Karl Vogl ist mit 75 noch nicht pensionsreif. Altbürgermeister Karl Vogl feierte sein 50-jähriges Betriebsjubiläum bei Leiner und seinen 75. Geburtstag.

Von Marlene Groihofer. Erstellt am 21. Januar 2020 (04:30)
Karl Vogl ist auch mit 75 Jahren noch im Vollzeit-Job als Betriebsrat bei Leiner.
Groihofer

„Bei mir fällt immer alles zusammen im Leben“, lacht Karl Vogl. Anfang Jänner wurde er 75 Jahre alt – und feierte fast zugleich sein 50-jähriges Jubiläum als Mitarbeiter der Firma Leiner. Dort angefangen hat er 1970 als Verkäufer. Dann wurde er zum Wohnraumgestalter, spezialisiert auf Schlafzimmer. 1976 stellte sich Karl Vogl der Betriebsratswahl, seitdem vertritt er die Mitarbeiter von Leiner St. Pölten. Wenig später wurde er auch Zentralbetriebsrat für ganz Österreich. „Ich darf in einem großen Unternehmen einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen Freude an ihrer Tätigkeit haben. Sie können mich als Ansprechperson nutzen – ich habe Erfahrung und ein großes Netzwerk“, sagt Karl Vogl.

Karl Vogl in seinen Anfangsjahren beim Aufbau von „Ika“, des heutigen „Kika“.
privat

Oft, so der Ober-Grafendorfer, führe seine Beratung auch ins Private: „Wenn etwa eine alleinerziehende Mutter in finanziellen Schwierigkeiten steckt und wir gemeinsam nach Lösungen suchen“. Unternehmensziel sei es, dass die Mitarbeiter im Betrieb Bedingungen vorfinden, unter denen sie gerne und leistungsstark arbeiten können. Auch die Einführung des betriebsärztlichen Dienstes in NÖ initiierte Karl Vogl.

"Es war sehr wichtig, dass das Unternehmen vor Einreichung der Insolvenz noch gerettet werden konnte.“

Als sehr herausfordernd hat der Betriebsrat die Krisensituation der Kika/Leiner-Gruppe in den letzten Jahren erlebt. „Es war sehr wichtig, dass das Unternehmen vor Einreichung der Insolvenz noch gerettet werden konnte.“ Mit der neuen Geschäftsführung sei man auf einem ausgezeichneten Weg. „Da habe ich vollstes Vertrauen. Ziel ist, dass wir bis 2022 die Restrukturierung schaffen.“

Geboren wurde Karl Vogl 1945 in Ober-Grafendorf, mitten im Frontgeschehen zwischen deutschen und russischen Soldaten. Der Vater war zu jener Zeit noch in Stalingrad, die Mutter flüchtete mit dem Baby gegen Westen und kehrte zurück, als der Krieg vorbei war. Mit seinem jüngeren Bruder wuchs Karl Vogl, „in ärmsten Verhältnissen“ auf.

Ärmste Verhältnisse prägten die Kindheit

„Barfuß bin ich von Rennersdorf aus in die Schule gegangen, im Winter mit den Gummistiefeln des Vaters“, erinnert sich der 75-Jährige.

Glücklich war er, als er eine Tischlerlehre machen konnte – über die Möbelproduktion landete er nach einer Bewerbung schließlich im Leiner Möbelhaus. Das Aufwachsen in Armut hat Karl Vogl geprägt: „Ich habe mir vorgenommen, dass ich mein Leben lang versuchen werde, Menschen, die sich selbst nicht helfen können, zu unterstützen.“ Für die Gemeinschaft engagierte er sich nicht zuletzt 25 Jahre lang als SPÖ-Bürgermeister von Ober-Grafendorf. Viele Großprojekte, wie die Gründung der Ballettschule, der Bau des Festsaals oder das erste Sozialzentrum Niederösterreichs fielen in seine Amtszeit.

Privat zieht es den Vater zweier Töchter und stolzen Großvater von drei Enkeln stets in die Berge: Heuer möchte er zum 15. Mal den Großglockner besteigen. Und die Pension? „Daran denke ich überhaupt nicht. Die kommt schon – irgendwann.“