Fasten im Trend: Verzichten statt nur hungern. Leichtere, pflanzliche Kost fördert die körperliche Gesundheit. Einkehr im Kloster bringt seelisches Wohlbefördern.

Von Gila Wohlmann und Markus Zauner. Erstellt am 25. Februar 2020 (03:51)
Symbolbild
Bilderbox

Die Wintermonate, in denen die unfreundliche Witterung vielen gerne als „Ausrede“ dient, weniger Bewegung machen zu müssen, neigt sich dem Ende zu. Was geblieben ist, zeigen Spiegel und Waage erbarmungslos: überschüssige Kilos, die an manch unwiderstehlichen Weihnachtskeks oder üppigen Festtagsbraten erinnern. Eine Tatsache, die man gern übersehen würde, wäre da nicht die Fastenzeit, die auf dem Kalender steht. Jetzt muss sie, sozusagen datumsgebunden, unbedingt wieder her: die „Bikini-Figur“. Endlich ist der Grund gekommen, den Neujahrsvorsatz „FDH – Friss die Hälfte“ – umzusetzen. Doch Fasten heißt nicht nur weniger Essen, sondern es bedeutet Verzicht. Und dieser hat viele Formen. Die NÖN hat sich in der Region umgehört, wie man hier die Fastenzeit lebt.

Im Stift Lilienfeld ladenGästezimmer ein, um zurRuhe zu kommen.
NOEN

„Man merkt in der Fastenzeit deutlich ein steigendes Interesse an gesunder Ernährung“, weiß die Rabensteiner Diätologin Edith Sommerauer. Dennoch betont die Expertin: „Gesunde Menschen können bedenkenlos fasten. Chronisch Kranke, wie Personen mit Nieren- oder auch Verdauungserkrankungen, müssen unbedingt Rücksprache mit ihrem Arzt halten.“ Von einzelnen Fastentagen hält sie nichts. „Eine Gewichtsreduzierung kann nur langfristig durch sinnvolle Ernährungsumstellung erfolgen“, rät sie. Einzelne „Schalttage“, an denen man bewusst nur Obst und Gemüse zu sich nimmt, sind dennoch zu empfehlen.

Die Speisekarten an die Fastenzeit angepasst, haben auch schon Gastronomen im Pielachtal. „Wir bieten in den kommenden Wochen verstärkt Gerichte aus heimischem Fisch und auch vegetarische Kost an“, erzählt Patrick Planer vom Gasthaus Planer in St. Margarethen-Rammersdorf. Im Steinschalerhof in Warth von Johann Weiss setzt man neben der traditionellen Speisekarte auch verstärkt auf vegetarisch-vegane Gerichte. „Das Interesse der Gäste steigt. Wir hatten auf Kundenwunsch schon eine vegane Hochzeit und ein veganes Weihnachtsfest“, erzählt er und merkt auch selbst Vorteile der pflanzliche Kost. „Ich habe dadurch schon Kilos verloren“, sagt er und meint, „dass die Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten zu viel Fleisch gegessen hat.“

Spirituelles Fasten hinter Klostermauern

Doch manche nutzen die Fastenzeit ebenso, um innere Einkehr zu halten. „Das Fasten hilft, sich selber besser zu beherrschen, manche Abhängigkeiten aufzugeben und innerlich freier zu werden“, stellt Pius Maurer, Abt des Zisterzienserstiftes Lilienfeld, fest. Hier wird eine andere Form des Fastens mit den „Tagen der Stille“ angeboten. Das Kloster hat Zimmer (ohne Fernseher und Internet), in denen Gäste stets willkommen sind.

Der Gästetrakt liegt in einem Klosterbereich, der für Tagestouristen nicht zugänglich und daher besonders ruhig ist. „In diesem Gästetrakt lässt sich vom Trubel des Alltags besonders gut Abstand gewinnen“, weiß Abt Pius Maurer. Besucher, die hier verweilen, sind eingeladen, mit den Mönchen zu beten. Dies ist aber kein Muss. Und: „Es sind aber alle herzlich willkommen, unabhängig, welcher Religion sie angehören!“

Umfrage beendet

  • Fastenzeit: Leistet auch ihr Verzicht?