst Sekyra will Kollermann den Band aufarbeiten, welche Outputs es geben wird, ist derzeit noch nicht fix.

Quellennachweis für die Bilder: Österreichische Nationalbibliothek
Opus ministerii seu ministri, id est sacerdotis oeconomi Pars septima, succisivum, id es graphices et picturae documenta
Hacker, Aquilin Josef, 1701-1764
Grafendorf bei St. Pölten: 1. Hälfte 18. Jhdt.. - 325 x 210/215 mm. - Handschrift, 195 Bll. http://data.onb.ac.at/rep/10B7E20B